Ocean College

Zurück in die alte Welt – zweite Atlantiküberquerung

Datum: 06. März 2020
Autorin: Florett
Geografische Position: Ausfahrt aus St. Georges, Bermuda
Nautische Position: 32° 26.3N; 64° 29.2W
Etmal: 11,5 nm

Florett macht einen Knoten

Shanty

Now we are ready to head for the horn, way, ay, roll an’go!
Our boots an’our clothes, boys, are all in the pawn,
Timme rolockin’ randy dandy O!

Heave a pawl, O heave away! Way ay, roll an’go!
The anchor’s on board an’ the cabel‘’s all stored,
Timme rolockin’ randy dandy O!

Abfahrt

Der Shanty schallt laut über das dunkeltürkise Wasser. Paul singt die Strophen und wir anderen stehen an der Reling und begleiten ihn mit dem Chorus, während die Pelican ablegt und umdreht.

Der weiße Pelikan am Bugspried deutet mit seinem Schnabel direkt auf die Öffnung der Bucht und den offenen Ozean.

Am Kai liegen die Thalassa von dem niederländischen Projekt School at Sea und die Thor Heyerdahl vom Klassenzimmer unter Segeln. Die Tage zuvor hatten wir uns noch gegenseitig auf unseren Schiffen rumgeführt und uns über unsere unterschiedlichen Erlebnisse und Erfahrungen ausgetauscht.

Nun winken wir den Schüler*innen, die an Deck gekommen sind, noch einmal zum Abschied zu und passieren schließlich die enge Stelle, die wie ein Tor ist, das uns aus der geschützten Bucht Bermudas auf die offene See des Nordatlantiks bringt.

Es ist windig und das Wasser um uns herum hat einen tiefen Blauton. Wir segeln wieder nach Osten, lassen Bermuda hinter uns und begeben uns auf unsere zweite Überquerung des Atlantiks.

Wir fahren zwar offiziell nach Hause, aber bevor wir in Bordeaux ankommen, wird noch einiges passieren.

Die zweite Atlantiküberquerung

„Ich habe Respekt vor dem Wind und Wetter und bin gespannt, wie gut wir das meistern werden. Danach können wir alle stolz auf uns sein!“, sagt Mascha.

Schon kurze Zeit, nachdem wir losgefahren sind, werden einige von uns wieder leicht seekrank und die Pelican hat immer mehr Schräglage und schwankt hin und her.

Der Wind bläst in die Segel. Um uns herum ist nun kein Land mehr zu sehen. Große Wellen spülen über das Deck und um die Picknicktische sitzen einige Leute in ihrem Ölzeug, dicht aneinander gedrängt, die neongelben Kapuzen über den Kopf gezogen.

Es fühlt sich ganz anders an als bei der ersten Atlantiküberquerung. Damals sind wir in die Karibik gesegelt, um Orte zu sehen, die wir zuvor noch nie gesehen haben. Immer nach Westen und ins Warme. Dahin, wo es weiße Strände gibt und Palmen am Straßenrand stehen.

Wir hatten noch die ganze Reise vor uns und standen in T-Shirt und kurzer Hose bei der Wache.

Jetzt ist es wieder Zeit, Skiunterwäsche und Wollsocken zu tragen, noch mehr Tee als vorher zu trinken und sich darauf zu freuen, sich abends mit einer Wärmflasche ins Bett zu kuscheln.

Nach Hause – wie wird sich das anfühlen?

Wir wissen, wie es dort, wo wir hinfahren, aussieht. Wir verbinden Erinnerungen mit diesen Orten. Wir haben eine Familie und Freund*innen, die uns dort erwarten. Und obwohl die Pelican of London ein zweites Zuhause für uns ist, freue ich mich doch darauf, wieder zurückzukommen.

Andererseits glaube ich auch, dass es ziemlich komisch sein wird, von einem Tag auf den anderen wieder einen ganz anderen Alltag zu haben.

Morgens aufzuwachen und nicht dieselben 42 Menschen zu sehen, mit denen ich seit fast fünf Monaten zusammenlebe. Auch dass mein Alltag nicht mehr so getaktet ist und ich mir meine Zeit viel mehr selber einteilen kann, wird ungewohnt sein.

Jetzt haben wir vier Stunden Wache am Tag- vier Stunden klingen lang, sind es am Ende des Tages aber gar nicht mehr. Ich glaube, mein Verhältnis zu Zeit hat sich generell verändert. In die Schnelllebigkeit des Alltags zurückzukehren wird sicher nicht leicht sein, denn hier auf dem Schiff dauert alles etwas länger.

Das gilt vom Weg aufs Klo bis zur Atlantiküberquerung. Mit einem Flugzeug, Auto oder Zug ist man sehr schnell, aber wir brauchen mit dem Segelschiff für alles etwas länger (was eigentlich sehr angenehm ist).

Zurück auf dem Festland können wir gehen wohin wir wollen. Hier sind wir auf den Wind angewiesen und an Bord gibt es einfach nur begrenzten Platz (was wiederum dafür sorgt, dass man nie wirklich einsam ist). Auch das Essenkochen und Abwaschen habe ich an Bord in einer ganz anderen Dimension kennengelernt.

Und die ersten Tage wird es sich ungewohnt anfühlen, nur noch zu viert am Tisch sitzen und so plötzlich mein altes Umfeld zurück zu haben. So wie ich mich jetzt nach meiner Familie und meinen Freund*innen sehne, werde ich dann wahrscheinlich meine Familie auf der Pelican vermissen.

Und natürlich das Meer.