Ocean College

Juni2020

interkulturelle kompetenz schüler auslandsaufenthalt

Interkulturelle Kompetenz: Eine Reise die fürs Leben prägt

Mal sechs Monate raus von Zuhause, die Welt kennenlernen und neue Erfahrungen sammeln – das stellen sich unsere Teilnehmer*innen vor, wenn sie vor dem Heben des Ankers an ihre kommende Zeit im schwimmenden Klassenzimmer denken. Aber gibt es nachweislich Folgen und Ergebnisse einer solchen Reise? 

Kompetenz auf vielen Ebenen

Aber sicher prägt eine solche Reise auf dem Segelschiff! Wenn Eltern und die Familie die Reisenden nach sechs Monaten wieder in Empfang nehmen, bemerken sie ganz sicher einen Unterschied. Die Jugendlichen sind durch das selbstorganisierte Leben an Bord eines Segelschiffes selbstständiger, oft auch selbstsicherer. Da die Crew englischsprachig ist, haben sie auch einiges an Sprachkompetenzen entwickelt.

Was aber auch auffällt: Die Jugendlichen sind offener gegenüber neuen Erfahrungen und Kulturen. Sie haben in den sechs Monaten ihrer Reise so viel Neues in den besuchten Ländern erlebt, dass sich auch ihre Perspektive auf die Welt – und ihr Zuhause – verändert hat. Unsere Teilnehmer*innen stärken ihre interkulturellen Kompetenzen, lernen mit bis dahin fremden Bräuchen und Kulturen umzugehen. Untersuchungen zeigen, wie wichtig diese Fähigkeiten für die Zukunft der Jugendlichen sind. 

Früh Erfahrungen im Ausland machen

Petia Genkova und Christiane Elisabeth Schubert von der Hochschule Osnabrück stellten im Januar 2020 im Beitrag „Die Wechselwirkungen zwischen Auslandsaufenthalt, interkultureller Kompetenz und soziokultureller Anpassung für Auslandsentsendungen“ die Ergebnisse ihrer Forschung vor. 

Kulturelle Kompetenz - Schüler auf Kamelen

Sie stellten unter anderem fest, dass es bei Auslandsaufenthalten einen sichtbar positiven Zusammenhang zwischen dem Alter der Person und der angeeigneten interkulturellen Kompetenz gibt. Mit steigendem Alter sind auch die interkulturellen Kompetenzen der Personen stärker entwickelt. Die vermutete Ursache: Ältere Personen mit großen interkulturellen Kompetenzen hatten zuvor verstärkt Möglichkeiten, diese Skills zu erlernen. Deshalb „stellen internationale Programme, wie Schüler*innenaustausche, Erasmus und internationale Freiwilligendienste, eine sinnvolle Möglichkeit für junge Menschen dar, um früh interkulturelle Kompetenz zu entwickeln und dadurch ihre persönliche Entwicklung zu forcieren“, so die Wissenschaftlerinnen.

Kulturelle Kompetenz? Auf einem Markt in Marakesh lernen feilschen Menschen

Ein halbes Jahr an Bord eines schwimmenden Klassenzimmers ist also für jeden Jugendlichen eine lehrreiche Erfahrung. Zu lange warten sollten junge Menschen mit Erfahrungen im Ausland nicht. „Je jünger Personen sind, desto leichter fällt es ihnen, ihren Herkunftskontext zu verlassen und sich zu integrieren“, so Genkova und Schubert.

Den Grundstein für internationalen Berufsweg setzen

Die Untersuchung der beiden Wissenschaftlerinnen zeigt auch: Wer einmal auf den Geschmack gekommen ist, der hört so schnell nicht wieder auf: „Die Dauer der Auslandsaufenthalte sagt in der vorliegenden Studie hoch signifikant die interkulturelle Kompetenz und die berufliche Auslandsmotivation voraus“. Was bedeutet das? Je länger die Jugendlichen im Ausland unterwegs sind, desto ausgebildeter wird zum einen ihre interkulturelle Kompetenz, zum anderen bestärkt es aber auch ihre Motivation, nach der Schule im Ausland zu studieren oder arbeiten.

Sie möchten Ihrem Kind diese wunderbare Erfahrung ermöglichen? Dann bekommen Sie in unseren FAQs Antworten auf die wichtigsten Fragen oder kontaktieren Sie uns direkt.

Pelican of London

24/7 – Ein Tag im schwimmenden Klassenzimmer

Eine der wichtigsten Fragen, die unsere Teilnehmer*innen und die Eltern in der frühen Vorbereitungsphase stellen, ist die Frage: Wie läuft eigentlich so ein Tag an Bord des schwimmenden Klassenzimmers? Welche Aufgaben haben die Jugendlichen? Wie ist der Tagesablauf organisiert? Und setzen die Schüler*innen wirklich selbst die Segel? Hier stellen wir einen exemplarischen Tagesablauf vor, der zeigt, wie vielfältig ein Tag Bord sein kann.

Der frühe Vogel …

wann genau die Jugendlichen morgens aus der Koje müssen, bestimmt der Wachplan. 

Alle Jugendlichen sind in eine der drei Wachgruppen red/blue/white eingeteilt, die wiederum in zwei Untergruppen unterteilt sind (red 1, red 2 usw.). Jede*r Teilnehmer*in hat gemeinsam mit drei bis vier weiteren Jugendlichen jeden Tag vier Stunden Wache an Deck. In dieser Zeit steuert ein Jugendlicher das Schiff, zwei weitere Jugendliche aus der Gruppe halten Ausschau. Während den Wachen tagsüber findet auch die nautische Ausbildung statt. Dazu gehört das Knoten, Segel flicken, das Führen eines Schiffes, Karteneinträge, Maschinenrunden oder das Navigieren nach den Sternen. Die Wachgruppen, die gerade nicht das Segelschiff steuern, haben auch andere Aufgaben zu erledigen, von putzen bis abwaschen ist alles dabei. 

Wer nicht in der Nachtwache eingeteilt ist und in der Nacht durchschlafen konnte, der  steht morgens gegen 07:00 Uhr auf, um das Frühstück nicht zu verpassen. Anschließend beginnt um 08:00 Uhr der Unterricht.  Jeden Tag, außer am Sonntag, werden die Jugendlichen vier Stunden lang unterrichtet. Zwei Stunden sind dem klassischen Unterricht mit Lehrer*in gewidmet, in dem Wissen vermittelt und diskutiert wird. Die beiden weiteren Stunden bestehen aus Freiarbeit, die von Lehrer*innen begleitet werden.

Hier haben die Jugendlichen Zeit und Raum, um die Aufgaben zu erledigen, die sie von ihrer Heimatschule übermittelt bekommen. So können individuelle Lernstände berücksichtigt werden. Und wenn die Schüler*innen nach ihrer Reise im schwimmenden Klassenzimmer wieder im heimischen Klassenzimmer sitzen, finden sie umgehend Anschluss an den Lernstoff. 

Organisation ist das halbe Leben

Wer mit seiner Gruppe nicht gerade das Segelschiff steuert, der ist auch immer wieder zum Küchendienst eingeteilt. Pro Tag steht eine Wachgruppe in der Küche, um leckeres Essen für alle zuzubereiten. Dabei bekommen sie von Köchin Abbie Unterstützung.

Da ein Segelschiff nur begrenzte Kapazitäten hat, wird immer in zwei Sitzungen gegessen, wobei immer Gruppe 1 und 2 einer Wachgruppe am Tisch sitzen. 

Zur nautischen Ausbildung an Bord des schwimmenden Klassenzimmers gehört u.a. das Knoten lernen.

Einmal am Tag gibt es ein Meeting mit dem Kapitän und der Projektleitung, in dem das Programm für den nächsten Tag besprochen wird und Infos zur aktuellen Route gegeben werden. Hier ist auch der richtige Platz für Feedback, denn es ist die einzige Situation am Tag, an der verlässlich alle zusammenkommen.

Nach dem Mittagessen ist Zeit, um weitere Routineaufgaben zu erledigen. Das tägliche Putzen durch eine Wachgruppe gehört dazu. Nur am Sonntag ist großer Putztag, an dem alle gemeinsam anpacken. 

Alles stehen und liegen lassen dürfen die Jugendlichen, wenn es aus den Lautsprechern ruft: „All hands on Deck“. Der Kochlöffel wird beiseite gelegt, der Unterricht unterbrochen, denn jetzt braucht es Manpower. Alle, die gerade verfügbar sind, müssen an Deck, um beispielsweise ein Segel zu drehen oder zu hissen. 

Erst die (Schul-)Arbeit, dann das Vergnügen

Legt das schwimmende Klassenzimmer in einem Land an, dann gibt es viele abwechslungsreiche und lehrreiche Exkursionen. Die Jugendlichen lernen Land und Leute, Kultur und Klima kennen, sie machen Erfahrungen, die sie nicht mehr vergessen werden. Aber ein halbes Jahr auf einem Segelschiff zu leben, bedeutet auch viele Tage an Bord eines Schiffes – ohne Landgang. 

Das gemeinsame Musizieren schafft Abwechslung.

Dafür gibt es die Schiffsbibliothek und eine große Auswahl an Spielen. Außerdem organisiert das Team viele tolle Events an Bord, die alle Teilnehmer*innen zusammenbringen und für Abwechslung sorgen.

An jedem Nachmittag oder Abend ist etwas los: Mal geht es zum Baden in den Atlantik, es wird ein Bootsrennen veranstaltet oder alle machen es sich unter dem Sternenhimmel bequem, um einen Filmabend zu genießen, bei dem das Segel zur Leinwand wird. In den Shanty-Nights werden alte Seemannslieder gesungen und besondere Höhepunkte sind der Mid-Atlantic-Ball, die berüchtigten Piraten-Parties oder die Atlantiktaufe.

Neben den organisierten Events der Reise finden unsere Teilnehmer*innen aber auch immer selbst Unterhaltung. Es gibt einen wunderschönen Sternenhimmel zu sehen, der sich nirgendwo besser beobachten lässt als von einem Segelschiff auf dem Atlantik. Viele Jugendliche bringen ihre Instrumente mit, die zum gemeinsamen Musizieren und Singen herausgeholt werden. 

Ganz lebendige Einblicke in das Leben an Bord unseres schwimmenden Klassenzimmers gibt es in unserem Videobericht. 

wirtschaftliche Kompetenzen stärken

Unsere Pathways – Kompetenzen fürs Leben stärken

In der Schule wird in erster Linie noch immer Wissen vermittelt, wobei es doch vielmehr darauf ankommt, den jungen Menschen zu zeigen, wie sie selbst Lösungen und Antworten finden. Mit unseren Pathway-Projekten möchten wie die Kompetenzen der Jugendlichen nachhaltig stärken.

Rüstzeug für selbstbestimmtes Leben 

„Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“, war Immanuel Kants Gedanke, der zur führenden Idee der Aufklärung wurde. Heute benötigen wir mehr denn je die Fähigkeit, uns unseres eigenen Verstandes bedienen zu können. Die Welt ist komplex geworden und schon Jugendliche werden mit Fragen konfrontiert, wie es früher undenkbar war: Wie gestalte ich meine Lebenswelt nachhaltig mit? Welche persönlichen Daten möchte ich bei der Mediennutzung preisgeben? Welche Informationen sind vertrauenswürdig, so dass ich sie zur Basis meiner Überzeugungen machen kann – und wie nutze ich selbst die Medien sinnvoll? Die Antwort finden die Jugendlichen selten allein in der Schule.

Zum segelnden Klassenzimmer gehören die drei Pathways Economics, Science und Media. Während unserer Reise können die Teilnehmer*innen in einem der drei Schwerpunkte ihr Wissen und ihre Kompetenzen stärken. Wir sind überzeugt davon, dass die Jugendlichen hierbei fürs Leben lernen, die aktuelle Corona-Krise zeigt, wie wichtig Medienkompetenzen, die Fähigkeit zum analytischen Denken und ein Gefühl für wirtschaftliche Strukturen sind. 

Kompetenzen stärken im wissenschaftlichen Arbeiten
Pathway-Projekt Science erarbeiten sich die Jugendlichen ihre Erkenntnisse ganz praktisch.

Science: Thesen hinterfragen und in der Erkenntnis wachsen

Ein aktuelles Beispiel zeigt sehr gut, wie wichtig ein Verständnis für wissenschaftliches Arbeiten und Denken ist. Weltweit sind Wissenschaftler*innen auf der Suche nach einem Impfstoff gegen die Viruserkrankung Covid19. Währenddessen beraten Forscher*innen des Robert-Koch-Instituts und andere Expert*innen auch die Bundesregierung, um die geeigneten Maßnahmen gegen die Pandemie zu treffen. 

Über diese Zusammenarbeit zwischen Politik und Wissenschaft gibt es auch eine rege mediale Berichterstattung, es kommen dabei bei Leser*innen immer wieder Fragen auf wie: Die Forscher*innen haben gesagt, dass es ein gefährliches Virus ist? Warum ist die Todesrate dann so niedrig? Die Wissenschaftler*innen haben im April eine Prognose abgegeben, die jetzt gar nicht eingetroffen ist – wissen sie nicht, was sie tun? Sie haben zu Beginn der Pandemie Empfehlungen gegeben, die sie jetzt nicht mehr geben – richten sie ihr Fähnchen nach dem Wind? 

Wer wissenschaftliches Arbeiten versteht und die notwendigen Kompetenzen entwickelt, der kann sich in solchen gesellschaftspolitischen Diskussionen besser orientieren. Denn: Die Wissenschaft lebt vom Erkenntniszugewinn. Was heute noch als wahr gilt, kann morgen überholt sein. So geht es aktuell auch den Wissenschaftler*innen, die das Corona-Virus analysieren. „Erkenntnisfortschritt entsteht dadurch, dass bisherige Erklärungen infrage gestellt werden. Wissenschaft ist, richtig verstanden, in Prozesse gegossener Zweifel“, heißt es in dem Spiegel-Beitrag „Wissenschaft ist keine Wunschmaschine“. Wer besser verstehen möchte, wie Thesen aufgestellt, widerlegt oder bestätigt werden, der setzt sich mit dem wissenschaftlichen Arbeiten auseinander. Im Science-Pathway möchten wir diese Kompetenzen stärken.

Kompetenzen von Jugendlichen stärken
Die Teilnehmer*innen präsentieren ihre Pathway-Ergebnisse auch in der Gruppe.

„Media & Journalism“: Ist das schon Werbung, noch Fake News oder doch Journalismus?

Die aktuelle Corona-Krise gibt es uns neue Einblicke in wissenschaftliches Denken, zeigt aber auch deutlich, wie Medien funktionieren und was hierbei die Herausforderungen in einer digitalen Gesellschaft sind. Eines der wichtigsten Themen: Fake News. Wie unterscheide ich gut recherchierte journalistische Arbeiten von Beiträgen voller Behauptungen und unseriösen Quellen?

Zur Meinungsbildung ist es unabkömmlich, journalistische Qualität unter Einhaltung von ethischen Grundsätzen von populistischer Meinungsmache unterscheiden zu können. Im Rahmen der Shell-Studie 2019  wurden 12- bis 25-Jährige zu ihrem Leben und Werten befragt. Die Jugendstudie zeigt, dass die Mehrheit der Jugendlichen sich zu politischen Themen online informieren:

  • Nachrichten-Websites oder News-Portale (20 %)
  • Messenger Apps (14 %) 
  • YouTube (9 %)
  • Fernsehen (23 %)
  • Radio (15 % )
  • klassische Printmedien (15 %)

Deshalb gehört es zu einer guten Medienkompetenz, die Rolle von sozialen Netzwerken in der Meinungsbildung zu verstehen und journalistische Arbeiten von Werbung unterscheiden zu können. Im Pathway „Media & Journalism“ erarbeiten sich unsere Teilnehmer*innen erste eigene Medienbeiträge, lernen diese zu planen und umzusetzen, womit wir ihre Kompetenzen nachhaltig stärken.

Kompetenzen von Jugendlichen stärken

Economics: Strukturen erkennen und verbessern

Wir shoppen auf Amazon, legen Geld in Wertpapieren an und geben mit wenigen Klicks auf dem Smartphone Geld aus. Nie waren wirtschaftliche Strukturen und wirtschaftliches Denken mehr in unser Leben integriert als heute. Schon Jugendliche können mit dem eigenen YouTube-Channel, über E-Sports oder als Influencer Geld verdienen. Aber was sind wirtschaftliche Prinzipien, wie funktionieren ökonomische Prozesse und wie sind sie mit unserer Lebenswelt verzahnt?

In der Corona-Krise rückt die Wirtschaft in dem Blick der Gesellschaft: Welche Produkte und Dienstleistungen benötige ich wirklich für ein gutes Leben? Was bedeutet mir mein eigener Beruf und welchen Platz nimmt er in meinem Leben ein? Welche Berufe sind systemrelevant? Was ist eine faire Lohnzahlung? Braucht es ein bedingungsloses Grundeinkommen? Wie digital muss die Wirtschaft sein, um in Zukunft solche Krisen zu überstehen?

Schon vor der Corona-Krise war die Wirtschafts- und Lebenswelt im Wandel, die Pandemie verstärkt den Prozess. Junge Menschen möchten heute (wieder) mehr mitbestimmen, haben Ansprüche an die Gestaltung der Zukunft unserer Gesellschaft und sie fordern, dass bereits heute die dafür erforderlichen Weichenstellungen vorgenommen werden. 

Auch das zeigt die 8. Shell Jugendstudie. Zu den wichtigsten Themen der Jugendlichen gehören demnach der Umweltschutz und Klimawandel, hier möchten sie mehr Mitsprache und fordern Politik und Gesellschaft, zu handeln. 

Um Ziele im Umwelt- Klimaschutz zu erreichen, muss aber auch die Wirtschaft umdenken: Reduktion von CO2-Emissionen, Stärkung der erneuerbaren Energien und nachhaltige Wirtschaftskreisläufe, um nur einige Punkte zu nennen. Wer versteht, wie Wirtschaft bisher funktionierte, der hat die Basis, um die Wirtschaft der Zukunft mitzugestalten. Dabei spielt es keine Rolle, ob man später selber eine führende Rolle in der Wirtschaftswelt spielen möchte oder als Konsument bewusst und nachhaltig handelt und Dinge hinterfragt. 

Lesen Sie hier mehr über die Pathways im segelnden Klassenzimmer und lernen Sie die Projektergebnisse der früheren Teilnehmer*innen kennen.

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