Ocean College

Juni2021

Von der Kaffeebohne zur neuen Wirtschaft

Zu einem der Höhepunkt des Ocean College-Programms gehört der Besuch auf der Kaffeefarm. Im Januar erfuhren unsere Teilnehmer*innen 2020/21 alles über den Ursprung der Bohnen und lernten dabei auch noch etwas über den globalen Welthandel und Lösungen für eine neue Wirtschaft. Denn es gab auch eine in diesem Jahr eine Besonderheit: Ein Teil der eigenen Ernte fuhr auf unserem segelnden Klassenzimmer mit nach Deutschland, wo der besondere Kaffee nun verkauft wird.

Beim Kaffeekirschen pflücken Lösungen für eine neue Wirtschaft finden

Ein paar Tage auf der Don Eli Coffee Farm in Costa Rica zu verbringen ist an sich schon ein besonderes Erlebnis. Wer hat schon die Chance diesem – immer noch – exotischen Produkt so ursprünglich so nahe zu kommen? Gemeinsam ernten die Jugendlichen die Kaffeebohnen und lernen alles über die Möglichkeiten der Verarbeitung kennen. Ein solcher Tag auf der Kaffeefarm macht den Jugendlichen vieles bewusst: Wie aufwändig die Produktion von Kaffeebohnen ist, wie anstrengend und Herausforderung die dafür notwendige körperliche Arbeit ist  und wie viele Schritte es eigentlich braucht, damit wir in Europa unsere Tasse Kaffee genießen können. Und schließlich kommt es dann zu der Frage, wie eine solche Arbeit eigentlich fair entlohnt wird. Über das bloße Ernten der Kaffeekirschen kommen wir also ziemlich schnell auf wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Grundfragen zu sprechen. Und auch das ist ein Anliegen von Ocean College: Zustände hinterfragen, eine eigene Meinung bilden, Lösungen für eine neue Wirtschaft entwickeln.

Direkt und per Segelschiff: Emissionsarme Handelswege

Auch in diesem Jahr konnten wir einen ganz praktischen Lösungsansatz realisieren, wenn es um die faire Entlohnung und emissionsarme Handelswege geht. Als wir uns von Costa Rica verabschieden mussten, nahmen wir 370 kg Kaffeebohnen mit an Bord der Pelican of London. Das sind 10 kg pro Person an Bord, die Grenze für die unversteuerte Ausfuhr von Kaffee. Nach unserer Ankunft in Deutschland holten die Besitzer der Green Roast Kaffeerösterei den Rohkaffee direkt am Hafen ab, um ihn in ihre Rösterei in Grünstadt in Rheinland-Pfalz zu transportieren. Diese tolle Kooperation war auch möglich, weil Marie, die Tochter der Röstereibesitzer, eine der diesjährigen Teilnehmer*innen war. In der Kaffeerösterei wird der Kaffee nun seit April verkauft und zu köstlichen Kaffeespezialitäten verarbeitet. So konnten wir in dieser Zusammenarbeit einen nahezu CO2-freien Kaffee realisieren, der auch noch ohne Zwischenhändler direkt vom Erzeuger zur Rösterei in Deutschland transportiert wurde. 

Wie funktioniert eigentlich… ? Bewusstsein für wirtschaftliche Themen stärken

Das Resultat ist nachhaltig produzierter Kaffee – aber auch die tollen Erkenntnisse bei unseren Teilnehmer*innen. Sie waren dabei, als die Kaffeebohnen geerntet wurden und waren wesentlich an dem Transport der Ware beteiligt. So konnten sie die einzelnen Stationen der Lieferkette gut nachvollziehen und sich auch bewusst machen, wie aufwändig es ist, allein diesen Kaffee zu transportieren – und auch nur im Rahmen dieses einmaligen Segeltörns. Emissionsarme Lieferketten spielen aber bereits jetzt eine wichtige Rolle, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Es muss also ein Ziel sein, solche nachhaltigen Transportwege auf dem globalen Handelsmarkt umzusetzen. Für genau solche Herausforderungen der Gegenwart und nahen Zukunft werden die Jugendlichen durch eine solche Projektarbeit sensibilisiert – und wer weiß: Vielleicht sind unsere Teilnehmer*innen die Changemaker, die eine nachhaltige, neue Wirtschaft realisieren.

Agenda 2030

Agenda 2030: Lasst es uns anpacken!

Die Weltgemeinschaft hat beschlossen, etwas für die nachhaltige Entwicklung unseres Planeten zu tun. Auf der Agenda 2030 stehen 17 Ziele, die dazu beitragen sollen. Aber was braucht es wirklich für eine nachhaltige Lebensweise? Ein neues, nachhaltiges Verständnis von Bildung! Und das fängt bei jedem Einzelnen von uns an.

Bildung ist der Schlüssel

17 Ziele, 17 Themen – und sie sollen bis 2030 Realität werden. 2015 verabschiedete die UN 17 globale Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, kurz SDGs), die zusammen die Agenda 2030 formen. Neben der Geschlechtergleichheit, sauberem Wasser, dem nachhaltigen Konsum und bezahlbarer, sauberer Energie ist auch die inklusive, gerechte und hochwertige Bildung eines dieser Ziele.

Die Vision ist klar: Alle Menschen auf diesem Planeten sollen die Chance auf ein menschenwürdiges Leben haben. Und dabei sollen unsere Lebensgrundlagen nachhaltig erhalten – oder wieder gestärkt – werden. Schaut man sich die Ziele der Agenda 2030 an wird eines klar: Bildung ist die Basis, um diese Vision langfristig und nachhaltig umzusetzen. 

Und das hat auch die Agenda 30 im Blick, denn es gehe eben nicht nur um die individuelle Bildung, so heißt es hier, sondern um die Bildung der Menschen für nachhaltige Entwicklung. 

„Denn durch Bildung kann der Einzelne erkennen: Mein Handeln hat Konsequenzen – nicht nur für mich und mein Umfeld, sondern auch für andere. Ich kann dazu beitragen, die Welt ein Stück zu verbessern. Dieses Denken ist dringend notwendig, um Veränderungen anzustoßen, drängende globale Probleme zu lösen, damit auch zukünftige Generationen gut leben können.“

Nur wenn ausreichend Wissen da ist und wir die Fähigkeit zum Weiterdenken haben, können wir unsere Rolle in der Gesellschaft und die Wirkung unseres eigenen Handelns richtig einschätzen. 

Was sind die Bildungsziele der Agenda 2030?

  • kostenlose und hochwertige Grund- und Sekundarausbildung für alle Kinder bis 2030
  • Ausbau der Bildungsförderung als Schwerpunkt deutscher Entwicklungspolitik 
  • Zugang zu hochwertiger frühkindlicher Erziehung, Betreuung und Vorschulbildung 
  • Zugang zu hochwertiger fachlicher, beruflicher und tertiärer Bildung für alle
  • Ende von Geschlechterungleichheit in Bildung
  • Alle Jugendlichen und ein erheblicher Teil der analphabeten Erwachsenen sollen lesen, schreiben und rechnen lernen
  • Bildung für nachhaltige Entwicklung vorantreiben,
  • Kinder-, behinderten- und geschlechtergerechte Bildungseinrichtungen

Agenda 2030: Deutschland hat einen Plan

Das wirklich Tolle ist, dass Deutschland die Agenda 2030 als eines der ersten Länder in einen nationalen Aktionsplan umgewandelt hat, um die 17 Ziele voranzutreiben.

Was genau will Deutschland erreichen?

  • Soziale Herkunft entscheidet nicht über Bildungschancen 
  • Ausbau der Ganztagschul- und Betreuungsangebote 
  • sprachliche Bildung durch Programm „Sprach-Kitas”
  • inklusive Pädagogik 
  • verstärkte MINT-Bildung 
  • “Initiative Klischeefrei” für geschlechterneutrale Berufswahl 
  • Initiative “Bildungsketten” zur Unterstützung des Übergangs von Schule in Beruf 
  • Förderschwerpunkt “BBNE 2015 – 2019”: Nachhaltigkeit wird zum Thema in der Berufsbildung
  • Nachhaltige Entwicklung soll in KMU gestärkt und entwickelt werden
  • Qualitätsoffensive in der Lehrerbildung 
  • “DigitalPakt Schulen” 

Es werden also viele Initiativen gebildet, Programme geschaffen und Ziele gesetzt. Aber wie funktioniert es im Kleinen, im Alltag? Dass der „DigitalPakt Schulen“ aktuell eher stockt und die Bildungspolitik in der Corona-Krise ein eher schlechtes Bild abgegeben hat, ist klar.

Aber es fehlt auch noch etwas anderes, was wir uns viel präsenter wünschen: Die Haltung, die hinter dem Ziel einer nachhaltigen Bildung und der Agenda 2030 steht. Es geht um Kollaboration, Mut zum eigenständigen Denken und Handeln, Kreativität, Offenheit – eine Haltung, die der Zukunft zugewandt ist.

Jeder Einzelne kann etwas bewirken

Und es klang bereits in der Erläuterung des Bildungsziels an: Wir müssen Kindern und Jugendlichen zeigen, dass sie selbstwirksam sind – und ihnen dafür auch möglichst viel Raum, Zeit und Ressourcen zur Verfügung stellen. 

Und dafür braucht es nicht nur die eine oder andere Lehrerfortbildung und mehr MINT-Programme, sondern eine neue Art von Schule. Wir haben (auch) aus diesen Gründen Ocean College gegründet. Und unsere Arbeit und Philosophie berührt gleich mehrere Punkte der Agenda 2030, die sich gegenseitig stützen:

  • Hochwertige Bildung: Im schwimmenden Klassenzimmer haben die Jugendlichen die Möglichkeit, selbstbestimmt und selbstorganisiert zu lernen. Wir leben das aktive Lernen, denn es ist die einzige nachhaltige Art zu lernen.
  • Bezahlbare und saubere Energie: Unser Büro läuft mit Ökostrom – unser kleiner Beitrag zur Energiewende.
  • Menschenwürdige Arbeit: Wir arbeiten mit ethisch motivierten Banken zusammen. So leisten wir unseren Beitrag dazu, dass kein Finanzsystem unterstützt wird, das in die Rüstungsindustrie, in Atom- und Kohlestrom, oder die Nahrungsmittelspekulation investiert.
  • weniger Ungleichheiten: Wir leben Gleichberechtigung vor und erwarten das auch von allen anderen Beteiligten am Projekt Ocean College.
  • nachhaltige(r) Konsum und Produktion: Wir arbeiten mit Unternehmen zusammen, die ein ökologisches Bewusstsein haben und nachhaltige Produkte anbieten. Die Ausrüstung für unsere Teilnehmer*innen kommt von Patagonia und Musto. Außerdem sind unsere technischen Geräte SecondHand und wir setzen im schwimmenden Klassenzimmer auf recycelbare Hygieneartikel. Unsere Teilnehmer*innen arbeiten auf ihrer Reise auch auf einer Kaffeefarm. Hier lernen sie, wie wichtig nachhaltiger Konsum und Handel ist. Einen Teil der Ernte transportieren wir auf unserem Schiff nach Europa, wo er als CO2-freier Kaffee verkauft werden kann.
  • Maßnahmen zum Klimaschutz: Die Emissionen, die mit unserem Firmenwagen entstehen, kompensieren wir über myclimate. Und wenn unsere Teammitglieder fliegen müssen, dann gleichen wir jeden Flug über Atmosfair aus.
  • Leben unter Wasser: In unserem Projekte mit der Initiative „Stop!MicroWaste“ und mit unseren Beach-Clean-Ups tragen wir aktiv zum Schutz maritimer Lebensräume bei. Außerdem entnehmen unsere Teilnehmer*innen während der Reise Wasserproben, die sie Wissenschaftler*innen für die Forschung zur Verfügung stellen.
  • Leben an Land: Ein Schwerpunkt des segelnden Klassenzimmers ist die Arbeit in Costa Rica. Dort tragen wir aktiv am Schutz des Regenwaldes um Puerto Viejo bei und helfen bei der Aufforstung von Wäldern auf der Halbinsel Nicoya.
  • Partnerschaften zur Erreichung der Ziele: In allen Bereichen unseres Handelns arbeiten wir mit gleichgesinnten Menschen, Institutionen und Unternehmen zusammen.

Ein halbes Jahr Leben und Lernen im schwimmenden Klassenzimmer kann der Start sein. Aber fast noch wichtiger ist, was danach kommt. Wie leben wir diese „inklusive, gerechte und hochwertige Bildung“ außerhalb den Strukturen von zeitlich begrenzten Programmen?

Was könnt ihr tun?

Diversity, Inklusion, nachhaltiger Konsum, Klimaschutz und eine neue Idee von Bildung – wirklich lebendig werden diese Begriffe nur, wenn wir sie auch leben. 

  • Engagiert euch: Wie könnt ihr als Eltern oder Schüler*innen euer Umfeld ermutigen, Bildung neu zu denken? Recherchiert Initiativen, organisiert Themenabende, gründet einen Elternkreis
  • Fordert auf: Eure Bildungseinrichtungen sind noch weit entfernt von einer neuen transformativen Idee von Bildung? Dann sprecht Lehrkräfte, Pädagogen und andere Elternteile an und kommt ins Gespräch!
  • Seid Vorbild: Zeigt Haltung und lebt es anderen – vor allem euren Kindern – vor. 

Einen ersten Schritt in Richtung Selbstwirksamkeit können Jugendliche in unserer Summerschool gehen. Im August gehen die Teilnehmer*innen an Bord unserer Pelican of London und reisen nach Norwegen und Schweden. Mit der englischsprachigen Crew frischen sie nicht nur ihre Sprachkenntnisse auf, sie erhalten auch Einblicke in die Meereswissenschaften und lernen das 1×1 des Segelns. Hier gibt’s mehr Infos.

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