Ocean College

Oktober2021

Halloween auf der Pelican

Datum: 31.10.2021
Name: Julian
Position: Arrecife, Lanzarote
Geographische Position: 28°58.6N, 013°26.2W
Etmal: 91 NM (Insgesamt: 2381 NM)

Für mich startete der Tag um 06:50, als ich mit dem Wort “Nutellatag” von Viktor geweckt wurde. Als ich dann um 7:15 nach oben ging, um mir ein Brot zu toasten, fiel plötzlich der Strom für 10 Minuten aus. Nichtdestotrotz hat jeder weitergegessen als wäre nichts und die Nutella ging wie jeden Tag viel zu schnell leer. Als ich dann um 07:50 zur Watch nach oben ging, wusste ich, dass wieder mal 4 ½ Stunden tot zu schlagen waren. Zwischen Helming, Lookout und Pause kam eine Durchsage im Funkgerät, dass ein Flüchtlingsboot irgendwo zwischen Afrika und den Kanaren unterwegs war. Mehr ist in der Watch auch nicht passiert und ich war echt glücklich, als die Fore Watch zum Ablösen hoch kam und ich Mittag essen konnte.

Julian als Kopfloser

Gegen 16:00 sind wir dann im Hafen in Arrecife angekommen, und jeder war glücklich, nach fünf Tagen auf dem Wasser mal wieder in einem Hafen zu sein. Und dann kam eins der Highlights des Tagen: Schwimmen nach dem Abendessen, sprich 18:30. In der Zeitspanne zwischendrin wurde noch fleißig an den Halloween Kostümen gearbeitet und die Zeit ging schneller rum als man schauen konnte. Um 18:30 setzte sich dann die ganze Gruppe in Bewegung und nach 15 Minuten waren wir am Strand. Das Wasser war mit einer Wassertemperaur von 25 Grad echt angenehm und wir hatten alle eine Menge Spaß. Als wir uns dann zum Rückweg aufmachten, war es auch schon 19:40. Um 20:00 ging die Halloween Party los.
Alle haben sich verkleidet und es war eine super Stimmung, hier ein paar Verkleidungen:

Jele – John (unser Engineer)
Daisy – Amor
Hanna, Lilli, Leon – Teufeldrillinge
Luise und Ariadni – Allmänner
Knut – Russe
Till und Marlon – Millionaire
Leni und Helene – Horror Zwillinge
Laure, Luca, Lukas, Victor – Verschwörungstheorie Sekte
Ann – Vampir
Jule – Horror Elch
Bennet – Spiderman
Julian – Kopfloser
Paula und Lotte – Verbrecher
Jonathan – “Frau” 😉

Am Ende gab es dann einen Kostümwettbewerb, wo die Gewinner (Jele, Julian, Daisy, die Sekte) auf eine Piniata einschlagen durften, die mit Süßigkeiten gefüllt war und sobald sie offen war, hat sich jeder drauf gestürzt. Die Stunden vergingen und nach zwei Runden Werwolf hatten wir auch schon 23:30. Erschöpft aber glücklich lag ich dann in meinem Bett und dachte darüber nach, das Glück zu haben, auf dieser Reise zu sein. In den 1 ¼ Monat haben wir schon so viel entdeckt und gesehen, wie normalerweise in mehreren Jahren Deines Lebens und das, obwohl wir alle noch Teenager sind.

Zum Schluss grüße ich nochmal meine ganze Familie meine Freunde, meinen Zwillingsbruder und meinen Geigenlehrer.

Dead Horse over Board

Datum: 30.10.2021
Autor*innen: Michi, Jamie & Kristina
Position: Kurz vor den Kanaren
Nautische Position: 30°23.4‘N ; 012°15.8‘W
Etmal: 175 NM (insgesamt: 2290 NM)

Einen Monat lang unterwegs

Rechnet man die Trainingstage in Kiel ab, so sind wir nun tatsächlich fast genau seit einem Monat auf See unterwegs. Um das zu feiern, gibt es auf unserer Pelican of London eine Tradition, die schon existiert seit es die Seefahrt gibt: Die Dead Horse Ceremony.

Dead Horse Ceremony

Traditionell wurden in früheren Zeiten auf Segelschiffen viele Seefahrer erst nach einem Monat an Bord bezahlt, wenn sie schon im Voraus einen Teil ihres Lohns eingefordert hatten. Die ersten dreißig Tage arbeiteten sie sozusagen gefühlt „umsonst“, was bei der Arbeit, die Segeln ohne moderne Technik ist, kein gutes Gefühl gewesen sein muss.

Um den Beginn der bezahlten Lohnarbeit zu zelebrieren, wurde die Figur eines toten Pferdes vom ersten Yard des Schiffes im Meer versenkt, und damit sozusagen der unliebige Ballast abgeworfen.

Als letztes Schiff der Welt setzt die Pelican diese Tradition fort und so wurden die Schüler:innen, Watchleader:innen und Lehrkräfte angehalten, ihr eigenes „Dead Horse“ zu basteln.

Dead Horse Zeremonie

Die wachfreien Zeiten der letzten Tage wurden daher kreativ genutzt, um bis zum letzten Schein Tageslicht an den Pferden zu basteln. Die einen setzten auf Größe, die anderen auf Farbe und wieder andere auf jede Menge Panzertape.

Schlussendlich hatte jede Gruppe ihre repräsentative Figur pünktlich zur Zeremonie fertig. Um dem Ganzen noch etwas mehr Glanz zu verleihen, wurden die Pferde in unterschiedlichen Kategorien bewertet: Das schönste, das merkwürdigste, das toteste, der beste Name, das größte und die beste Performance des zugehörigen Shanty.

Denn natürlich darf bei solch einem Anlass ein guter Shanty nicht fehlen.

Der Shanty

Der Shanty erzählt genau jene Geschichte des alten Pferdes, das sozusagen zu Tode geritten wird (und damit die Gefühle der unbezahlten Seefahrer gut wiederspiegelt). Während alle (gefühlt) 100 Strophen des Shantys zum besten gegeben wurden und der Refrain „And they say so, and they hope so […] Oh poor, old, horse“ über Schiff klang, prozessierten alle Pferdebesitzer dreimal übers Deck, um die Gäule den Juroren angemessen zu präsentieren.

Das Versenken

Gleichzeitig erkletterten die jüngsten von jeweils Jungs und Mädchen das Course Yard (den ersten Querbalken am Main Mast), um die Pferde anschließend feierlich in den Ozean zu versenken. So wurden die Figuren mit einem Seil hinauf zu den Verantwortlichen befördert, diese schnitten es unter großem Jubel und Trubel los und am Ende wurden die sterblichen Überreste der Pferde wieder an Bord geholt (denn natürlich verschmutzen wir nicht den Ozean).

Schlussendlich bestanden alle Pferde den Schwimmtest und konnten leicht verletzt, aber definitiv tot geborgen werden.

Man over Board – Übung

Hilfreich dafür war mit Sicherheit auch der „Man over board drill“, der zuvor routinemäßig durchgeführt worden war. Gespannt schauten alle zu, wie der über Bord gegangene Mann, oder in unserem Fall eine Boje, durch geschicktes Manövrieren, Sailhandling und die schnelle Ausführung präziser Kommandos sicher wieder auf das Schiff geholt werden konnte.

Preisverleihung

Nun aber zurück zu unseren dead horses over board: Die Watchleader räumten im Finale die großen Preise ab (Bestechung lohnt sich auch nicht mehr, wie einige Gruppen ernüchtert feststellen mussten), der beste Name hingegen ging an Juicy, das Pferd der Jungs, und das merkwürdigste war mit Abstand das der Mädchen.

Verdiente Siege, aber dass weniger manchmal mehr ist, beweist der Sieg der Watchleadergruppe. Wie dem auch sei, nun, nach einem Monat an Bord und der Zeremonie, sind wir endlich richtige Seefahrer:innen!

Gruppe mit Dead Horse

Der Rest des Tages

Während die Pferde allesamt sehr tot waren, zeigte sich das heimische marine Leben hingegen äußerst lebendig. Den ganzen Tag lang begegneten wir Schildkröten, die mit eisernem Willen gegen die, zugegeben sehr seichte, Strömung und Wellen ankämpften.

Ein weiteres Highlight war der Fischschwarm, der direkt unter der Pelican entlang schwamm und von aufmerksamen Wachhabenden entdeckt wurde. Ein Anblick, den man so schnell nicht vergisst, wie die glitzernden, riesigen Fische mit ihren schillernd gelben Flossen unseren Weg kreuzten.

Wasserproben mit dem Science Pathway

Ähnlich aufregend waren auch Michis Wasseruntersuchungen, die an diesem Tag mehrere Male durchgeführt werden konnten.

Zunächst haben wir die routinemäßige Morgenmessung mittels CTD Sonde während der Fahrt durchgeführt, die uns einen kontinuierlichen Wertegradienten an Druck und Temperatur sowie die aktuellen Werte für Salzgehalt, Leitfähigkeit, Dichte und Schallgeschwindigkeit auf einer Tiefe bis zu 30m lieferte. Im Laufe des Tages bauten wir ein eigens von uns entworfenes Gerüst auf, um auch Tiefseemessungen durchzuführen.

Bei der ersten Messungen konnten wir die obigen Werte für eine Wassersäule mit 207m Tiefe bestimmen, bei dem zweiten Durchgang erreichten wir auf Grund stärkerer Strömung trotz stehendem Schiff lediglich 190m. Zusätzlich gelang uns die Entnahme einer Wasserprobe aus 150m Tiefe für weitere Analysen.

Unsere Messdaten werden demnächst auf ESRI in Form einer interaktiven Karte veröffentlicht, Interessierten lassen wir gerne auch die ausführlicheren Messdaten in Excelformat zukommen.

Zur genauen Durchführung erscheint in Kürze eine Videoreihe, in der unsere Schüler:innen die Sonde selbst, die Durchführung sowie die Datenauswertung vorstellen und erklären.

So war der Weg Richtung Kanaren für alle auf dem Schiff noch einmal richtig aufregend und eine gute Vorbereitung für die lange Atlantiküberquerung, die bald ansteht. Langweilig wird es uns jedenfalls nicht – mit Meerestieren zum Beobachten, wissenschaftlicher Arbeit und toten Pferden an Bord.

Lehrer mit Dead Horse
Unsere Lehrer:innen mit Dead Horse

Gefühle an Bord

Datum: 29.10.2021
Autorinnen: Yarina, Maria
Position: Im Atlantik auf dem Weg nach Lanzarote
Nautische Position: 32°41.5N , 010°13.7W
Etmal: 119 NM (Insgesamt: 2115NM)

Maria

Oft schreibt man hier, was man gemacht hat oder wie was an Bord funktioniert.
Ich habe das Gefühl, Außenstehende sehen nur die schönen Dinge der Reise, die Erfahrungen, die außergewöhnlichen Dinge, die Entwicklung, die wir hier machen.

Was nur leider selten gesehen und auch gezeigt wird, sind die komischen Momente.

An sich ist das Gefühl hier zu sein, unfassbar schwer zu beschreiben. Immer wenn ich nach Hause telefoniere, möchte ich dieses Gefühl teilen, aber es geht irgendwie nicht.

Am Anfang kann man sich dadurch alleine fühlen. Man sehnt sich nach jemandem, der einen kennt und versteht und in der gleichen Situation ist. Einfach jemanden, wo man einfach sein kann.

Inzwischen fühle ich mich hier ziemlich so. Ich hatte schon tiefe Gespräche über Gefühle, nicht so schöne Gefühle, wie es ist, an Bord zu sein, mit was man zu Hause Schwierigkeiten hatte, über den Tod, Familienstreit, Ängste, was nach der Reise ist, einfach irgendwie das Leben.

Diese Gespräche tun gut und stoßen neue Gedanken an, aber konfrontieren einen auch mit neuen Dingen. Diese Konfrontationen sind nicht immer angenehm, aber ich habe das Gefühl, hier nie alleine zu sein, immer ist jemand da für Dich. Und das ist schön.

Auch wenn man mit manchen sonst wenig gemeinsam macht, wollen alle nur das Beste der Anderen und sind bereit für einen Deeptalk. Manche natürlich mehr und manche weniger.

Was ich eigentlich sagen wollte:
Es ist wundertoll (wie Viktor sagen würde) hier zu sein, aber es gibt auch Tage, Momente wo man sich komisch, nicht gut fühlt und nicht alles wie ein süßer Kindergeburtstag ist, wo alle glücklich sind. Das braucht es aber auch nicht zu sein, ohne Regen keine Sonne oder so. Nirgends kann es so einen Geburtstag geben, aber das vergisst man eben oftmals.

Yarina

Bevor ich hier an Bord gekommen bin, dachte ich mir, dass diese Reise aufregend, aber auch sehr anstrengend wird. Zurzeit kann ich sagen, dass beides zutrifft.

Johan erwähnte sehr oft in all unseren Zoomcalls, dass es eine herausfordernde Reise wird, da Heimweh, Seekrankheit vorkommen und man auch keine Privatsphäre hat. Diese Worte habe ich jedoch nicht immer so ernst genommen (Sorry Johan), denn Heimweh kannte ich nicht.

Bei der Seekrankheit dachte ich mir, ich werde es schon überleben und keine Privatsphäre zu haben kann ja nicht so schlimm sein.

Eines kann ich aber nach gut einem Monat hier an Bord der Pelican sagen: All diese Sachen sind verdammt anstrengend.

Vor allem Tage, an denen wir nicht im Hafen liegen, sind besonders hart. Ich war zwar nicht von der Seekrankheit betroffen, doch das Leiden der anderen zu sehen und das Wegwischen von der Kotze ist sehr anstrengend.

Bei unserer Reise gab es bis jetzt nur eine Kotznacht. Diese war auf der Nordsee. Auch wenn es nur eine einzige Nacht war, bei der gekotzt wurde, kann ich euch allen versichern, dass es die schlimmste Nacht für uns ALLE war.

Bei dem Thema Heimweh kann ich schon besser mitreden, da ich davon auch betroffen war. Durch den Tag ist man beschäftigt mit Watch, Schule, Segelsetzen und Essen. Am Abend jedoch, wenn man auf dem Deck sitzt, den Sonnenuntergang ansieht und auf den offenen, weiten Ozean starrt, beginnt man nachzudenken.

Man denkt über sich selbst, die Familie und die Freunde nach. Sicherlich denkt ihr jetzt alle, ist doch schön bei Sonnenuntergang auf einem Segelschiff zu sein und auf den Ozean zu starren. Wir jedoch hier an Bord haben diesen Sonnenuntergang etc. schon seit 35 Tagen (Wie Ann sagen würde).

Wir erleben hier so viele schöne Dinge, doch lässt mich der Gedanke an Zuhause noch nicht ganz los. Mit dem Heimweh kommt auch die nicht vorhandene Privatsphäre. Ist man traurig und denkt an Zuhause, wäre man manchmal gerne alleine an einem Ort.

Auf einem 45m langen Schiff und mit 46 anderen Personen ist dies jedoch sehr schwer. Ich persönlich kann sagen, dass all diese Fakten auf die Psyche gehen und es schwer ist, wieder aus der Trauer raus zu kommen.

Seekrankheit geht vorbei, Heimweh hält aber lange an. Trotzdem geniesse ich jeden Tag hier an Bord und bin sehr dankbar, dass ich die Chance bekommen habe, dieses einmalige Erlebnis erleben zu dürfen.

Also viel Liebe an die Lesenden.
Komisch geht es vielen mal. Nichts bleibt für immer, egal ob gut oder schlecht.

PS: Ich freue mich schon auf Einbag vom Haas, alleine durch die Rapsfelder mit Musik fahren und Artedokus an ruhigen Sonntagen mit dem Papa zu schauen.
Grüße an Mama, Papa, Maxim, Aljosch, Mia, Nele und Lea

Weitere Grüße:
Clara N.: Liebe Grüße an Mama, Papa, Anton und Oskar und Samo, Ade und Sophie. Ratet mal, wer ganz oben auf dem Mast war 🙂

Jele: Liebe Grüße an Mama, Papa, Emil und Paul und natürlich Merkurio. Inzwischen kotze ich nicht mehr so viel…

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