Ocean College

From the Blog

Winken

Happy End!

Datum: 13.04.2019
Autorin: Sophie
Position: Auf dem Weg nach Hause

Nach meiner Wache, welche bis 24:00Uhr ging, habe ich dann auch mal angefangen zu packen.

Ich wusste, dass das Packen mir das Ende der Reise richtig vor Augen bringen wird, daher versuchte ich es so weit heraus zu zögern, wie es nur ging.

Mit meinem Bett-Licht habe ich dann einigermaßen den Raum erhellt und versucht so leise wie möglich mein Zeug zusammen zu sammeln. Um 2:30Uhr war ich dann endlich fertig und legte mich todmüde ins Bett, doch nach gefühlt 5min wurde ich dann aber schon wieder geweckt, fürs Frühstück.

Total übermüdet aß ich dann am Frühstückstisch mein Toast, während ich vor Kälte zitterte. Wir hatten übrigens immer noch nicht geankert.

Müde bin ich die Treppe runter zu meiner Kabine geschlendert um dort einen Deepclean zu vollziehen. Tatsächlich hatte ich bis dahin noch immer nicht realisiert, dass wir in ein paar Stunden bei unseren Familien sein werden.

Nach einer weiteren Mahlzeit ging es für viele von uns dann auf den Mast, um die Positionen einzunehmen mit welchen wir in den Hafen einfahren wollten.

Pete stimmte die ersten Shantys an und wir grölten mit ihm. Am Hafen angekommen musterten wir die Eltern unserer Freunde und konnten es kaum erwarten, zu Unseren zu rennen.

Wir verließen die Pelican mit dem Shanty: “Leave her Johnny” und stürzten uns auf unsere Familien. Nachdem wir dann auf dem Pier begrüßt wurden und das geplante Programm genossen, zeigten wir voller Freude unseren Familien das Schiff.

Zu jedem Ort fiel mir direkt eine Geschichte ein, sodass die Schiffsführung ziemlich lange dauerte.

Anschließend verabschiedete ich mich von allen, denn wir hatten noch ein gutes Stück zu fahren und wollten nicht zu spät los.

Ja, und nun sitz ich hier, auf der Rückbank eines Mietwagens mit Blick aus dem Fenster und lasse in Gedanken die Reise an mir vorbei schweifen. Mir wird gerade erst klar, wie absolut ungewöhnlich die Zeit an Bord war und dass ich es sehr vermissen werde. Dennoch bin ich auch froh wieder bei meiner Familie zu sein und heute Abend auf einer echten Matratze schlafen zu können.

Ich möchte mich hiermit noch einmal ganz herzlich bei dem ganzen Ocean College-Team bedanken für die absolut großartige Zeit!

Ich werde euch alle sehr vermissen, bin mir aber auch sicher dass wir uns noch oft begegnen werden!
Fühlt euch ganz fest gedrückt, denn ich hab euch alle lieb!

PS: Ein riesen fettes Dankeschön auch an meine Eltern, ohne euch wäre das nicht möglich gewesen!

Changes

Date: 12. April 2019
Author: Kira R.
Position: On the way to Brest

The six months are now over and a lot of us have changed. One thing that didn’t changes is that I’m still bad at planning, which is why my day was really stressful. 

I didn’t have breakfast because I spent my night watching the movie „10 things I hate about you“ with Elisa along the saying from the Klarheit Book: “The nights you don’t sleep are the nights you wake up.”

So I woke up at 9 am. I was about to put on my shoes when Ben did a tannoy: „Shark on Starboard side, dum dum dum“ so I quickly put on my rubber boots, still with my socks in my hands and ran outside.

The shark was not next to our ship, it was far away but we could see its fin. As I then went back into the mess, I heard Robi telling us that we caught a fishing net.

We went on the poop deck to check whether the news are true and yes, they were. We started this trip with a fishing net around our propellor and ended it with one getting stuck at the keel.

Luckily, we could continue after we cleared most of the fishing net away.

My day was stressful, but it also came with a lot of beautiful memories.

After I finished some presents for my family, Sophie, Nele, Elisa and I went aloft for the last time on our own to enjoy the view. Dolphins on Port side! Dolphins on Starboard side! Dolphins everywhere!

As the sun set, we went down and had dinner. Sitting there and seeing all the envelopes with our pictures on them it came to my mind that I forgot to write some letters. I found some paper and started writing: 

Dear Ocean College, 

When I first got to know you, I was shy but curious.

I had read about your journey and found you sympatic from the start. Over the time I got to know all your parts and I realised that you’re really cool.

The places you visit are awesome and not only the places but the people you meet or travel with. Also when you visit these countries you don’t act as a normal traveler and book a hotel, you search for the immediate experience of the people and land and all you discover is beauty.

You are impressive! But you’re not only impressive but also brave. Not everyone would be brave enough to travel on a sailing vessel as you do. As a sailor should be, you are spontanious and therefore not always on time.

More impressively, you’ve become a small celebrity because they mentioned you in the U.S. Coast Guard’s magazine and in the Bermudan daily newspaper.

You are a really astonishing person so please stay the way you are and share your route and all your beautiful facets with other young people like me. 

I will never ever in my life forget you! You changed my life!

Love, Kira R.

After my letters were done I started packing during my roommates were asleep so I had to be particularly quiet. When I went to bed I looked at my empty wall where there used to be pictures but still I did not realize that this is the end of this trip.

Tomorrow we will leave our friends and family to come back to our friends and family. How ironic.

Thank you Ocean College for everything!! It was the trip of a lifetime.

Nele arbeitet

Als Bosun durch den Tag

Datum: 11.04.2019
Autorin: Nele
Position: On the way to Brest
Nautische Position: 46° 30.6 N; 10° 34.3 W
Etmal: (total) 12996 nm

Heute bin ich ausnahmsweise mal ganz leicht aus dem Bett gekrochen, der Anlass dafür war das Handover. Ab heute ist die letzte Schülercrew dafür verantwortlich, uns in den Hafen von Brest zu bringen. Ich habe meinen Wunschjob als Bosun bei diesem Handover und bin schon gespannt auf meinen ersten Tag, an dem ich mit Pete arbeiten darf.

Nach dem Frühstück war meine erste Aufgabe, das Garbage-Book zu verstehen und auszufüllen. Tati erklärte mir, dass wir darin festhalten, wohin wir unseren Müll entsorgen und wie viel Bio-Müll wir täglich über Bord kippen. So stiefelte ich raus, um zum Steuerhaus zu gelangen und wurde erst mal nass. Yay, Regen. Breit grinsend empfing mich Sammo auf der Brücke und bemerkte ganz aufmerksam, dass ich jetzt der neue Baby Bosun bin.

Ich half bei Elie und Elly am Morgen neue Gaskets zu schneiden und zu nähen, bis Pete und ich die nächste Arbeit angingen. Das Schloss zur allgemeinen Toilette auf dem Gang ist kaputt. Pete erklärte mir, dass es als Bosun wichtig ist, Prioritäten zu setzen. Dabei steht Sicherheit an oberster Stelle.

Da wir zu diesem Zeitpunkt draußen nicht arbeiten konnten, befanden wir die Sicherheit, die Toilettentür ordentlich verschließen zu können, dann doch als recht hochrangig. Mehr oder weniger geschickt hab ich das Schloss abmontiert, Pete hat einen kreative Lösung für die Reparatur entwickelt und mich mit dem Anbringen des reparierten Schlosses allein gelassen.

Dann kam Pete’s Lieblingszeit: Tea-Time. Aber er hätte sich nicht zu früh freuen sollen, seine Tasse habe ich zuvor gespült. Der Dreck hatte sich nämlich schon fast in das Material gefressen.

Danach stand Mittagessen und Mittagsmeeting an. Das Wetter war anhaltend schlecht und Pete erklärte mir, dass man als Bosun sehr häufig an den Segeln oder in der Umgebung der Segel arbeitet.

In der Arbeitszeit, die übrig bleibt, erledigt man Jobs, die nichts mit Segeln zu tun haben. Heute hatten wir eher Pech, das heißt, wir haben die rostigen Wände des Schiffes gesäubert – im Regen und mit der einen oder anderen Welle, die uns ab und zu die Füße gewaschen hat. Was soll ich sagen, es war ein reines Vergnügen!

Zurück in der Messe schien es sehr viel gemütlicher, einige haben Bilder der Reise angeschaut, Briefe geschrieben oder Tee getrunken. Ein Jammer, dass Momente wie dieser einige der letzten gemeinsamen Momente sind.

Nun kommen wir zum Highlight des Tages.

Unsere Schülercrew sollte eine Übung auf eigene Faust durchführen, mit möglichst wenig Hilfe der Stammcrew. Bei unserem Szenario handelte es sich um ein vermeintliches Leck in unserer Bilge.

Mit einem VHF Funkgerät in der Hand und direkten Kommandos des Kapitäns, Christian, kam ich mir gleich sehr viel wichtiger vor. Die Crew brachte in dieses Manöver die ein oder andere Schwierigkeit mit ein, indem sie das Szenario veränderten: Die Hand eines Crewmitglieds wurde gequetscht, die Bilge war überflutet und am Ende der Übung saßen wir in einem imaginären Rettungsboot.

Anschließend bekamen wir eine Rückmeldung der Stammcrew. Der Prozess einer echten Übung weicht offenbar sehr stark von unserem Vorgehen ab, wir haben aber dennoch einen guten Job geleistet.

Durchgefroren wie ich war, bin ich anschließend in unseren Korridor gegangen und habe dort schon die ersten gepackten Taschen aufgefunden. Auch als ich zu Kira R. kam, traf ich sie beim Sortieren ihrer Sachen an. Ich selbst verdränge die traurige Wahrheit, dass es Zeit wird zu gehen und werde das Taschenpacken sicher bis zur letzten Minute verzögern.

Gemeinsam mit Kira und Elisa klickte ich in paar Bilder durch und trauerte der rasenden Zeit hinterher.

Anschließend war es Shanty-Zeit. Pete war heute wohl zu früh wach und hat sich die Mühe gemacht, den Shanty ‘A hundert years ago’ mit einem passenden Text für unsere Reise umzuschreiben. Es war für uns alle ein sehr emotionaler Abend.

Vieles geht mir im Kopf umher: Die Vorbereitung unserer Ankunft, das Revue-passieren-lassen der sechs Monate, das Vertrauen der Crew. Für mich macht dies meinen Abschied von dieser unfassbaren Zeit noch schwerer als er ohnehin schon ist.

Liebe Grüße von dem besten Ort der Welt,
Nele