Ocean College

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Ein Krieg auf hoher See

Autorin: Noé
Datum: 30. März 2020
Geographical Position: Bay of Biscay
Nautical Position: 48*09.2 N/ 11*55.6 W
Etmal: 46 nm

Krieg auf hoher See - wenn die Wellen zuschlagen

Ein Sturm. Ein Krieg auf hoher See.

Die Wellen machen sich bereit, wie Soldatentruppen sich ausrüsten. Dann bilden sie eine Einheit und los.

Wellen schlagen auf Wellen, Soldaten bekämpfen einander. Die eine Truppe fällt, es wird kurz ruhig. Die letzte Gischt löst sich auf, doch siehe da, die nächste Welle macht sich bereit für den Angriff.

Soldaten, soweit man sehen kann. Ein Schiff mitten im Sturm, wie ein Panzer inmitten des Schlachtfeldes. Von allen Seiten stürzen sich die Wellen auf das Schiff.

Sie probieren die fleißigen Seemänner und -frauen vom Schiff zu zerren, um das Schiff zu stürzen. Man sieht Wellen über Wellen auf das Schiff einbrechen. 

Plötzlich hört man etwas reißen. Der Wind hat zugenommen, das Inner Jib konnte den 40 Knoten Windspeed nicht standhalten. Auch das Spanker, Forgaff und Course Segel gaben ihre Gegenabwehr auf.

Doch auch hiernach endet der Sturm nicht. Plötzlich ziehen dunkle Wolken auf und lassen Bomben auf unseren Panzer hinunter. Das Deck wird glitschig und man hat Schwierigkeiten, sich festzuhalten. Das Schiff hat eine Schräglage von fast 35 Grad erreicht.

Alle werden an Deck gerufen, um die Square Sails einzuholen. Ein paar mutige, flinke Kinder trauen sich, hinaufzuklettern. 

Doch endlich, nicht lange später, verziehen sich die Wolken, die Wellen beruhigen sich und das Deck trocknet von der uns nun entgegenlächelnden Sonne.

Alle entspannen sich.

Das Low ist abgezogen und die Segler können nun ruhig nach Hause segeln. Der richtige Kurs wurde wieder aufgenommen und leichte Windbrisen schieben uns Richtung Deutschland. Alle freuen sich auf Zuhause, aber die gemeinsamen Abenteuer bleiben einem für immer in Erinnerung.

PS: Liebe Mama, lieber Papa, Jacob, Bella, ich vermisse euch und freue mich euch bald wiederzusehen. Das war mein letzter Tagesbericht. Love, eure Noé.

Bay of Biscuits greets us home

Date: 29 March 2020
Author: Max
Geographical position: Bay of Biscay (Bay of Biscuits)
Position: 46°20.6´N / 11°21.9´W
Etmal: 70nm

The Bay of Biscay shows herself from her best side…again.

When I went to bed yesterday, everything was okay and heeling and the ship’s movement weren’t too bad. When I got woken up ten minutes (!!!) before my watch today. I almost fell out of bed.

30 degrees of heeling, 40 knots of wind and a swell greater than 4 meters: The bay of Biscay greeted us home. Even though I wore five layers of clothing and tried to stay out of the wind, I almost instantly froze.

Captain Chris allowed us on our break on watch to go to the mess and drink tea, that’s the only thing that kept us alive. 

To prevent accidents like a ripped Foregaff or Inner Jib, some precautions were taken: Most of the sails we still have left were taken down and only the Staysail and the Spanker are currently bringing us towards Europe, supported by our “Iron Topsail” (the engines).

But you have to be careful when saying that we’re making good way, because we’re steering Northeast, but due to the swell and the wind from the wrong direction we are going more Northwest than -east and all of that with 0.9 knots of speed.

Those numbers are getting even more depressing when you can see a ship on the radar, which will reach our destination in about one or two days and we on the other hand we will most likely need two more weeks.

The galley has declared itself a “dangerous area” where you should keep out of and the people working in it, I’m talking especially about Mara, have taken special precautions: They wear their safety harnesses and clip it on. The well deck is off limits, it’s only accessible for sail handling and other important work on deck.

Some of our garbage flew overboard, so the bosun’s department had to rejust the lashings that keep it in place. Luckily for them, at the moment the garbage corner is one of the areas on board, where you are the most likely to get a free salt water shower.

Yay! Basically, that’s our situation onboard and with 8 hours of watchkeeping you are not doing anything except sleeping, eating and freezing to death on watch. We’re back in the Biscay and that’s what she’s showing us.

Overall, it is not that horrible as it may sound like, but it is indeed a bit exhausting.

Ein kleines Interview mit unserer Handover-Köchin Marlene K.

Datum: 28. März 2020
Autorin: Silja
Geografische Position: Biskaya
Position: 46°25.0N/ 11°20.8WEtmal: 85nm

Könnt ihr euch noch daran erinnern, als wir unser erstes kleines Handover an Bord hatten? Weil es so schön war und wir die Crew mit unserem Wissen über Bord gehauen haben, kam es dazu, dass wir ein weiteres Handover ab den Azoren gestartet haben.

Zu belegen waren die Positionen 1. und 2. Mate, Engineer, Bosun (Bosun’s Mate), Captain, Cook (Cook’s Mate) und Doctor.

Da unser herausragender Captain Linus im Schnick-Schnack-Schnuck gegen Mara verloren hat, wurde uns das erste Handover zugeteilt. Während dieser Zeit durften wir das Schiff übernehmen und nahmen Kurs auf den English Channel.

Zu unseren Aufgaben gehörten das Navigieren, die Sicherheit, die Instandhaltung des Schiffes und zuletzt die Verpflegung der Crew. Aus meiner Watch war Marlene K. für letzteres zuständig.

Hier ein kleiner Einblick aus ihrer Zeit als Köchin an Bord

Was hat dazu geführt, dass du dich als Cook beworben hast?

Ich hab’ schon von Anfang an Gefallen an der Galley gefunden. Es war immer wieder cool, dort arbeiten zu können und da ich zuhause ebenfalls sehr häufig koche, habe ich mir überlegt, dass es hier an Bord eine gute, neue Erfahrung wäre. Da sich die Küche hier an Bord sehr stark von der zu Hause unterscheidet, sind auch die Arbeitsbedingungen unterschiedlich und ich wollte es unbedingt einmal richtig erlebt haben unter diesen Bedingungen für 43 Leute kochen zu müssen.

Was ist denn deiner Meinung nach der Unterschied zwischen dem Kochen an Bord und zu Hause?

Einer der größten Unterschiede ist, dass sich das Schiff bewegt. Dadurch, dass wir von den Wellen die ganze Zeit von der einen zur anderen Seite geworfen werden, fliegt immer irgendetwas quer durch den Raum. Beispielsweise dachte sich ein Brownie Teig, den wir gemacht haben, dass er den Boden noch nicht gut genug kennt und nochmal “Hallo” sagen muss. Dadurch wird die Galley zu einem der gefährlichsten Orte an Bord. Natürlich musst du auch für deutlich mehr Personen Essen vorbereiten und das sorgt für ganz schön viel Stress.

Was war für dich die größte Herausforderung während deiner Zeit in der Galley?

Das ist leicht! Es war nicht so ein großes Problem, genug zu kochen oder bei Schräglage stehen zu bleiben. Was mir wirklich schwer gefallen ist, war der Druck. Auf der einen Seite habe ich durch neue Uhrzeiten weniger Zeit, um das Essen vorzubereiten, andererseits hatte ich die ganze Zeit den Druck, dass allen das Essen schmeckt. Jedesmal, als das Essen ausgetragen wurde, hat es sich angefühlt, als würde ich auf einer Bühne stehen und alle starren mich an. Damit hatte ich auf jeden Fall zu kämpfen, aber das wurde auch von Tag zu Tag besser.

Köchin Marlene K. und Silja

Wie hat es dir denn gefallen als Köchin?

Es hat mir sehr Spaß gemacht. Trotz des Drucks war es schön, mit meinen Messmen zusammen zu arbeiten und auch mit unserer richtigen Köchin Abbie. Am Anfang, als ich erfahren habe, dass ich Cook geworden bin, wollte ich unbedingt wechseln, aber jetzt bin ich froh, diese Erfahrung gemacht zu haben.

Was ist denn der Hauptunterschied zwischen den Messmen und der Köchin?

Auf jeden Fall muss ich nicht abwaschen, aber dazu habe ich auch keine Zeit. Ebenfalls muss ich keine Kartoffeln oder ähnliches schneiden, nein. Meine Aufgabe besteht darin, der Galleyduty die benötigten Zutaten zu geben, damit diese dann von den Messmen vorbereitet werden können. Daraus muss ich dann das Essen zaubern. Während der Essenszeit bereite ich die Portionen auf den Tellern vor, welche die Messmen dann servieren. Die Galleyduty ist praktisch mir unterstellt und muss das tun, was ich ihnen sage.


Die Aufgaben einer Köchin an Bord sind also sehr vielseitig und interessant. Für die erste Watch ist das Handover bereits vorüber und alle anderen dürfen sich noch auf eine abwechslungsreiche und interessante Zeit freuen.

PS: Alles Gute zum Geburtstag (bisschen verspätet vielleicht…) an die Riegerbuam – hab euch nicht vergessen! 😉
PPS: Ganz viele Grüße an meine Großeltern. Ich hoffe, ihr flüchtet weiter vor Corona und ich kann euch schon bald besuchen, wenn ich wieder da bin. Oma, ich freu mich sehr auf dein Essen :)(von: Marlene K)