Ocean College

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Gründung von OceanCollege aus der Sicht von Falco Aust

Von: Falco Aust

Ich traf Johan zum ersten Mal bei der FIKO Institut für Handlungskompetenz GmbH im März 2014. Ich war damals seit kurzem Geschäftsführer bei FIKO, Johan war als Trainer für das Projekt “Arbeitsfüchse” tätig, in dem wir auf dem Arbeitsmarkt schwer vermittelbaren Jugendlichen dabei geholfen haben, sich beruflich zu orientieren und in den ersten Arbeitsmarkt zu verhelfen. Projekte im Bereich der Berufsorientierung waren der Hauptfokus bei FIKO, die zum Großteil durch Fördergelder finanziert wurden. Mein Ziel war es, den Fokus von FIKO zu erweitern und unsere Kompetenzen für Projekte zu nutzen, die wir am freien Markt ohne Fördermittel anbieten können. Kurz darauf kam Johan auf mich und die Mehrheitsgesellschafterin Dorothee Feitsma zu, um uns seine Idee “OceanCollege” bzw. “Schule auf dem Schiff” zu präsentieren. Er war (und ist) Feuer und Flamme für die Projektidee, sie ist sein Lebenstraum! Das merkte man sofort!

Ich war ebenfalls begeistert von dem Anspruch, die Theorie der Schule durch echte Praxis zu bereichern und erfahrbar zu machen. Aus meiner Sicht ist Bildung das wichtigste Gut unserer Gesellschaft, das viel zu sehr vernachlässigt wird. Jede Investition in die Bildung ist auch eine Investition in die Zukunft. Ohne Bildung bzw. das Weitergeben von Erfahrungen gäbe es keine Weiterentwicklung. Schon seit dem Ende meiner Schulzeit hat sich der Schulalltag durch die Digitalisierung stark verändert. Zwar gab es auch zu meiner Zeit schon eine vermehrte Nutzung des Internets und Google war ebenfalls als Helfer bei Vorträgen etabliert. Doch ganz ohne Lehr- und Fachbücher ging es nicht, sodass man immer auch etwas (auswendig) lernen musste. Heute ist das anders. Das Smartphone hält Einzug in die deutschen Klassenzimmer, und das auch schon in der Grundschule. Einfache Fragen, die früher aus dem Kopf beantwortet wurden, werden heute durch ein “Zücken” des Smartphones beantwortet. Wissen im Kopf speichern ist nicht mehr “up-to-date”, es ist nur zwei “Klicks” auf dem Smartphone entfernt, Internetzugang vorausgesetzt. Wie aber merkt man sich dann Wissen, wie wendet man es dann in der Praxis an? Genau das ist das Besondere beim Projekt “OceanCollege”! Durch die nahezu sofortige Anwendung theoretischen Wissens in der Praxis prägt sich Lernstoff viel leichter ein und führt gleichsam zu neuen Denkanstößen. Diese wollen wir für eigene Projekte der Schüler nutzen, die weit über den allgemeinen Lernstoff hinausgehen und den Schülern in ihrem weiteren Leben einen echten Mehrwert bringen werden.

Nach diesem ersten Gespräch mit Johan war auch ich Feuer und Flamme für das Projekt! Jetzt galt es den Markt zu analysieren und ein Konzept zu Papier zu bringen. Einige Wochen später gaben wir den Startschuss, das Projekt in Angriff zu nehmen. Mitte Mai 2014 kam dann noch Johannes als Praktikant an Bord. Er war im Jahr 2008/2009 Schüler während Johan auf der damaligen Astrid im Rahmen der High Seas High School als Projektleiter und Lehrer unterwegs war. Schon nach dem ersten Gespräch mit Johannes merkte ich, wie weltoffen und proaktiv er die Dinge anging. Hier konnte ich erstmalig hautnah erfahren, welche positiven Veränderungen diese Reise für die Schüler mit sich bringt. Meine Begeisterung stieg immer weiter an, sodass ich euphorisch das Ziel ausgab, langfristig auf 5 Schiffen mit 150 Schülern auf den Meeren der Welt unterwegs zu sein, um möglichst vielen Jugendlichen diese besondere Bildungserfahrung zu ermöglichen. Und was kann es als Alternative zum Auslands- oder High-School Aufenthalt besseres geben als der Besuch von 8 unterschiedlichen Ländern und Kulturen?

Pinguin

Eine Seefrau hält nie Winterschlaf

Von: Elskarin Klarenbeek

Heute mal eine kurze digitale Flaschenpost vom Ende der Welt: Punta Arenas in Chile.

In Europa fängt jetzt langsam der Winter an… leider mit viel Regen und kurzen dunklen Tagen mit viel Sturm. Dann denkt man vielleicht, dass die Seeleute herrlich zu Hause auf dem Sofa unter ihrem Weihnachtsbaum liegen… Aber das stimmt ja alles nicht!!

Ein Seemann bzw. eine Seefrau hat nie Winterschlaf, denn auf den Weltmeeren ist man abhängig von den Zeitzonen und den den herrschenden Winden. Für unsere Reise bei OceanCollege wird das in etwa bedeuten, dass wir nicht vor November in die Karibik segeln werden, denn bis Oktober ist dort noch Sturmsaison.

 

Oder ein anderes Beispiel: In Europa herrscht der Winter von November bis März. Das heißt, dass die Sonne auf dem nördlichen Breitengrad am weitesten weg ist von der Erde. Aber gleichzeitig bedeutet das, dass die Sonne auf dem südlichsten Breitengrad am nächsten an der Erde und in der Antarktis entsprechend Sommer ist. Entsprechend sind hier jetzt die meisten Buchte und Fjorde eisfrei und für meine aktuelle Expedition gut befahrbar. Entsprechend muss ich jetzt wieder an die Arbeit machen: Wie schon gesagt, befinde ich mich gerade weit weg von zu Hause, in Punta Arenas in Chile. Wir werden jetzt die letzten Vorbereitungen am und im Schiff treffen: Segel reparieren, die Seekarten updaten, Proviant bunkern und in vier Tagen kommen dann unsere Gäste. Dann geht es auf einem wunderschönen Schiff durch die chilenische Inselwelt Richtung Kap Hoorn, um durch die Drake-Passage in Richtung Antarktis zu segeln.

 

Das ist eines der anspruchsvollsten Segelreviere der Welt, denn hier stoßen der Atlantische und der Pazifische Ozean aufeinander, außerdem kann es trotz der hier sommerlichen Jahreszeit vorkommen, dass Eisberge im Meer treiben. Entsprechend werden wir alle voll konzentriert sein müssen.

 

Eine der schönsten Seiten am Segeln ist es aber, dass auf dem Ozean kein Tag wie der andere ist und auch jede Reise einzigartig ist. Ich freue mich aber dennoch sehr auf unsere Reise in die Karibik, denn obwohl hier gerade Sommer ist, haben wir nicht mehr als 12° und aktuell auch Nebel. Ach ja, und der Sternenhimmel ist um 180° gedreht, was die Orientierung in der Nacht sehr ungewöhnlich macht.

 

Viele Grüße vom Ende der Welt, ich wünsche euch schöne Weihnachten und ein abenteuerliches 2016!

Eure Elskarin

Thalassa

Die Enstehung von OceanCollege

Von: Johan Kegler

An dieser Stelle möchte ich gerne darstellen, wann und wie die Geschichte von OceanCollege begann. Denn wie immer ist es sehr spannend zu sehen, welche Zufälle und Situationen zu dem führten, was heute los ist.

Irgendwann im Sommer 2008 hatte mir ein Vereinsmitglied in meinem Ruderverein, dem ich mal kostenlos eine Ruderstunde gegeben hatte, die Stellenanzeige vom Segelnden Klassenzimmer in den Spind gelegt. Rainer meinte, das könnte doch zu mir passen. Und richtig… ich las die Anzeige von einer Segelreise auf einem Traditionssegelschiff mit einer Schulklasse über den Atlantik und zurück und mir blieb der Atem stehen. Ich weiss noch genau, wie ich sofort nach Hause gefahren bin und die ganze Nacht an der Bewerbung gesessen habe. Man kann also wirklich sagen… wenn Rainer nicht genau an dem Tag die ZEIT mit der Anzeige gelesen hätte, wäre wahrscheinlich einiges anders gelaufen.

Nur ein paar Tage später wurde ich dann angerufen, mitten im Gedränge vom Bahnhof Friedrichstrasse und es gab die Zusage, als Lehrer beim Segelnden Klassenzimmer mitzufahren.

Es folgte ein Monat Alarm in Berlin, ich kündigte meinen (festen) Job in einer Jugendsuchthilfe, vermietete meine Wohnung an drei nette Schwedinnen unter, setzte meinen Handyvertrag aus, musste mich ausführlich impfen lassen, meine Sachen unterbringen bzw. für die Reise alles zusammenstellen und dann war es soweit. Ich flog meinem Schiff soz. hinterher nach Südspanien, wo ich in Algeciras zum ersten Mal auf das Schiff und die Menschen stieß, mit denen ich in den kommenden sechs Monaten eine sehr intensive Zeit verbringen sollte.

Ich wurde am Flughafen abgeholt und wir kamen spätabends beim Schiff an und erst da, als ich unser Schiff wirklich am Kai liegen sah, wurde mir klar, dass es wirklich passierte.

Ich habe mich nie vorher und nachher so frei gefühlt wie in diesem Augenblick… alles, was ich dabei hatte, waren zwei Reisetaschen und ein Rucksack, die einzige finanzielle Verpflichtung war eine Auslandskrankenkasse für insgesamt 160,-.

Wir fuhren auf unserer Reise 08/09 mit zwei Schiffen, was ja meine sehr späte und spontane Mitarbeit am Projekt überhaupt erst ermöglichte. Das hatte Vor- und Nachteile, wie sich im Verlauf der Reise zeigen sollte.

Die Route führte also von Algeciras zunächst nach Teneriffa… ich kann mich daran immer noch sehr gut erinnern, weil ich hier gleich zu Beginn der Reise für zwei fürchterlich seekrank wurde und zwei Tage ausfiel. Will man nicht haben, ist dann aber auch wieder vorbei und ich wunderte mich, was eigentlich los war. Auf der Strecke nach Teneriffa lernten wir uns alle das erste Mal kennen und wurden auch mit dem Schiff etwas vertraut. Dieses Kennenlernen fand aber damit etwas zu spät statt, denn wenn ich etwas gelernt habe für meine Reise, dann sicherlich die Tatsache, dass sich auf jeden Fall das komplette Projektteam der Erwachsenen schon lange vorher auf gemeinsame Strukturen und Regeln geeinigt haben sollte. Auf dem Schiff herrscht so eine unmittelbare Kommunikation, dass man hier ohne feste Regeln sehr schnell Unklarheiten hat.

In Teneriffa gab es einige schöne Exkursionen, u.a. auf den Teide, den höchsten Berg Spaniens. Der Sonnenaufgang auf 3000m Höhe frühmorgens war sicherlich das erste Highlight der Reise. Und diesen Berg konnten wir dann auch noch zwei Tage sehen, als wir uns schon auf den Weg Richtung Kapverden gemacht hatten. Nun begann wirklich die Zeit auf See, denn vor uns lagen drei Wochen auf See. Der normale Unterricht begann, wir hatten bestes Wetter, nur leider etwas wenig Wind bzw. Passat, was dazu führte, dass wir wirklich gemütlich Richtung Neue Welt fuhren.

Die Stimmung an Bord war meistens gut, allerdings habe ich für alle weiteren Projekte mit Jugendlichen gelernt: Wenn das Essen gut ist, ist eigentlich alles gut. Und leider hatte unser Kapitän genau am Essen gespart, wobei es nicht um den Anspruch eines Edelbuffets ging. Aber einmal frisches Obst am Tag sollte schon sein, eine vollwertige Mahlzeit am Tag ebenfalls, wenn man den nur an der Seeluft und oft auch im Rigg ist.

Höhepunkte aus meiner Erinnerung heute waren die ständigen Delfine, die uns begleiteten und ein Stop mitten auf dem Atlantik, um baden zu gehen… nie zuvor hatte ich im Wasser unter mir in ein solch unendliches Blau geschaut. Ach ja, und wir hatten eine Panne, als sich ein Tau bei einem Manöver in der Schiffsschraube verfing und ich tauchen gehen musste, um das wieder rauszuholen.

Unser erster Hafen in der Karibik war Barbados, wo wir nach mehr als drei Wochen auf See ankamen. War dann schon ein merkwürdiges Gefühl, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Lange blieben wir aber nicht hier, da wir uns für Weihnachten eine nette Insel fernab der Touristenströme suchen wollten.

Diese fanden wir dann auf Bequia, einer Insel, die karibischer nicht hätte sein können. Hier kam es dann aber auch zum wirklich bedeutensten Vorfall während der Reise, als ich zusammen mit meinem Lehrerkollegen Thomas beschloss, gegen den Projektleiter zu „meutern“ und dem Kapitän unsere Einwände gegen das Verhalten von jenem Projektleiter zu erklären. Dieser sah das genau so und so wurde leider genau am 24.12.2008 der Projektleiter von Bord gesetzt bzw. nach St. Lucia an Land gebracht. Ausdrücklich ist aber zu erwähnen, dass Thomas und ich mit dem Projektleiter viele Gespräche im Vorfeld hatten und ihm unmissverständlich klar gemacht hatten, dass es so nicht weitergehen konnte. Das Kernproblem lag sicherlich darin, dass dieser Projektleiter selbst eine grosse Segelerfahrung hatte und diese auch einbringen wollte. Allerdings beisst sich das dann mit der Funktion des Kapitäns, der hauptsächlich für das Segeln zuständig sein sollte. Entsprechend kam es in diesem Bereich immer wieder zu Konflikten, die sich negativ auf die gesamte Mannschaft auswirkten. Entsprechend habe ich daraus die Lehre gezogen, die operativen Zuständigkeiten für Segeln und  Projekt strikt zu trennen, auch wenn sie natürlich viel miteinander zu tun haben. Allerdings werde ich für meine Projektcrew Leute suchen, die nicht in erster Linie wegen des Segelns dabei sein wollen.

Wir verbrachten dann aber einen wunderschönen Heiligabend zu Reggaemusic und Drinks am Strand und machten uns dann weiter zu den Tobago Cays, wo „Der Fluch der Karibik“ gedreht wurde. So schön es dort zum Tauchen auch war, so touristisch war es eben auch, so dass wir uns bald zu den A-B-C Inseln aufmachten, um dort Sylvester ohne einen Tropfen Alkohol zu feiern. Was aber der Partystimmung an Bord keinen Abbruch tat.