Ocean College

Reiseblog 20/21

Typisches Morgengespräch in Cabin 4 um 07:31 Uhr

Datum: 02.04.2021
Autoren: Die Lehrer:innencrew
Position: Vor Anker in Dartmouth
Geographische Position: 50°21,1´ N;  3°34,5´W
Etmal: 0 NM
 
In Cabin 4 wohnen folgende vier Leute:
 
N: Nicolas (Projektleiter)
S: Sven (Lehrer)
P: Priska (Lehrerin)
T: Theo (Bosun’s mate)
 
Aktuell liegen Nico, Sven und Priska noch in ihren Bunks. Theo ist bereits früher aufgestanden. Gerade gab es die Durchsage von einem Schüler der Hafenwache, dass es Zeit zum Aufstehen ist.
 
N: So, endlich wieder Zeit zum Aufstehen und Sport machen!
S+P: (keine Reaktion)
N: Habt ihr eigentlich alle gut geschlafen?
S+P: (keine Reaktion)
P: Hey, warum schlafe ich eigentlich auf einer Ketchup-Flasche? Und warum merke ich das erst jetzt?
N: (lacht)
S: Da hast du doch auch noch etwas von den 1. April- Scherzen abgekriegt. Aber wo ist eigentlich Ferdinand (Svens Kuschel-Fuchs)?
N: Der ist wieder einmal aus deinem Bett gefallen.
S: Komisch, es hat doch so viel Platz hier drin.
N: (verlässt mit seinem Kulturbeutel den Raum)
P: Was steht eigentlich heute so auf unserem Plan?
S: Feedbackgespräche und Zeugnisse, nehm ich mal an.
P: Es braucht schon viel Zeit, bis wir die ganze Gruppe durch haben. Aber vor allem die Talks mache ich sehr gerne.
S: Absolut. Ich finde es grossartig, wie die Schüler:innen sich entwickelt haben.
S+P: (drehen sich in ihren Betten nochmals um und schlummern weiter)
N: (kommt zurück in den Raum). Ach, die Toiletten gehen wieder nicht!
T: (betritt den Raum) Oh, you finally stopped sleeping. (Kramt in seiner Schublade herum).
S: (Klettert vorsichtig von seinem Bett herunter). Oh, it´s crowded in here.
T: I´ll be gone in a minute. Just looking for something for breakfast.
N: (steht am Spiegel). Ach, diese Kontaktlinsen sind heute wieder doof! Oh, sorry Theo, my contact lenses are stupid.
T: Oh, yeah.
P: Hallo? Can you please give me some space to move out of my bunk?
T: (leaves the room)
P: Did I scare him off again? Oooups!
S: Well, I don’t think he gets scared that easily.
N: Where are my Crocs? ….. And why are we speaking English?


 

The influence of Ocean College

Date: 01.04.2021
Author: Elisa
Postion: Dartmouth, England
Etmal: 0 NM

My story with Ocean College begins almost exactly three years ago. Without knowing how much this journey was going to change my life, I applied and got in. I was totally thrown into cold water, as I have never been on a sailing boat before, but I fell in love immediately. Nothing could take that love from me. I dealt with seasickness, survived the enormous heat when the air con wouldn’t work and didn’t mind flying out of my bed during massive storms. When I came home my main goal was to go to sea again so I changed school and did two years in one to finish off sooner. It was a very hard, exhausting year but I didn’t have much time to relax afterwards.

Elisa at the helm

Almost directly after getting my final degree I left to the Netherlands to join the Bark Europa during their maintenance period. It was extremely fun and I could expand my sailing knowledge that I gained on the Pelican. We did lots of rust busting, painting, exchanging sails, rope work, carpeting and general seamanship training.

All these skills that I gained during my six weeks on board the Europa I can now use back here on board where I am again getting much more experienced every day.

Elisa working on deck

Ocean College never lets you go! My biggest dream came true when I got the opportunity to join this years voyage in Costa Rica as a leader because due to Covid19, the students couldn’t go to individual host families and the teachers still needed to go on holidays. Every thing was still the same: Same, same, but different! At the beginning I was expecting to see my former crew when walking into the saloon and I was confused that someone else sleeps in „my“ old bunk. So many memories came back and I often had to giggle, when seeing that this years students behave exactly how we did two years ago.

students at the helm

I tried to compare the two voyages and I am often being asked how it was during my voyage. But comparing doesn’t work. Every Ocean College is unique and every student/watchleader and every voyage makes their own unforgettable memories that only they share and only they can understand.
Now after the big arrival in Emden I will head to Rostock to do my Basic Safety Training, so I can get my AB able seaman certificate that I need to work as a deckhand on all tall ships. Hopefully I can continue working on a tall ship in September. I have already a work offer from the Europa and I will also apply to work on the Tres Hombres (https://www.treshombres.at), the wooden barquentine we met in Horta.

All these dreams and goals only exist because of Ocean College. Ocean College opened the doors for me. Who knows what I would be up to now if I wouldn’t have joined Ocean College. But I am certain that it wouldn’t be as fulfilling as my live at sea!

the ship "Tres Hombres"
The Tres Hombres on the Azores

Letzter Tagesbericht

Datum: 31.3.2021
Autor: Karun
Ort: Ankern vor England, Torquay

Krass, jetzt schreibe ich also meinen letzten Tagesbericht an Bord der Pelican. Es ist ziemlich traurig, dass wir schon einen Monat vor unserer Ankunft in Deutschland anfangen konnten zu sagen, dass wir das letzte Mal Shorleave bekommen, dass wir das letzte Mal Briefe von unseren Liebsten bekommen werden, dass wir die letzten frei lebenden Delfine sehen, dass wir das letzte Mal auf den Mast klettern dürfen, dass wir das letzte Mal gemeinsam Shantys singen und dass wir das letzte Mal auf die Pelican gehen und nach dem nächsten Verlassen vielleicht nie wieder auf sie zurückkommen werden. Jetzt sind es noch 10 Tage. Nur noch 10 Tage.

Karun auf Madeira

Kranker Scheiß, das ist nichts! Wo ist die ganze Zeit hin? Wo sind die letzten vergangen Monate hin? Irgendwie vergeht die Zeit ziemlich schnell, aber zugleich dauert es auch noch eine Ewigkeit, bis wir wieder in Deutschland sind. Jeder Tag ist wie eine ganze Woche, da so viel passiert. Wenn man dann auf die ganze vergangene letzte Woche zurück schaut, ist diese so schnell verflogen, als hätte jemand die Zeit vorgedreht. Die letzten 10 Tage sind zugleich aufregend wegen der Handovers aber auch irgendwie erdrückend wegen der immer mehr aufkommenden Aufbruchstimmung.

Karun im Rigg

Diese wird Tag für Tag stärker, da wir jetzt unsere letzten Feedbackgespräche haben, anfangen, das Bordbuch zu gestalten, das wir am Ende zugeschickt bekommen. Jetzt werden auch unsere Abschlusspullis entworfen und wenn wir jetzt täglich in den Messroom gehen, sehen wir Briefumschläge aufgereiht an den Wänden, in die wir unsere Abschiedsbriefe für jeden an Bord stecken können. Jeden Tag sieht man, wie sich diese immer und immer mehr füllen. Viele von uns können es kaum erwarten,  zurückzukehren und dort ihren normalen Alltag weiterzuleben. Die Frage ist, inwiefern wird der Alltag normal sein? Gibt es normal überhaupt? Für uns war Corona im letzten halben Jahr so fern. Wir hatten einige Freiheiten hier, von denen unsere Freunde und Familien nur träumen konnten. Wir konnten alle zusammen wunderschöne sechs Monate verbringen ohne Masken tragen zu müssen. Wir durften uns umarmen, miteinander kuscheln und als eine große Familie gemeinsam Weinachten feiern. Ich habe irgendwie Respekt vor Zuhause, weil ich nicht weiß, wie ich meiner Familie und meinen Freunden erzählen soll, wie es hier war.

Karun beim Sezieren

Ich weiß nicht, ob ich erklären kann, wie es ist, mitten in der Nacht aufzustehen, um auf Watch zu gehen, wie es sich anfühlt, auf den Yards zu stehen und die Aussicht zu genießen, am Steuer zu stehen und die Kontrolle über das ganze Schiff zu haben. Ich glaube, um das richtig verstehen zu können, muss man diese Gefühle gespürt haben oder in der Situation gewesen sein. Also: Wenn man mich fragt, ob ich Ocean College weiter empfehle, auf jeden Fall! Hier kann man so viel lernen, über andere und vor allem über sich selbst. Wenn man hier war, weiß man, was Zusammenhalt, Teamwork und Spaß wirklich ist! In einem halben Jahr wird man mit komplett random zusammengewürfelten Personen zu einer Familie. Eine riesige Familie! Mit dieser Familie kannst du zusammen über die Reling kotzen, über Toilettenblokaden reden und zusammen durch alles gehen. Es gibt keinen, der ausgeschlossen ist oder der gemobbt wird. Jeder hat sich auf der Reise verändert und jeder wurde trotzdem so akzeptiert, wie er war.

Karun beim Matheunterricht

Wie habe ich mich verändert? Wie haben wir alle uns hier verändert und wie haben sich unsere Familien zuhause verändert? Nichts ist mehr, wie es war! Uns ist bewusst, wie gut wir es Zuhause haben und was wir alles vermissen. In diesen sechs Monaten ist uns bewusst geworden, welche Personen wir aus ganzen Herzen lieben und nicht verlieren wollen. In den Telefonaten kam mir Deutschland und all die Probleme und Geschichten von zuhause so fern vor. Jetzt, da wir Deutschland Tag für Tag näher kommen, realisiere ich, wo ich hinkommen werde. Heute haben wir die aktuelle Tagesschau geschaut und es hat sich nichts geändert.

Karun und Sophia

Das einzige Thema war Corona, als wären wir nie weg gewesen. Werden wir, wenn wir wieder nach Deutschland kommen, wie gewohnt in alles reinfinden können oder wird der Einstieg in den Alltag schwierig? Habe ich mich während der Reise so stark geändert dass ich nicht mehr zu meinen Freunden passe? Haben sich meine Interessen und Ansichten so geändert, dass ich nicht mehr so leben will, wie ich es vor Ocean College getan habe? Werde ich meine ganzen Hobbys weiterführen oder werde ich mir mehr Freiheit gönnen?

Nach wie vielen Tagen habe ich Deutschland wieder satt und will zurück zur Pelican? Wie lange, bis ich die vielen unterschiedlichen Menschen um mich herum vermisse? Jeden einzelnen mit seinen Eigenheiten und Talenten? Wie lange dauert es, bis ich den Wind und die Wellen vermissen werde? Komme ich zuhause mit allem wieder klar? Wie gehe ich mit dem Luxus Zuhause um? Was ist Luxus für mich in diesem halben Jahr geworden? Bevor ich zu Ocean College aufgebrochen bin, dachte ich, dass es Luxus ist, viel Geld zu haben, schnelle Autos zu fahren, teures Essen zu essen, neueste Mode, Gold und Silber, Diamantenschmuck, große Häuser oder Villen zu besitzen.

Schülergruppe im Urwald

Hier bei Ocean College ist mir klar geworden, dass Luxus so viel mehr als das ist! Luxus ist, wenn ich fließendes Wasser aus dem Wasserhahn habe, das nicht nach Chlor schmeckt; jeden Tag Süßwasser zum Duschen habe; mir einfach Obst nehmen können, wann ich will und so viel ich will und wenn kein Obst da ist, einfach schnell zum nächsten Supermarkt um die Ecke gehen zu können und mir etwas zu kaufen; eine Auswahl an Kleidung oder Lebensmitteln zu haben; die Freiheit, Sport zu machen, ohne dass ich bei jeder Übung umkippe wegen dem beschissenen Wellengang; wenn das Trinken nicht aus der Tasse läuft, weil irgendein Dulli mal wieder nicht auf dem richtigen Kurs steuert; gleiches Besteck zum Essen zu haben; einfach ein Fenster öffnen zu können und dem Zwitschern der Vögel zu lauschen; gutes Internet zu haben, um elektronische Geräte benutzen zu können; mal einen Spaziergang in der Natur machen zu können und nicht auf der Pelican eingeschränkt zu sein. Eigentlich ziemlich beeindruckend und verrückt, was Luxus alles sein kann.

Schülergruppe auf Kaffeefarm

Und das war ja noch lange nicht alles! Hoffentlich werde ich das nicht vergessen! Hier in diesem Punkt zum Beispiel merke ich schon, dass ich mich verändert habe. In nur sechs Monaten kann man so viel lernen und sich auch verändern. In diesem halben Jahr sind wir, ein komplett verrückter, zusammengewürfelter Haufen, eine Familie geworden. Wir haben die anderen in schwierigen Phasen begleitet und haben uns in den schwierigsten Situationen beigestanden. Als ein Team haben wir uns weiterentwickelt und haben unsere Ängste bezwungen. Und gemeinsam haben wir es geschaft, als Familie alles zu bezwingen und hunderte Höhepunkte zu erleben. Miteinander haben wir geweint, gelacht und gesungen. In sechs Monaten haben wir gelernt, miteinander zu leben und einander zu lieben! Ich persönlich habe eine komplette Wendung gemacht und bin genau wie alle anderen ein anderer Mensch geworden. Zumindest in einigen Dingen. Und nun arbeitet alles, wirklich alles auf unsere Ankunft in Emden hin. Der große Abschied steht kurz bevor. Mal sehen was er so bringt.

Schülergruppe im Saloon

In diesem Text steckt ein Teil meines Herzens und ich hoffe, dass man wenigstens ein wenig versteht, wie ich mich gerade fühle und was ich alles in sechs unglaublichen Monaten erlebt habe. Aber irgendwie kann man das dann doch alles nicht ganz so genau beschreiben, sonder nur fühlen!

Und jetzt zum allerletzten mal Mama, Papa, Anita, Nike. Ich habe euch so so dolle lieb und vermisse euch so sehr. Aber hey, es sind nur noch 10 Tage. Das ist absolut nichts! Die Tage könnt ihr sogar an zwei Händen abzählen! Kuss Kuss Kuss und eine ganz feste Umarmung!!!

Da dieser Text am Ende in euren Bordbüchern steht, ihr Matrosen, wollte ich mich bei euch allen bedanken. Verrückt, dass ich ein ganzes halbes Jahr mit euch verbringen durfte trotz Corona. Ihr seid nicht wie eine Klasse sondern wie eine crazy Familie für mich geworden und hätte mit keinen anderen dieses halbe Jahr lieber verbracht! Und wenn ihr jetzt eure Bordbücher anschaut, ruft mich gerne mal an oder schreibt eine Nachricht. Nicht vergessen, man sieht sich immer zweimal im Leben!!!

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