Ocean College

Reiseblog 21/22

Auf watch

Datum: 29.03.2022
Autor: Maxim
Position: South of Isle of Wight to Dover Straight
Geographische Position: 5021,3’N 00014,9’W
Etmal: 148nm (in total 14481nm)
 
Draußen war heute sehr graues Wetter. Es hat durchgehend genieselt und die Visibility war wegen des Nebels nicht so gut.

Deshalb mussten wir uns auf den Lookouts echt konzentrieren, denn manchmal kamen einfach riesige Schiffe wie aus dem Nichts auf uns zu, da wir sie immer erst sehr spät sehen konnten.

Allgemein müssen wir uns auf Watch jetzt sehr konzentrieren, da wir uns der Dover Straight nähern und hier in diesen Traffic Seperations sehr viele andere große Cargoschiffe unterwegs sind und auch ein paar Fischerboote, die sich nicht ganz an die Regeln halten.

Deshalb muss man immer aufmerksam sein, was die Watch aber schneller vorbeigehen lässt. Dann ist etwas so Tolles passiert: Plötzlich haben wir weiter weg auf der Starboardside so viele Delfine gesehen. Die haben sich ständig aus dem Wasser erhoben und kamen genau auf die Pelican zu. Als sie dann bei uns waren, ist uns erst aufgefallen, wie riesig sie sind.

Selbst Captain Ben meinte zu uns, die gerade auf Watch waren, dass diese großen Tümmler echt selten sind und er auch schon lange nicht mehr so große Exemplare gesehen hat.

Es war so eine große Gruppe an Delfinen und die haben das ganze Schiff umrundet und sind an allen Seiten mit uns mitgeschwommen. Das war so ein toller Moment:) Die Delfine sind locker 20min bei uns geblieben, bevor sie das Weite gesucht haben.

Der Handovercook Ann hatte heute Calzone und Burger gezaubert. Das war sooooo lecker! Dann haben wir an dem heutigen Tag auch noch West/Ost gekreuzt.

Nun befinden wir uns wieder auf dem geographisch östlichen Teil der Welt. Auf meiner Abendwatch von 20:00-00:00 Uhr hat es noch immer geregnet, aber es war trotzdem cool. Oben auf der Brücke wurde fleißig nach Lichtern Ausschau gehalten und unten im Messroom, wenn man gerade auf Standby war, wurden fleißig Briefe an uns gegenseitig verfasst. Es ist echt ein schöner Tag gewesen, obwohl es langsam draußen echt kalt wird. Nach der Watch bin ich echt erschöpft in mein Bett gefallen für tolle 8h Schlaf:))
 
Mama, Papa, und die Jungs, ich freue mich schon sehr euch alle bald wieder in Arm nehmen zu können,
Maxim:))
Grüße von Paula und Alina: Alles gueti zum Geburi Papi, ich hoff du häsch en schöne Tag gha und feine Chueche gässe 🙂 Ebenfalls alles Gute an die Vitamintablettendealerin aus Costa Rica <3

It’s come to an end

Datum: 28. März 2022
Autorin: May
Position: English Channel
Geographische Position: 50°21’2“ N 003°34’4“W
Etmal: 14253 NM

Heute haben wir zum zweiten Mal auf dieser Reise Dartmouth verlassen. Beim letzten Mal vor fast sechs Monaten stand uns die Reise noch bevor. Wir wussten nicht, was auf uns zukommt. Jetzt, am gleichen Ort, aber ein halbes Jahr später, sind wir kurz vor unserer Ankunft zurück in Deutschland und haben mehr erlebt, als wir uns damals hätten vorstellen können. In meinem letzten Tagesbericht möchte ich davon erzählen, inwiefern die Reise mich verändert hat und was Ocean College mir bedeutet.

May am Steuer

Vor der Reise hätte ich nie erwartet, dass sie einen so großen Einfluss auf mich haben wird. Ich dachte immer, dass es nur eine weitere Erfahrung in meiner Schullaufbahn wird und ich danach genauso weitermachen werde wie davor, doch es ist so viel mehr als das.

Zwar plane ich immer noch, Medizin zu studieren, da es das ist, was ich schon immer wollte, jedoch habe ich nicht mehr vor, sofort nach meinem Abitur damit anzufangen. Stattdessen möchte mir dann ein weiteres Jahr nehmen, um Erfahrungen im Ausland zu sammeln und beispielsweise so etwas wie Work and Travel zu machen, bevor ich mit dem Studium anfange.

Denn was mir Ocean College als meine erste sowohl längere als auch weitere Reise definitiv gezeigt hat, ist, wie schön es ist, zu reisen und wieviel man daraus mitnimmt. Ich wusste nie, wie wertvoll solche Erfahrungen sein können und wie glücklich sie machen.

Ocean College war unglaublich in vielen Arten und Weisen. Ich würde sogar sagen, es war das Beste, was ich bisher in meinem Leben gemacht habe.

Ein Alleinstellungsmerkmal der Reise ist, wie ich finde, dass man seine eigene Entwicklung mitbekommt und Veränderungen direkt nachvollziehen kann. Jedenfalls geht es mir so. Normalerweise verändert man sich natürlich auch, aber über einen viel längeren Zeitraum hinweg, so dass man es selbst meistens nicht mitbekommt.

Hier geschehen mehr Ereignisse in kürzerer Zeit, wodurch die Wirkung viel intensiver ist. Ich habe in diesem halben Jahr viel über mich gelernt, insbesondere über meine Beziehungen zu anderen und persönlich bemerkt, dass ich gerne in der Gemeinschaft von Leuten bin und mich gut mit ihnen unterhalten kann, was mir vor der Reise weniger bewusst war.

Ich habe wirklich wunderbare Menschen auf diesem Schiff getroffen und großartige Sachen mit ihnen erlebt und es sind einige der besten Freundschaften entstanden, die ich je hatte.

Die Orte und Länder, die wir besucht haben, waren unvergesslich, doch letzten Endes sind es die Leute gewesen, die die Reise einzigartig gemacht haben und mit denen man sowohl die Zeit an Bord als auch die Shoreleaves zusammen verbracht hat.

Jede Person hier ist ein eigenes Individuum und es war toll, mit so vielen verschiedenen Menschen zusammenzuleben, sich kennenzulernen und Zeit zu verbringen. So etwas ist zu Hause in dieser Form nicht möglich.

Natürlich hat das auch Herausforderungen mit sich gebracht und es war wichtig, sich bewusst zu sein, wann man Zeit für sich brauchte und neben den anderen auch allgemein an sich selbst zu denken. Es gab definitiv bessere und schlechtere Zeiten, aber sie waren alle Teil der Erfahrung und wir haben sie alle gemeinsam erlebt.

Ein halbes Jahr ist lang genug, um sich an etwas so zu gewöhnen, dass man es sein Leben nennen kann. Und das ist es inzwischen und die Pelican unser Zuhause. Ich kann kaum glauben, dass es schon vorbei ist. Es scheint nicht lange her, dass noch alles bevorstand, ich kann mich noch erinnern, als ich in einem Tagesbericht am Ende der ersten Atlanktiküberquerung darüber geschrieben habe, wie gespannt ich auf die Karibik war, da alles so neu sein würde.

In Wirklichkeit war das vor mehreren Monaten und es ging alles so schnell vorbei. Unser Landaufenthalt in Costa Rica, auf den alle als Höhepunkt der Reise gewartet haben, scheint im Rückblick kurz gewesen zu sein, obwohl wir einen ganzen Monat dort verbracht haben und quer durchs Land gefahren sind.

Ab der zweiten Panamakanaldurchfahrt hat es sich schon ein wenig angefühlt, als seien wir auf dem Rückweg, da wir die Durchquerung schon mal gemacht hatten, aber wir hatten noch immer die Bahamas, Bermuda und die Azoren vor uns.

Inzwischen haben wir auch diese Orte hinter uns gelassen und sie waren fantastisch. Der letzte Teil der Reise mit der zweiten Atlantiküberquerung war mit dem Gedanken an das Ende zwar teilweise traurig, mitunter aber auch der beste von allen. Wir haben alle unsere Leute gefunden und sind füreinander da. Insgesamt sind wir zu einer Familie geworden und die Reise wird uns immer in Erinnerung bleiben und uns miteinander verbinden.

Was wir alles zusammen erlebt und durchgemacht haben ist unglaublich. All die Erinnerungen, die während Ocean College entstanden sind, sind unbezahlbar und ich denke gern an sie zurück. Dennoch machen sie mich momentan und sicherlich in der ersten Zeit zu Hause primär traurig, da sie mich daran erinnern, dass es vorbei ist und es nie wieder so sein wird wie damals.

Vor allem werden unsere Freunde und Familie nur schwer nachvollziehen können, wenn wir von unseren Erlebnissen erzählen, was wir vermissen und warum es so besonders war, da das nur jemand kann, der mit dabei war. Aber dafür haben wir ja uns.

Ich werde das Leben hier sehr vermissen, vor allem das, was hier anders ist als zu Hause. Das, was wir nur hier hatten, obwohl es teilweise anstrengend war. Den Alltag, die Watches, Sittings, das Klettern, die Nutellatage, dass normalerweise selbstverständliche Sachen so besonders waren, die Cabins und vor allem die Menschen und dass es immer jemanden zum Reden gab.

Ich möchte mich hiermit bei allen hier bedanken, ihr wart großartig. Ich bin froh, mit euch dieses halbe Jahr verbracht zu haben und ich werde euch nie vergessen.

Last but not Least

Datum: 27.03.2022
Autor: Marlon
Position: Dartmouth (Süd-England)
Nautische Position: 5021.1‘N 00334.5‘W
Etmal: 14280

In meinem leider letzten Tagesbericht befasse ich mich mit dem endgültigen Tag ashore nämlich dem letzten Mal shore leave vor unserer Einfahrt in Emden. Hierfür habe ich mich bei ein paar Gruppen erkundigt, wie sie so ihren letzten Tag an Land verbracht haben.

Gruppe 1: Lorenz, Viktor, Lukas, Knut
Gruppe 2: Till, Jonathan, Marlon
Gruppe 3 : Kristina, Katharina, May, Clara M, Connor, Lilli, Maria, Ariadni, Yarina, Hanna, Daisy, Clara N, Dana, Leni, Lotte, Sara, Paula, Alina

Der Tag von Gruppe 1 war eigentlich ziemlich entspannt und ruhig gestaltet. Sie hatten sich bereits am Vortag ein cooles Krabbenfischer-set zugelegt und fischten heute an der Hafenmauer, wobei sie auch gute Erfolge erzielten.

Weiterhin aßen die vier Bunkers noch an einem Kebab Geschäft. Alle telefonierten noch mit ihren Eltern und sie nutzten das letzte WLAN, um sich von Freunden und Familie zu verabschieden und ihnen für die letzte bevorstehende Etappe „Tschüss“ zu sagen.

Gruppe 2, in der sich auch meine Wenigkeit befand, verbrachte den Tag recht ähnlich, doch mit ein paar kleinen Unterschieden. Zum einen hatten wir nicht so ein fancy Fischer-Equipment und zum anderen hatten wir vor, dem riesigen Royal Navy College einen Besuch abzustatten. Nach einem guten Brunch mit Orangensaft und BLT-Sandwiches aus dem M&S machten wir uns auf dem Weg Richtung Navy College, was sich ganz oben auf einem Hügel befand.

Von hier oben hatten wir einen tollen Ausblick auf die Stadt und das umliegende Gelände. Nach dem Abstecher zum College verbrachten wir unsere Zeit, ähnlich wie die anderen, im WLAN und telefonierten vor der Heimkehr noch mit der Familie.

Gruppe 3 hingegen, die unter der Führung von Kristina und Katharina eine Wanderung machte, verbrachte den Tag sportlich aktiver. Die Gruppe fand sich dann nach und nach zusammen und sie konnten sich auf eine ca. 3,5-stündige Wanderung freuen. Die Wanderung begann vom Steg aus, ging dann laut den Beteiligten stets an der Küste entlang bis sie einen Weg ins Landesinnere einschlugen, wo sie unter anderem Schafen begegneten.

Nach einer Mittagspause ging es dann auch schon wieder Richtung Hafen zurück. Nachdem sie dann um ca. 14:30 Uhr wieder am Hafen waren, trennte sich die Kleingruppe, um die restlichen drei Stunden noch im Hafen zu verbringen.

So das war mein letzter Tagesbericht, ich hoffe es hat euch gefallen. Stay Safe and Enjoy

Grüße:

Marlon: Ich grüße meinen Tischtennis Verein und hoffe, ihr schafft das auch die letzte Zeit ohne mich. 😉

Jule: Ich grüße Mama, Papa, Rammo und Kaschi. Ich vermisse euch ganz doll und freue mich euch in nen paar Tagen schon wieder zu sehen und Rammo irgendwann in naher Zukunft.

May: Greetings and all my love to Ana, stay safe!

Lilli: Mama, Papa, Ich freue mich schon sehr euch in ein paar Tagen endlich wieder zu sehen.

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