Ocean College

Reiseblog 21/22

Sternbilder und die letzten sechs Monate

Datum: 26.03.2022
Autorin: Paula
Position: Dartmouth
Geographische Position: 50°20‘.4 N 003°33‘.5 W
Etmal: 14279nm

Pelican in der Nacht

Bei der Nightwatch heute ist mir bewusst geworden, dass ich vielleicht zum letzten Mal so einen beeindruckenden Sternenhimmel wie während des letzten halben Jahres sehe, weil wir danach nur noch in Landnähe und bei schlechterem Wetter segeln werden. Während der letzten Monate habe ich so viele Sternschnuppen gesehen und viele neue Sternbilder gelernt:

1 Orion
2 Southern Cross
3 Pegasus
4 Scorpio
5 großer Wagen
6 Polarstern
7 Cassiopeia + Galaxy Andromeda
8 Taurus
9 Waage

Am Morgen war dann alles eigentlich genauso wie vor einem halben Jahr, nur dass wir alle so viel mehr Erfahrung haben und viel mehr zusammengewachsen sind. Wir haben vor Dartmouth geankert, das Schiff geputzt und alles für das Anlegen vorbereitet. Mittlerweile weiß jeder, wo was hingehört, vor sechs Monaten war das alles eher noch ein Durcheinander.

Die Einfahrt selbst war dieses Mal aber wesentlich spektakulärer als letztes Mal, weil die Schüler:innen auf die Yards geklettert sind und dort während der Einfahrt Shanties gesungen haben. Vom Pier aus haben viele Menschen zugeguckt und ich glaube das sah sehr beeindruckend aus.

Schiff vor Anker

Um die „Dart🐭-Traditionen“ aufrecht zu erhalten, sind Lotte, Julian, Alina, Sara, Clara N., Maria und ich schwimmen gegangen. Das war zwar eiskalt, aber auch richtig lustig.

Es ist so komisch, dass wir jetzt wieder genau da sind, wo wir vor einem halben Jahr schon waren und irgendwie ist alles gleich, aber auch alles anders…

Crew auf den Yards

In den letzten sechs Monaten sind wir alle zusammengewachsen und haben so viel Verrücktes erlebt. Wir konnten mitten in der Coronazeit um die halbe Welt segeln und haben zusammen gelacht, geweint, gesungen, gekocht, gekotzt und noch so viel mehr! Es ist so ein komisches Gefühl zu wissen, dass das in einer Woche einfach nie wieder zurück kommen wird…

Ich glaube, wir alle freuen uns auf Sachen zu Hause wie

  • unsere Familie und Freunde,
  • Essen, über das wir auf den Watches stundenlang geredet haben,
  • Wasser, das nicht nach Chlor schmeckt,
  • unser eigenes Bett,
  • mal eine Nacht durchzuschlafen,
  • dass nicht alles schwankt oder runterfällt, weil jemand nicht auf Course ist,
  • einfach mal nach draußen gehen zu können oder
  • nicht immer irgendwas zu hören, sondern einfach mal Ruhe zu haben.

Aber ich glaube es gibt auch mindestens genauso viel, dass ich hier vermissen werden:

  • dass, egal wo man hingeht, man immer jemanden zum reden hat und es nie langweilig wird,
  • die Hauptgesprächsthemen Shipsgossip und Essen sind,
  • man mitten auf dem Ozean klettern gehen kann und die Freiheit und den Wind auf den Yards genießen kann,
  • man eigentlich jeden Tag irgendwelche Tiere sieht (Delfine, Wale, Vögel, leuchtende Quallen, fliegende Fische, Schildkröten,…),
  • die tollsten Sonnenauf- und -untergänge und Sternenhimmel, die ich je gesehen hab,
  • die offene Atmosphäre und das jede*r einfach so sein kann, wie er/sie ist,
  • dass Anziehsachen eigentlich immer geteilt werden (manchmal freiwillig, manchmal unfreiwillig),
  • dass man sich über Kleinigkeiten wie Brötchen oder Porridge zum Frühstück riesig freut und
  • noch so viel mehr!

Ich werde alle, die dabei waren, richtig vermissen und wenn ihr das hier in eurem Boardbuch lest, würde ich mich freuen, wenn ihr euch mal bei mir meldet:))

Und jetzt noch ein letztes Mal die Grüße:
Mia, Mama, Papa, ich freue mich riesig euch nächste Woche in die Arme nehmen zu können! Und ich grüße Hannah, Momi und jeden der das hier liest:))

Dear diary…

Date: 25th of March 2022
Author: Yarina
Position: Atlantic / Englishchannel
Geographical Position: 4937.1’N00510.7’W
Etmal: 128 nm insgesamt 14197nm

Actually I want to write my last daily report about my experience during Ocean College, but I think this is what a lot of people has done already. That’s why I write about a not so boring day at sea. Tomorrow we will arrive in Dartmouth, wow, how fast the time has gone by. More or less exactly six month ago we were in Dartmouth. It was the beginning and everything was new and exciting.

Because this is my last daily report I want to write it as it’s my diary.

Today I got woken up from May at 07:00 for breakfast and the watch I had afterwards. But I was so tired from the last watch (20-24) that I fell asleep again. Actually I want to eat breakfast, because Daisy made porrige for us. I really want to just sleep for ten more minutes, but at the end I slept for another half an hour. Luckily May came and woke me up again. Otherwise I would have been late for watch.The watch started with a crazy fisherboat that was driving towards us. After the first shock it luckily changed course and everthing was under control again. During my „Standby“ I wrote some letters for the other students. Paula and Alina joined me. At 10:30 Janice, our Bosuns Mate, threw bob/thomas/ a fender over board. For the handoverteam it was a practice for a MOB (man over board) situation. Julian was our Captain, Clara was our 1st Mate and Leon was our 2nd Mate who took over the bridge. Helene had to put on a teletubby suit (immersion suit) and she looked like a ballon.

Maria had to climb up to the course plattform to point at bob/thomas. During that Jonathan pepared the first aid kit for when the casulty is rescued out of the water. After Dana fished the fender out of the water Lolo (Lorenz) took over the role as casualty. Jonathan tried to help Lolo and while he was doing that everyone else prepared the poopdeck for the arrival of an imaginary helicopter. We started Mike (autopilot) and we sheeted out the spankerboom. After everthing was prepared we brought Lolo up to the poopdeck. After Lolo was on the poopdeck the drill was over. My Watch cleaned all the stuff that was lying around and the handoverteam had a feedback talk on the bridge. For Lunch, Daisy cooked us some pancake´s and we got to eat it with nutella. It was very delicious. In the afternooon I went to bed to catch up on some sleep. After I woke up again, May, Max and I took our harnesses and some snacks and went to the bikinideck. After we settled in we saw many dolphins jumping out of the water. We also saw some babydolphins which were very cute. After our fingers were too cold we went down. In the messroom it was not as warm as expected. In the evening Ariadni and I prepared the birthday present for Connor. Afterwards we had watch again. During the watch it was very cold, but the clear night sky was so nice so it was not so bad. At 00:00 we sang happy birthday for Connor. Afterwards I went to bed.

This was now my late daily report and I hope you liked it.
Tschüsssssiiiii

Science!! oder anders gesagt: „Michi hat einen Plan“

Datum: 24.03.2022
Autorin: Sara
Position: Schon fast im Ärmelkanal
Geografische Position: 4845.5’N 00805‘1W
Etmal: 14067NM

Wie euch Lesern vielleicht bekannt ist (oder auch nicht) muss jeder Teilnehmerin in einem der drei Pathways Media, Science und Economics teilnehmen. Zu einem selbst gewählten Thema aus diesem Bereich muss dann auch ein Vortrag gehalten werden und ein Essay geschrieben werden. Ich hatte zusammen mit Yarina das Thema Mikroplastik im Meer.

Jedes Mal, wenn mich jemand nach dem Stand meines Projekts gefragt hat, hab‘ ich geantwortet „Michi hat einen Plan“. Wie es zu dieser Antwort kommt, erzähle ich jetzt.

Der erste Schritt von meinem Plan war, Plastikproben aus dem Meer zu sammeln. Das habe ich mit drei unterschiedlichen Methoden gemacht.

  1. Ich habe ein Planktonnetz an ein Seil geknotet und mehrmals für vier Stunden hinter dem Schiff hergeschleppt. Dabei habe ich viele Pflanzen und ein bisschen Plastik gesammelt. Das Plastik habe ich dann aussortiert und für die Auswertung aufbewahrt.
    Der Vorteil dabei ist, dass man so Plastikproben aus hoher See kriegt. Der Nachteil ist, dass man dabei nur Proben von der Oberfläche bekommt und ein Grossteil des Mikroplastiks im Meer sich auf ca 1,5m Tiefe befindet.
  2. Wir haben in Horta (Azoren) im Hafen eine Bodenprobe genommen. Schon auf den ersten Blick waren da Plastikteile drin. Wir haben die Probe aber für die Auswertung aufbewahrt.
  3. Beim Schnorcheln in Nassau habe ich einige frei herumtreibende Plastikteile eingesammelt. Diese sind wahrscheinlich direkt von der Küste ins Meer gespült worden und noch nicht lange da. Sie sind deswegen auch noch kein Mikroplastik, aber sie werden früher oder später in kleine Teile zerfallen und zu Mikroplastik werden.

Im nächsten Schritt haben wir die Plastikproben ausgewertet. Und das ist der Zeitpunkt, an dem Michi (Chemielehrer) ins Spiel kommt. Yarina und ich sind beide nicht die grössten Chemieprofis und wir brauchten für die Auswertung Chemikalien, die wir nicht einfach so zur Hand haben. Da Michi ab und zu keine Zeit hatte, blieb das Projekt länger auf dem Stand „Michi hat einen Plan“ stehen. Letztens war es dann aber doch soweit und wir konnten das Plastik auswerten. Wir haben das Plastik mithilfe von Flotation auf seine Dichte untersucht. Das heisst, wir haben aus Kaliumcarbonat und Wasser verschiedene Lösungen mit unterschiedlichen Dichten hergestellt. Wir haben dann die einzelnen Plastikteile in die verschiedenen Lösungen gegeben und geschaut, ob sie schwimmen oder sinken. Dabei haben wir mit der dichtesten Lösungen begonnen und wenn die Probe schwimmt, mit der nächsten Lösung weitergemacht. So können wir grob die Dichte der Plastikteile bestimmen. Wenn man dann mit einer Tabelle von bekannten Dichten von Kunststoffen vergleicht, kann man Vermutungen anstellen, um welche Kunststoffart es sich handelt.

Hier eine kleine Auflistung der gefundenen Kunststoffarten:

Wie vielleicht zu sehen ist, konnten wir nicht für jedes gefundene Stück eine Vermutung anstellen, welche Kunststoffart es sein könnte, dafür sind die Dichtemessungen zu ungenau oder wir haben insgesamt zu wenig Informationen über den gefundenen Kunststoff. Bei den Proben, wo wir eine Kunststoffart bestimmt haben, handelt es sich um eine nicht bestätigte Vermutung. Im Rahmen unserer Möglichkeiten auf einem schwankenden Schiff haben wir aber sehr gute Ergebnisse erzielt.

Wenn man dieses Projekt in grösserem Stil durchführen würde, könnte man daraus tatsächlich auch Erkenntnisse ziehen, wie z.B. dass in einer Region besonders viel PET gefunden wird, weil das Recycling von Wasserflaschen nicht so gut läuft oder dass in einer anderen Region die Fischereiindustrie ein großes Problem darstellt, weil viel Polyamid (Nylon; wird in Angelschnüren verwendet) gefunden wird.

Zum Schluss noch ein kurzes Fazit. Plastik ist mittlerweile überall. An jedem Ort, wo wir Proben genommen haben, haben wir auch Plastikteile gefunden. Sogar an den wunderschönen Schnorchelstränden auf den Bahamas. Mich persönlich bringt das schon ein wenig zum Nachdenken. Euch ja vielleicht auch…

Grüsse:
Ich schick (wahrschinlich zum letzte mol) ganz ganz Liebi Grüess an mini Familie. Ich bi unglaublich dankbar, dass ich die Reis ha dörfe mache. Ich ha so vieli unvergesslichi Sache erlebt und so viel neus gseh. Und ich ha au extrem viel neus glernt, vor allem au über mich selber und was mir würklich wichtig isch!
Ich Grüess usderdem mini Schildchrot, falls si scho ufgwacht isch, und alli andere Lüt wo ich süst no so kenn. Ich vermiss euch alli sehr und freu mich scho ganz fest druf euch wider z gseh!

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