Ocean College

Reiseblog 19/20

Massenkotzen: Staffel 2, Folge 1

Datum: 21.02.2020
Autorin: Noé
Geografische Position: 24*43.8N/ 080*25.6W
Position: Entlang Amerikas Küste
Etmal: 174nm

Schülerin Noe erklärt etwas

Biskaya.

Wir erinnern uns alle an diese wunderschöne Zeit des Kotzens, wo man nicht wusste, wo rechts und links, ob Tag oder Nacht ist und ob man Wache oder Freizeit hatte. Es kam einem vor wie das Überlebensspiel und alle verhielten sich und sahen aus wie Zombies (Papa, das hätte dir gefallen).

Irgendwann war diese Zeit dann aber auch vorbei und wir alle konnten ganz normal unserem Alltag an Bord nachgehen. Zwischendurch gab es dann auch noch ein paar Seekranke, aber die Zombie-Apokalypse war vorbei.

Niemand dachte, dass selbst die Stärksten irgendwann wieder am seidenen Faden hängen würden, doch heute war es wieder soweit.

Massenkotzen

Liebe Damen und Herren, Willkommen zum Massenkotzen, unserer Erfolgsserie über ein paar seekranke Teenager an Bord der Pelican of London.

Fangen wir aber von vorne an.

Die Sonne strahlte, alle waren munter wohlauf, wir fuhren 10 Knots SOG Richtung Bermuda und hatten tolle kleine Wind-Wellen und einen ein Meter hohen Swell von links, was aber niemanden störte.

Zwei Stunden bevor meine Wache White Watch A (12:30-16:00) endete, Silja war gerade am Helm, kam die erste große Welle.

Wir machten uns aber einen Spaß daraus und Carl freute sich so sehr, dass er das Seil des Spankers packte und hochsprang. Genau in diesem Moment kam die nächste große Welle und Carl, nur seine Hände auf dem Schiff, lernte erstmal fliegen.

Als er nach ein paar Sekunden wieder auf festem Boden stand, klippten wir uns erstmal alle an die Sicherheitsseile an und wurden uns des nun starken Wellengangs bewusst.

Kurz darauf stand Frida an der Reling und entledigte sich ihres Mittagessens. Ich eilte runter, um ein paar Tücher zu holen, als ich auch die nächsten Seekranken sichtete.

Lilly, gerade an unserer Lieblings-Kotzstelle, Jackie, total benommen auf den Treppen sitzend und Paul, welcher wie immer das beste aus der Situation machte. Nicht lange später wurden Kräcker und Salzstangen verteilt und die ersten Eimer fanden ihren neuen Besitzer.

ein Eimer für das Massenkotzen
Das neue It-Piece auf der Pelican. Der Trend geht zum Eimer.

Nach der Wache

Als die Wache dann vorbei war, ging ich erstmal zu Bett, da auch mir schummrig wurde.

Ich stand pünktlich zum Abendessen auf und fand eine Messe voller Zombies wieder. Auch die Wackersten spürten die großen Wellen und unsere starke Schräglage, sodass niemand das Gulasch anfasste und nur die Süß-Kartoffel-Pommes gegessen wurden.

Dank unseren lieben Kwells (Seekrankheitstabletten) ging es schließlich manchen besser, so dass man auch noch die unglaublich leckeren Kokoskekse essen konnte.

Nach dem Essen

Auf den Weg runter fand ich Frida, halb in ihrer Kotze stehend und schickte sie erstmal zu Bett.

Ich probierte, as Erbrochene selber wegzuwischen, wobei mir aber dermaßen übel wurde, dass ich Marco und Carl um Hilfe bat.

Unsere Helden in Not wischten also das Erbrochene weg, während man Frida und Sarah über einen Kotzeimer hängen sah, in welchen sie sich abwechselnd (oder auch zusammen) ihres Mageninhaltes entledigten.

Überall auf dem Schiff hörte man Leute kotzen, Dinge aufgrund der starken Wellen umfallen und um diesem riesigem Chaos zu entfliehen, ging ich erstmal schlafen.

Liebe Eltern, sorgt euch nicht zu sehr, euren Kindern geht es gut. In spätestens zwei Tagen haben sich alle an die Wellen gewöhnt.

Die Stimmung an Bord ist etwas bedrückt, da jeder Heimweh hat, aber ich verspreche euch, dass auch das sich legen wird. Ich wollte außerdem noch mal gesagt haben, dass ihr uns nicht mehr um das schöne Wetter beneiden braucht, bei uns wird es langsam kalt, alle tragen schon lange Sachen und Kuschel-Socken und es regnet viel.

Aber das tut der Gemeinschaft an Bord gut, da man sich zusammensetzt, unter der Decke einen Film schaut und den täglichen Nachtisch genießt…

in einen Eimer brechen
Situation im Berliner Büro, nachdem wir diesen Tagesbericht gelesen haben

Ps: Liebe Grüße gehen raus an meine Mama und Papa, an Bella und Jascha und den Rest meiner Familie. Mir geht es gut, glücklicherweise bin ich nicht seekrank. I love love love and miss you. Wir sehen uns bald.

Pps: Liebe Mama, alles Gute zum Geburtsag. Ich habe dich ganz doll lieb. Deine Leni <3

Ppps: An meine Familie, sorgt euch nicht zu sehr! Das mit der Seekrankheit ist bald bestimmt vorbei. Genießt die Karnevalstage und feiert schön für mich mit! Ich habe euch so doll lieb und vermisse euch so sehr! (Frida)

Leaving Cuba

Date: 20.2.2020
Author: Carl
Postion: Marina Hemingway, Havana
Geographical position: 23°05.243N; 82°29.984W
Etmal: 0

Today was departing day. After nine days we are finally leaving Cuba with new crew members, food and energy. But the day started pretty boring for me. After I had done my 4-6 harbourwatch, during which we played 4 in a row on the welldeck, I slept until the morning meeting at 8 o’clock. At the meeting, Tamsin, who came back yesterday, told us we were going to prepare for going to sea at 15:00, because otherwise we would have to stay in the marina for another 24 hours, as the water here is only deep enough for us to manoeuver in during high tide.

We were done half an hour later, so that meant we all had to find a way to occupy ourselves for the rest of the morning. Most of us grabbed their laptops or their diaries/Klarheitsbooks and wrote, watched or played in or on them. Also some intelligent people went to bed to catch up on sleep before going to sea and back into the routine again. Me, I was doing sudokus and crosswords which I got from my parents with the letters which arrived with Captain Chris. A big big thank you at that point to my parents, you saved my day (please keep sending them).

At first some people and me were trying to solve them together, but then our engineer Bruce suggested we should try a duel. So I copied some sudokus and played against Ruben. After a Go! We both started solving the same one and whoever finished first won. I don’t want to make others look bad on here, so I’m not going to write who won. But I won. Three out of three. And that is how we passed our time until lunch.

At around 13:30 we had to stand by to be shuttled to the immigration office in the RIB, to clear out of Cuba. When we were all back from that the engine was turned on… but oh no, we weren’t ready to go yet. More officers came onto the ship, accompanied by drug-sniffing dogs. It was hell for me knowing there are dogs on board, as I am highly allergic. But everything turned out fine and we were finally allowed to leave Cuba.

Then the most impressive part of the day started: Capatain Chris manoeuvering us out of the Marina. I was on the helm, following his orders and seeing the magic happening. Going out of the Marina was very difficult. One thing which was nice was that our former Captain, Ben, had parked us in backwards. So we were able to get out forward.

Still we had to get around three sharp corners in a row with sometimes only 10 centimetres underneath the keel. But Chris got us out like he did it every day. He gave relaxed orders and I swear we were always just centimetres away from every corner. It was amazing! From this moment on everyone had a lot of respect for him.

At sea the day came slowly to an end. Silja and Johanna mastered their fear of heights and did their Pelican Monkey. So everyone has their monkey certificate now. I was very proud of the girls -they rocked it! After another awesome meal for dinner, I sat down with Noé to watch Arrow, a series she downloaded. It is great that we are on the day watch now, because we get both freetime and plenty of sleep now, which obviously is great. I can actually do stuff in the evening. So after Noé went to go to bed, I decided to write my daily report and here I am.

t/sdcard/DCIM/101GOPRO/GOPR1369

Ladies and Gentleman, that was my day. Maybe in the end some last words about Cuba. The people there seemed very nice, but you could also feel something was a miss there. In general we mostly got to see the more touristic sides of Cuba and Havanna, and you could see the Cubans were doing their best to give us a good experience in their country. And it was a really nice experience. But we didn’t get to see much of peoples’ real lives there, which for me was a bit sad. In Havanna I talked to some people and even though they are very nice they are having a hard life. I learned that a lot of things are different here and in the last days we got to see a more of the other side of the Cuba. But anyway, for me, it was very nice being there and seeing what the country is like.

Greetings to all of my family and friends, I love you all!
Big Kisses to home!

Time to say Goodbye

Datum: 19. Februar 2020
Autorin: Marlene K.
Position: Havanna, Kuba
Nautische Position: 23°05.243N; 82°29.984W
Etmal: 0

Wie so häufig wurde ich auch heute durch den Lockruf zum Frühstück aus meinem Bett gezogen und genoß mein Himbeermarmeladenbrot in der angenehm warmen Sonne Havannas.

So, das war mein eigentlicher Plan für den Morgen, welcher durch meine Müdigkeit durchkreuzt wurde. Das heißt, ich habe den wake-up-call verschlafen und habe es erst durch das zweite Mal Wecken geschafft, aufzustehen. Grundsätzlich heißt das, dass ich um kurz nach halb sieben realisierte, dass ich verschlafen habe, schnell in meine Sachen geschlüpft bin und wie eine Wahnsinnige nach oben gesprintet bin und zwei Brote schnappte. Diese konnte ich dann glücklicherweise trotzdem in der Sonne genießen.

Um kurz vor acht hörte ich die tägliche Durchsage von Steve zum morgendlichen Meeting auf dem Welldeck und begab mich gemütlich zu den Picnic tables. Da in Kuba ein Crewwechsel stattfand, war es unser letztes Meeting mit Captain Ben und unserem ersten Offizier Steve. Als das Meeting gerade im vollem Gange war, trafen unsere ersten “neuen” Crewmitglieder ein. Als erstes schwang sich Abbie, unsere Köchin, über die Reling auf die Pelican und kurz darauf folgte Simon, unser 3. Offizier.

Nach dem Meeting kam wie immer unser tägliches Putzen, welches wir Heads & Showers nennen. Da es mein Glückstag war, traf es meine Watch und mich. Das heißt E-Pine und ein Lappen in die Hand und ab in die Bäder. More putzen, less fuffing around.

Nachdem wir damit fertig waren, bekamen wir noch einmal die Chance, uns per Telefon von unseren Angehörigen zu verabschieden. Einige sind an Bord geblieben und haben das Geländer mit Sandpapier und Öl bearbeitet, damit die Pelican schön für die Abfahrt aussieht. Ich war ebenfalls dabei und es war ein echt cooles Gefühl, die Hitze der Sonne zu spüren und den Staub des Holzes um einen herumwirbeln zu sehen.

Um 10: 00 Uhr hatten wir schließlich ein weiteres Meeting. Mal wieder wurden wir durch die Ankunft neuer Crewmitglieder gestört. Zum einen betrat unsere erste Offizieren Tamsin, welche uns schon bekannt ist, das Schiff. Zum zweiten unser neuer Captain Chris und die Bordärtzin Donatella, welche sich um alle Wehwechen von uns kümmern wird.

Für den weiteren Vor- und Nachmittag war ein Strandbesuch in Havanna angesetzt. Das heißt Badesachen an, Brotdosen (oder Vesperdosen, Jausenbox, Brotbox, was auch immer, darüber wurden schon tiefsinnige Diskussionen geführt) in die Tasche und ab zum Bus. Doch der Aufbruch zum Strand hieß auch der Abschied von Steve und Captain Ben. Es wurden herzliche Umarmungen ausgetauscht und die Versprechen, sich bei der Ankunft in Bordeaux wiederzusehen.

Nach einer Stunde von Musik beschallener Busfahrt (also wirklich, man konnte sein eigenes Wort nicht verstehen, weil es so laut war) kamen wir endlich an. Die Vorfreude stieg, als wir aus der Ferne den weißen Sandstrand und das türkise Meer erblickten.

Wir suchten uns alle einen gemütlichen Platz und cremten uns erstmal dick mit Sonnencreme ein (ja Mama, auch ich habe mich eingecremt). Nachdem wir alle uns erstmal im Meer abgekühlt hatten, setzten wir uns auf die Handtücher und genoßen Nudeln mit Pesto.

Die Zeit am Strand nutzte jeder für sich: Die einen schliefen, die anderen machten sich auf die Jagd nach Muscheln, andere waren baden und wieder andere waren die ganze Zeit am Essen. Um halb fünf machten wir uns dann schließlich auf dem Weg zum Bus und mussten uns somit vom schönen Havanna verabschieden. Natürlich liegen wir bis morgen noch im Hafen, doch die Stadt und den Strand werden wir nicht wieder sehen.

Nach einer weiteren von Musik begleiteten Busfahrt kehrten wir zum Schiff zurück, wo dann schließlich unser drittes Meeting an diesem Tag stattfand. Kurz darauf bekamen wir Abendbrot und verschwanden danach alle ziemlich schnell in den Duschen der Marina. Wir genossen alle den Luxus dieser Duschen: Das letzte mal Platz zum Duschen, angenehm warmes Wasser und das Wissen, das Wasser so lange laufen lassen zu können, wie man möchte.

Das Ausklingen des Abends konnte jeder selbst gestalten. Einige guckten einen Film, andere schrieben Tagebuch oder an ihrem Essay. In der Messe fand ein buntes Gespräch statt und es war eine angenehm glückliche Stimmung an Bord. Ich selber bin dann nach angeregten Diskussionen, ob man nun eine Schokolade anbrechen sollte oder nicht, müde, aber mit dem glücklichen Gedanken des Durchschlafens in das Reich der Träume gesunken.

PS: Ich möchte meine ganze Familie grüßen und ihnen das Versprechen geben, dass ich es bald mal hinkriege, meine Postkarten auch zu verschicken. Ich habe euch nicht vergessen, sondern ich bin nur verpeilt. Fühlt euch all ganz doll gedrückt.
Bussi Marlene