Ocean College

Reiseblog 19/20

“Sharing is caring” – Eine Geschichte über Schokolade

Datum: 28. Oktober 2019
Autorin: Ella
Position: Marokko, vor Anker
Nautische Position: 34°22.1 N 010°17.5 W
Etmal:0

“Vier – Gewinnt” – dieses bei uns Schüler*innen sehr beliebte Spiel, wenn es auch auf den ersten Blick primitiv erscheint, beschreibt in seinen grundlegenden Prinzipien recht gut die grundsätzlichen Regelungen im Umgang mit dem wertvollsten Gut an Bord – Schokolade. Zum einen herrscht theoretisch Chancengleichheit (bei Vier – Gewinnt ist es theoretisch immer möglich, ein Unentschieden zu erspielen) zum anderen verliert, wer nicht aufpasst. Simples Prinzip, gnadenloser Wettkampf…

Schüler spielen vier Gewinnt an Deck
Vier Gewinnt – ein gnadenloser Wettkampf 😉

Die Nachfrage bestimmt das Angebot?

Problematisch, wenn die Nachfrage grenzenlos und das Angebot auf Privateigentum beschränkt ist. Somit steigt der Preis – und weil es wenig Sinn ergäbe, Schokolade gegen Schokolade zu tauschen weichen die Bezahlungsmethoden hier auf andere Bereiche aller Art aus – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Du brauchst Zustimmung, Unterstützung, Komplimente, jemand soll Dein Bad putzen, Du willst morgen mehr Nachtisch oder einfach eine Umarmung? Schokolade!

Begrenzt wird dieses System von nur einer einzigen Regel: there are no jokes about chocolate. Wer seine Ehre wahren möchte hält sich an den Deal.

Sozial und so

So weit so gut – gäbe es da nicht auch noch die Gruppe der Schnorrer. Die lassen sich grob den drei Taktiken der mittellosen Allgemeinheit zur Beschaffung des Grundnahrungsmittels zuordnen (Ja, es ist immer noch von Schokolade die Rede 😉 ) :

  1. Die Schleimer: Komplimente, nette Worte, kleine Gefälligkeiten – hier siegt Dreistigkeit
  2. Moralische Sabotage: Wer kennt es nicht? Da reicht eine kleine Sammlung der schönsten Klassiker: “Ich hab‘ Dir auch immer was abgegeben”, “sie/er hat auch was bekommen”, “ich hab meine Sachen auch alle geteilt”… wir sind nun mal sozial
  3. Versprechen und Drohungen: “Dann lass ich Dich auch in Ruhe”, “sonst bekommst Du auch nichts mehr”, “ich teile auch mit xy” – immer gut mit 1 und/und oder 2 zu kombinieren 

Irgendwie lässt sich jeder da einordnen – vor allem seit wir alle drei Taktiken in einem Motto vereint haben: “sharing is caring”… Danke auch, Ruben.

Mein Tipp, was die beste Methode ist? Tee trinken. Viel Tee. Aber das ist eine andere Geschichte…

Jacqueline zeigt Peace-Zeichen
Wie viel Stückchen Schoki sollte man mindestens essen?

Wie war der Tag?

PS: Für alle, deren Interesse sich nicht ausschließlich auf Schokolade beschränkt (aber auch für die, die sich im Laufe des Berichts welche geholt haben 😉 ) jetzt noch eine Zusammenfassung des Tages, einfach weil viel passiert ist:

Der Tag startete nach dem Frühstück (vorher geht hier nix) mit der Geographiestunde von Miriam und Jens für die B–watches – wir haben (aus naheliegenden Gründen) mehr über Marokko bzw. den Orient an sich gelernt. Wobei wir zum Ergebnis gekommen sind, dass “der Orient” eher ein Begriff für die Vorstellungen und Vorurteile dem Gebiet gegenüber darstellt, auch, weil es keine eindeutige (oder geographische) Definition gibt.

Probefeueralarm

Gegen 11:00 Uhr wurde der normale Alltag dann von der Sirene zerissen – ein Probefeueralarm. Auf einem Schiff ist es dabei mit einem Verlassen des Gebäudes natürlich nicht getan. Erst versammeln sich alle nach den watches sortiert beim Foremast und bekommen Schwimmwesten.

Dann wurde zu Übungszwecken eine Suchaktion eingeleitet, da Lilly sich aufgrund einer Knöchelverstauchung noch im “Gefahrenbereich” aufhielt. In einem solchen Fall ist es Aufgabe von Pete und Elly (Bosun und Bosuns Mate) in Feuerschutzanzügen nach der/ dem Verletzten zu suchen. Unterdessen waren Mascha und Jens an Deck mit den Feuerpumpen beschäftigt und einige Schüler assistierten auf der Brücke beim Absetzen des Probenotrufs. Beendet wurde die Übung mit der “Ankunft des Hubschraubers” und der Rettung von Lilly – erfolgreich also.

Seamanship

Nach dem Happy Meeting und der Rückkehr zum normalen Schiffsgeschehen folgte dann Geographie für die A–watches und eine Stunde seamanship mit Pete, in der wir lernten, wie man das Beiboot zu Wasser lässt.

Linus und Florett lernen verschiedene Berechnungen und Kartenlesen…

Der Abend

Seit vier Stunden (Ankunft ca. 17:00) liegen wir jetzt in Marokko vor Anker und ich denke, wir alle freuen uns darauf, morgen an Land gehen zu dürfen. Jetzt sind wir nicht nur wieder in einem anderen Land, sondern auch auf einem neuen Kontinent – gefeiert wurde das mit Lasagne, dem Lieblingsessen von Kapitän Ben. Wir Schüler*innen lassen den Tag jetzt noch mit einer Runde Werwolf ausklingen – wobei unsere Version zwar extrem lustig und lebendig, aber auch chaotisch verläuft…

PPS: Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir in der Mitte des Atlantiks baden gehen sollten (Anmerkung der Allgemeinheit)

PPPS: Wer jetzt spontan beschlossen hat, sich Schokolade zu beschaffen: Lebkuchenschokolade. Probieren geht über studieren – das ist unbeschreiblich… 😉

Special Sunday

Date: 27 October 2019
Author: Hannah
Position: in front of Morocco
Geographical position: 34°22’7” N / 10°17’5” W
Etmal: 134

As there are no lessons on Sundays, we finally get the chance to sleep until 10 am. However, there will happen some special events during the day:

1. Cooked breakfast

During the week you usually get some toast with butter, Nutella, jam or cereals for breakfast. But on Sunday, everybody can have a proper English breakfast: scrambled eggs, bacon, sausages and hash browns. Even though you have to get up at 6:45am, this breakfast is definetly worth it and you can still get some more sleep until 10am, when lovely music and happy announcements by the crew will wake you up.

Joana macht Eier

2. Happy Hour

Every day one watch has to clean up different places – this is called Happy Hour because the crew will be happy once the ship is clean.  And again Sundays are special. Instead of the daily clean up the whole ship, including the deck and the wheelhouse, gets a deep-deep clean. That includes for example: mop the messroom, polish the magnetic compass, scrubbing the deck with a soap and whipe out the cupboards. To complete our cabins have to be tidy and if we don’t make our beds, we fall through the inspection of the second officer.

It takes about an hour to do everything…

3. How to get lost properties back?

The life on a ship with about 40 people would be a mess if everybody puts his things wherever he wants. So there is one rule: If the things are not in your cabin at 8 pm Tamsin, our second officer, collects them and Sunday is the only chance to get them back. Of course you won’t get them back without any penalty. This time you need to answer some questions about things we’ve learned the days before: If the answer was right, you get your things back immediately, if it is wrong, you have the chance to find the answer until the end of the day. Some people had a lot to do to get their belongings back.

4. Sunday is Funday

To make life more exciting everybody played a game together: The crew made up a competition between Red-, Blue- and White watch. The aim of the game was to get a bucket with as much water as possible from the Well Deck to the Poop Deck. Sounds quiet easy, but the crux was that we weren’t allowed to touch the bucket with any part of the human body. As this task was impossible, we had to buy materials for transportation.

They were two shops we could buy all sort of things from and to practice how to haggle we had only 20 coins available. All three teams made it and brought the bucket full of water to the Poop Deck. We don’t know who the winner is because the challenge will continue over the next weeks. But we all feel like winners today- you want to know why? Because SUNDAY IS FUNDAY! 😉

Gruppe auf dem Schiff beim Filmabend

Ein kleiner Besucher auf der Pelican

Datum: 26.10.2019
Autor*in: Ben 
Position: Gorringe Ridge 
Nautische Position: 35°45.1 N 010°50,1W
Etmal: 137 sm

Piep piep,

ich bin Bob, ein kleiner Vogel auf großer Reise. Ich bin als blinder Passagier auf der Pelican of London gelandet. Als ich die Pelican zum ersten Mal gesehen habe, wusste ich, dass es mein Ticket nach Marokko ist.

Hier ist es soooo schön: die Sonne strahlt und das Meer sieht wie gemalt aus. Und ich habe auch direkt Freunde gefunden: Zwei andere blinde Passagiere. Der Eine war ein Bekannter aus Vigo, mein Großcousin mütterlicherseits. Ich habe danach das Rigg erkundet und da habe ich eine Heuschrecke beim Meditieren gestört. Ich flog zu ihr hin und er verlor das Gleichgewicht und stürzte in die Tiefe. Als er unten aufgekommen ist, schauten so komische Wesen namens Menschen die Heuschrecke an und sperrten sie in ein Glas, um sie zu studieren.

Und dann…

…schreien die auf einmal rum, fuchteln wild mit den Händen und dann sehe ich sie auch. Delfine! Das muss eine ganze Delfinschule gewesen sein, die da in die Luft gesprungen sind. Es waren kleine und große, alte und junge. Die Menschen waren so aufgedreht, haben die denn noch nie Delfine gesehen? 

Langsam knurte mein Magen und ich machte mich auf Nahrungssuche. Nach einer Zeit fand ich mal ein paar Krümel und ich hatte solchen Durst! Es war überall Wasser, aber eben Salzwasser und das kann ich nunmal nicht trinken. Und dann hab ich die Erlösung gefunden: die komischen Wesen haben mir einen Teller mit aufgeweichtem Brot und Süßwasser hingestellt.

Das tat gut und hat mich aufgepeppelt. Danach bin ich wieder auf Erkundungstour gegangen und hab die Menschen bei ihrer „Watch“ beobachtet. Ben, Frida, Simon, Jacky und Max haben sich gegenseitig Tanzen beigebracht und hatten viel Spaß. Und Max wollte Delfine fotografieren, doch bis er seine Kamera geholt hatte, waren sie schon wieder weg.

Jetzt bin ich gespannt, wie mein neues Leben in Marokko wird, weil ich war noch nie in Afrika.