Ocean College

Reiseblog 19/20

Vom Schnorren und Gönnen

Datum: 22. März 2020
Autor: Emily (aka lil Peeps)
geografische Position: 39°14.0N/ 024°43.3W
Position: kurz hinter den Azoren, Pelican Of London
Etmal: 101 nm

Schnorrer Emily in Bermuda
Emily mit hellblauer Bomberjacke (von Noé) und Hose “Get on my Lvl” (von Johannes).

Ich glaube, es wurde bereits das ein oder andere Mal in einem Tagesbericht erwähnt, dass es auf unserem Schiff zwei Arten von Menschen gibt: die Gönner und die Schnorrer.

Die Gönner

Die “Gönner” gönnen, wie es ihr Name schon beschreibt. Sie geben den Schnorrern und sind essentiell wichtig für deren Überleben. Beispielsweise füttern sie die Schnorrer mit Süßigkeiten, wenn diese Hunger haben oder geben ihnen Klamotten, wenn ihnen mal kalt sein sollte.

Generell handelt es sich bei den Gönnern um eine häufig sehr liebe (und großzügige) Art von Mensch.

Die Schnorrer

Die „Schnorrer“ schnorren. Sie nehmen alles, was sie bekommen können. Diese Art kann sich an ihr Umfeld anpassen, sie haben einen sechsten Sinn und können Gönner auf 30 Meter erkennen und in Sekunden eine Herangehensweise planen. Dann können sie entweder freundlich um eine Spende bitten oder skrupellos klauen. Dies geschieht dann meistens mit den Worten: „Sharing is caring“, was wohl eine Form der Erklärung darstellen soll.

Bei den Schnorrern gibt es drei Unterarten: Die, die hauptsächlich Essen schnorren, ist die häufigste Art. Außerdem die, die hauptsächlich Klamotten schnorren oder auch die gefürchtetste Form: Die Mischung aus beidem.

Fazit

Ja okay, ich gebe es ja zu, ich bin eine Schnorrerin (hiermit möchte ich mich bei all meinen Mitmenschen entschuldigen). Allerdings möchte ich noch hinzufügen, dass Schnorrer eigentlich nur missverstandene Wesen sind, die eigentlich nur auf der Suche nach Liebe und Aufmerksamkeit (und Essen) sind.

Anhang

In der Hoffnung, dass es vielleicht mal ganz interessant sein könnte, hier eine Auflistung (fast) aller Dinge die ich mal geschnorrt habe:

Item Owner Anmerkung
2 Pullis (Reebock, Vans) Max  
2 Pullis (grün, grau) Marco  
Hose („Get on my lvl“) Johannes hab ich seit Vigo und war das erste Item das ich geschnorrt habe
hellblaue Bomberjacke Noé  
blauer Kugelschreiber Silja  
Dr. Bronners Bodylotion lostproperty kommt glaube ich ursprünglich von Ruben
grüne Cordjacke Silja  
Pulli (Schwalben) Mara  
Pulli (weiße Sprenkler) Ben  
Pulli (OceanCollege) Silja  
Pulli (Ocean College) Johannes den hat mir Angelina abgezogen
Pulli (schwarz) Phil  
rote Socken Angelina keine Ahnung warum ich die habe aber ich habe sie (es sind glaube ich sogar ihre Lieblingssocken)
T-Shirt Johannes  
Ob das der Pulli “Schwalben” von Mara ist?

P.S.: Thymian-Chips schmecken nicht. Ist mir so beim Schreiben dieses Tagesberichtes aufgefallen. (Ich hab mir welche von Johannes geklaut)

Schlafen mit Heeling

Autor: Ruben
Datum: 21. März 2020
Geografische Position: Kurs auf Lissabon
Position: 39°14.0 N 026°43.1W
Etmal: 103nm

Ruben auf dem Segelschiff bei wenig Heeling

Ich wache auf. Ich weiß, dass es irgendwann zwischen 0:00 und 04:00 ist – Ben, der im Nachbarbett seine Ruhe finden sollte, ist auf Wache.

Während ich versuche, meinen Schlaf wiederzufinden und meine Gedanken zu sortieren, höre ich, wie die Wellen gegen die Bordwand schlagen und nach oben in einer weißen Fontäne über das Deck prasseln.

Ich schlafe wieder. Nach ein paar Stunden reisst es mich erneut aus meiner Ruhe – Ben ist wieder da und das Heeling hat sich verdoppelt.

Wundervoll! Ja!! Großartig!

Das Heeling ist mal wieder an einem Punkt angekommen, an dem es verdammt schwer fällt zu schlafen und horizontales Liegen ein Traum weit entfernter Vergangenheit ist.

Je mehr Heeling es hat, desto schwerer ist es, eine angenehme Position zum Schlafen zu finden.

Lösungsansätze bei Heeling

Es gibt verschiedene Lösungsansätze: Manche stapeln haufenweise Kleidung unter der einen Seite ihres Bettes, um auch nur im Ansatz gerade liegen zu können.

Das erweist sich jedoch sehr risikoreich, man bedenke die Gefahr des Tackens. Andere versuchen in einer halben Sitzposition zu schlafen, was ein interessanter Ansatz ist, aber nichts für mich – ich will, dass mein Rücken liegt.

Deswegen presse ich meine Füße 50 cm über der Matratze gegen die Wand. Ist zwar nervig, aber wenigstens rutscht man nicht quer durch die Gegend.

Der neue Plan

Da wir jetzt sofort weiterfahren und v.a. nicht nach Bordeaux, haben wir ein komplett neues abgespacetes Watchsystem.

Statt den normalen drei Watches gibt es jetzt plötzlich vier.

Die neue Watch hat die Farbe grün, um es aber ja nicht einfach zu machen erhält sie nicht den Namen “Grün”, sondern “Forward Starbord”.

Auch die anderen Watches haben plötzlich ihre Namen geändert und heißen jetzt: “Forward Port”, “Aft Starbord” und “Aft Port”.

Als Erklärung: Das ist eine seemännische Tradition, Objekte anders zu nennen als das, was sie sind – man bedenke Heads, Bulkheads, Deckheads.

Jedenfalls haben diese vier Wachen jetzt immer hintereinander vier Stunden Wache, was bedeutet, dass wir z.B. 0:00-04:00 sowie 16:00-20:00 haben und am nächsten Tag dann nur eine Watch, in dem Bsp. 08:00-12:00. Verstanden?

Gut, nachdem das jetzt vier Tage lang laufen wird, beginnen die Handovers.

Eine nach der anderen hat jede Watch vier Tage Handover und die anderen drei übernehmen unser normales dreigliedriges Watchsystem.

Das wars. ( – Yeeessss! Nur noch einen Tagesbericht!)

Segel Schif

Heimweh mal 2

Datum: 20.03.2020
Autorin: Angelina
Position: Azoren, Horta
Geographische Position: 38°29.3N/28°42.8
Etmal: 48nm

Angelina ohne Heimweh

Heimweh

Sehnsucht. Ich möchte in mein Haus, zu meiner Familie. Geborgen und geschützt. Ich möchte auf den weiten Ozean mit meiner Familie. Aufregend und abenteuerlich. Geordneter Alltag, feste Pläne. Schwankendes Schiff, wechselnde Ziele. Wärmender Kamin. Funkelnder Sternenhimmel. Kuscheln mit dem Hund. Segeln mit den Delfinen. Hin und her, hin und her. Wo will ich hin? Wo will ich bleiben? Nach Hause, zwei Orte. Zur Familie, zwei Gruppen. Heimweh, zwei Gefühle.

Schülerinnen auf dem Schiff bei Ocean College
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Evolution der Freundschaft

,,Hallo, ich bin Carl!”, er streckte mir lächelnd die Hand entgegen, während ich nur komplett lost dastand und nicht wusste wohin mit mir. Das war beim Vorbereitungswochenende. Damit fing alles an.

,,Es ist einfach so traurig! Sie waren noch so jung und hatten doch Familie.” Silja, die für mich da nur das nette Mädchen aus der Schweiz war, und ich lagen uns schluchzend in den Armen, während wir Zwiebeln schnitten. Inzwischen stehen wir dabei mit Löffel im Mund und Taucherbrille auf der Nase in der Galley.

,,Cabin 10 Erfolgsliste” Auf der von Emily eingeführten Liste standen schnell einige Erfolge von ihr, Silja, Hannah und mir. Ob Monkey Certificate oder das Überleben einer Nachtwache oder auch, dass jemand acht Kugeln Eis in zwei Tagen gegessen hat.

,,Das schaffst du! Wir haben noch Cookies.” Als ich ziemlich am Ende mit meiner Kraft und meinen Nerven bei der Teidebesteigung war. Ich hab es nur dank der Unterstützung der anderen überlebt.

,,Last Christmas I gave you my heart…” Alle zusammen haben wir das Schiff dekoriert, Plätzchen gebacken, gesungen und Umarmungen verteilt. Ich habe Weihnachten mit meiner Familie gefeiert, auch wenn es nicht die biologische ist.

,,Willst du ein Stück?” Sternfrucht und Kokosnuss teilen auf Kens One World Farm.

,,Rolling down to old Maui, me boys…” Gemeinsame Shanty Nights oder spontanes Anstimmen und jeder singt mit. Wir sind mittlerweile dank Pete alle kleine Shantymen- und women.

,,Kann ich eine Umarmung?” Egal wo, egal wer. Umarmungen bekommt man hier an Bord immer. Die stehen ganz oben auf der Tagesordnung.

,,Ich hab Heimweh, aber ich will nicht zurück”, das ist der Satz, der für die meisten von uns die Gefühle sehr gut beschreibt.

Wir sind mittlerweile mehr als nur Freunde. Wir sind eine große Familie geworden und das Schiff ist unser Zuhause.

Schülerinnen auf dem Teide. Ohne Heimweh