Ocean College

Reiseblog 17/18

Mein letzter Tagesbericht

Autorin: Tobias B.
Position: Nordatlantik
(41°51,8‘ N 17°07,0‘ W)

Ganz nach der seit 24 Stunden eingeführten Tradition des mitternächtlichen Partyfeierns, befand ich mich um 00:00 Uhr in meinem Zimmer mit Mona und Nico. Wir lagen in unseren Betten, beschallten den Raum mit bestens ausgewählter Musik, wie zum Beispiel „Space cats“, einem eine Minute langen Lied aus Katzengeräuschen (perfekt für diese Stimmung!) und klopften und tanzten dazu, soweit wir das im Liegen tun konnten. Anschließend diskutierten wir noch über ein außergewöhnliches Gesprächsthema: Albträume und was sie bedeuten könnten. Als uns die guten Lieder ausgingen, nahm uns der Schlaf mit in seine Welt, außer mich, der noch eine Dokumentation über das kürzlich befahrene Bermudadreieck und seine Gefahren anschaut. Mittlerweile hat sich auch Finn schlafengelegt und so versinke ich in meine Träume. Es war inzwischen in etwa gegen 02:00 Uhr morgens.

Mein Plan, heute mal nicht das Frühstück zu verpassen und noch eine zusätzliche Stunde Referat vorzubereiten, ging nicht ganz auf, als der Wecker mich mit seiner Apple-Alarmsirene um, warte, so in etwa 08:30, weckte. Nein! Volle acht Stunden Schlaf, bis mich Elena zum D&D-Spielen (eine kleine Beschreibung befindet sich unten) wachrüttelte. In den zwei Stunden Pen and Paper Roleplay Game erkunden wir die neue Stadt, zu der wir seit der letzten Runde gewandert sind und lernten zwei neue Wirte kennen, die mal wieder, wie in jedem Teil von Ottos Geschichte, etwas seltsam wirkten und garantiert neue Fragen aufwerfen werden.

Schließlich wurde es Zeit, zur Wache zu gehen. Auf dem Hinweg direkt bei der Küche das Essen nicht vergessen (die Wache bekommt es als erstes, weil sie meistens noch beschäftigt ist und sich nicht in der Schlange einreihen kann)! Schnell vergingen vier Stunden, mitunter beim Toilettenputzen, Spaghetti mit Tomaten-Rühreisoße genießen, Musik hören, und so weiter. Bis zum Abendessen schlummerte ich noch für weitere zwei Stunden vor mich hin. Danke an denjenigen, der auf die Idee mit dem „Kein Unterricht und Hausaufgaben mehr, ihr dürft ausschlafen!“ gekommen ist. Nach einer frischen Dusche, die leider nur alle vier Tage erlaubt ist, und ein paar belegte Brote später, saß ich plötzlich in einem Schüler-Lehrer Kreis, der „Wer bin ich?“ spielte (jeder klebt einem anderen einen Zettel mit dem Namen einer berühmten Persönlichkeit auf die Stirn und reihum darf man solange Ja-Nein-Fragen stellen, bis eine Frage mit Nein beantwortet wird. Ziel ist es, seine Person herauszufinden) und ausgerechnet ich bekam Prinzessin Lillifee auf die Stirn. Nach dem Motto „erst der Spaß, dann die Arbeit“ setzte ich mich nun an mein Referat über Phytoplankton, das nun schon seit Tagen meine Freizeit auffrisst, um ein wenig mehr zu verstehen, warum Kohlenstoffdioxid so gut im Wasser löslich ist. Gegen 23:00 Uhr, nachdem meine Freunde zudem noch „Stadt, Land, Fluss“ mit mir gespielt haben, ging der Abend langsam dem Ende zu. Aber warte! Tradition muss sein: Die abendliche Musikparty ging wieder los und diesmal trat uns noch Elena bei. So verlief es bis zu dem Ende, bis zu dem jetzigen Punkt, an dem ich meinen letzten Bericht schreiben darf, schade!

Hier ist jetzt die Beschreibung von D&D (Dungeons and dragons):
Es ist ein Rollenspiel, das ähnlich wie ein Abenteuerspiel am Computer abläuft, also man ist in einer Welt gelandet (in diesem Fall wird sie vom „Gamemaster“ erfunden und beschrieben) und muss Entscheidungen machen, was genau der Charakter in dieser Welt tun soll. Es gilt Kämpfe zu bestreiten, Alltagssituationen zu meistern und Rätsel zu lösen. Anstatt, dass alles elektronisch abläuft, stellt sich jeder diese Welt und alle Geschehnisse im eigenen Kopf vor. Jeder stellt sich am Anfang einen Charakter mit bestimmten Statistiken zusammen und spielt ihn so real wie möglich (ich spiele zurzeit einen Zwerg, der zwar stark, aber auch dick, dumm und uncharmant ist). Das Ziel des Spiels kann die Gruppe selbst bestimmen (bei uns besteht die Auswahl zum Beispiel daraus den Grabplünderer zu finden und deren Gründe, oder den weißen König zu stürzen).
Es ist wirklich empfehlenswert und eine der besten Alternativen für Computerspiele, wenn man trotzdem nicht auf epische Abenteuer und Spaß ohne Ende verzichten möchte!

Ich möchte jeden grüßen, der diesen Tagesbericht liest und vor allem meine Familie und Freunde, die mich bald eh wieder sehen werden. Ich bin gleich da!!

Euer Tobias B.

Poseidons Tag des jüngsten Gerichts

Autor: Leon
Position: Nord Atlantik
(41°05,90 N 19°35,37 W)

Meine Nacht verlief ziemlich schlaflos, denn gefühlt alle zehn Minuten flog irgendetwas lautstark durch die Gegend. Mein Gehirn fühlte sich an wie ein Stück Butter in der heißen Pfanne, während man auf seiner nassgeschwitzten Matratze hin und her glitscht. Mein Kopf versuchte vergebens ein Muster in all diesem Auf und Ab zu finden, um es dem Magen etwas leichter zu machen.
Charlotte weckte mich aus meinem Schlaf, ich musste mich für die Wache bereit machen.
Sie selbst war klatschnass und erzählte mir, dass sie und Nora einmal übers Mitteldeck gespült worden wären. Ich zog mir mein Ölzeug an und lieh mir Nils Segelstiefel aus, da diese schön warm halten.

Oben in der Messe bestaunte ich das Chaos, das die Wellen der Nacht angerichtet hatten. Das Frühstück schien fast unberührt, denn abgesehen vom Küchendienst und der anderen Wache war niemand wach. Ich tat einen Schritt durch das Stahlschott an Backbord ins Freie. Wind, Gischt und schlechte Laune machten sich in meinem Gesicht breit. Die Wellen waren monströs, nahezu beängstigend. Wie riesige Monster, die sich gegenseitig überwanden und drohten, Mensch und Material gleichermaßen zu verschlingen. Hendrik, unser Offizier, schätzte die Wellen auf acht Meter Höhe. Es ist schon etwas unheimlich, eine Wasserwand anrollen zu sehen, die höher liegt als die Brücke. Während Emil und Dominik am Steuer gegen die Wellen kämpften, war ich mit navigatorischen Aufgaben beschäftigt, dies ist allerdings nicht so einfach, wenn alles durch die Gegend rutscht. Unter anderem kümmerte ich mich um Mika und Merle, die seit der Abfahrt quasi nur noch über der Reling hängen. Das Mitteldeck ist durchgehend überflutet und die Wellen reichen teilweise auf das Achterdeck.

Als ich nach einem Rundgang am Unterdeck wieder nach oben wollte und etwas unvorsichtig war, bezahlte ich meine Unachtsamkeit teuer. Ich öffnete das Schott und da ich abgelenkt war, sah ich das acht Meter Monstrum nicht. Als ich dann sah, was sich da vor mir aufbäumte, war es schon zu spät. Die Welle brach. Im nächsten Moment war ich unter Wasser und wurde gegen das Steuerhaus gepresst. Ich hoffte in diesem Moment bloß noch, dass dieser Hüftgurt mich an Deck hält. So schnell wie das Wasser kam, ging es dann auch wieder. Ich fand mich halb benommen und klatschnass am Rande der Reling wieder. Nach meiner Wache hatte ich die Schnauze voll, ich zog mich um und verkroch mich zu Mika und Charlotte ins Zimmer, wo ich in guter Gesellschaft den Rest des Tages verbrachte.

Ich grüße alle Familien zuhause.
Wir alle fiebern dem Tag entgegen, an dem wir wieder in euren Armen liegen.

Ganz besonders grüße ich May:
Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht alle an dich denken und bedauern, dass du nicht mehr da bist. Wir freuen uns alle tierisch auf dich und hoffen du schlägst dich zu Hause gut durch.

Grüße an meine Familie und Freunde:
Ich grüße Opa Adolf, Oma Gunda, Oma Bäzner, Vadda, Mudda, Christian, Carolin, Akira, Leon, John (Kevin und den Rest der Zockergang) und Familie Voht.

Euer Leon

Jungs mit erhöhtem Testosteronspiegel, Wellengang und Segelreffen mit Komplikationen

Autor: Bastian
Position: Nordatlantik
(39° 55,46 N 23° 29,56 W)

Hallo zusammen,

seitdem wir keinen offiziellen Pflichtunterricht mehr haben, sind alle im Entspannt-Modus. So auch ich. Ich bin also heute um kurz vor 13:00 aufgestanden und habe mich, noch etwas verschlafen, nach oben begeben. Dort wurde ich von Finn mit den Worten: Morgen, du bist ungefähr der zehnte der bis jetzt aufgestanden ist, empfangen. Kurz danach klingelte es zum Mittagessen. Heute stand Chilli con Carne auf der Speisekarte. Zum Mittagessen waren dann auch einige mehr anwesend.

Nach dem Mittagessen beschloss ich, mich Ceasar und seinem berühmten Bellum Gallicum zu widmen und ein wenig Latein zu übersetzen. Gegen 16:00 Uhr wurde ich dann leider vom 16:00 Snack beim Übersetzen gestört und so sehr ich auch den Satz übersetzen wollte, hielt mich der gute Duft von Mandel-Honig-Kuchen davon ab. Der Kuchen hat übrigens sehr lecker geschmeckt und es gab sogar Sahne dazu! Von der Sahne gab es sogar so viel, dass man sich noch etwas nachnehmen konnte. Also machte ich mir eine Schüssel mit Schlagobers (als Halbbayer kann man das schon mal sagen), einigen restlichen Mandeln sowie den paar letzten Kuchenkrümeln und verspeiste dies gemeinsam mit dem Küchendienst und Lotte in der Küche. Nebenbei reichte ich auch noch Paula eine Portion durchs Fenster hoch. Nachdem die erste Portion aufgegessen war, machte ich mir noch eine und begab mich damit hoch aufs Achterdeck. Da uns hier allen ein wenig Bewegung fehlt und dadurch die meisten Jungs einen erhöhten Testosteronspiegel haben, rauften Karl und Win auf dem Achterdeck. Um die drei Musketiere komplett zu machen, habe ich mich, auf Kathrins Anweisung hin, auch noch draufgeschmissen. Nach der Wachübergabe um 17:00 Uhr, zu der ich mich auch noch draußen befand, mussten alle, die sich gerade an Deck befanden mitkommen, um die Segel zu reffen. Wir fingen damit an, den Schoner ein wenig herunterzulassen, damit unsere Crew mit Gurten gesichert auf den Baum des Segels klettern und die Segel reffen konnte. Beim Reffen wird der untere Teil der Segel am Baum festgemacht, damit bei stärkeren Windstärken (die wir erwarten) ein wenig Druck rausgenommen wird und so das Reißen zu verhindern.
Immer wieder überschwemmten Wellen das Deck, wir bekamen unfreiwillige Duschen, unsere Füße wurden nass und wir rutschten wie mit Schlittschuhen über die eisglatte Holzoberfläche. Plötzlich brach ein Nagel, was dazu führte, dass die Gaffel ausschlug und Jonas mitriss, der sich noch auf dem Segel befand. Er hing kurz über der Reling und wir konnten von Glück reden, dass er mit einem Gurt gesichert war und deshalb nur über Bord hing. Blitzschnell spurtete ich mit Win zu ihm und wir halfen Jonas, sich wieder an Bord zu hieven. Zeitgleich machte auch Chantal nähere Bekanntschaft mit dem Wasser, da sie das Ganze vom Achterdeck aus beobachtet hatte und dazu eilen wollte. Als sie die Treppe runter spurtete, wurde sie von einer Welle überspült. Da die Welle etwas größer war, kam sie klitschnass wieder heraus. Während sie reinging, um sich etwas Trockenes anzuziehen, begaben wir uns aufs Achterdeck, um das Gleiche nun auch mit dem Großsegel zu machen. Als wir damit fertig waren, begab ich mich rein, um meinen längst überfälligen Toilettengang zu tätigen und konnte sogar die frischgeputzte Herrentoilette benutzen. Danach beschloss ich, mich bis zum Abendessen hinzulegen. Nach dem Abendessen fing ich an, den heutigen Tagesbericht zu schreiben und eigentlich habe ich jetzt Wache, doch Otto, mein supercooler Deutschlehrer, hat mir freundlicherweise angeboten, solange zu übernehmen, bis ich fertig bin. Um meine Wache erfolgreich überstehen zu können, war ich auf dem Klo, als ich draußen auf dem Gang hörte wie jemand von seinem Erbrochenen befreit werde musste. Ein sehr gutes Feature dazu ist der Gestank von salzigem Verdauten, das aus Kidneybohnen, Mais, Tomatensoße und Ananas besteht, das aus den oberen Toiletten kommt. Probs an den Küchendienst heute. Das Chilli war zwar geil, aber im Nachhinein nicht die beste Idee.

Mit einem HupHup zu Leon gehe ich jetzt hoch in meine super tolle und angenehme Wache, während ich dabei an meine Familie in Meckenheim (kennt zwar kein Schwein, liegt aber doch in Deutschland) denke. Und auch liebe Grüße an Oma und Opa!

Euer Basti
Ft. Hannah