Ocean College

Reiseblog 17/18

Es ist neblig, ich bin müde und wir sehen nichts anderes als weiß

Autor: Simon
Position: (50°20,4 N 0°23,3 W)

Ich bin heute völlig müde aufgestanden und habe erst noch was von den letzten fünf Minuten von dem Frühstück genossen. Kurz darauf machte ich mich an meine Bio-Sachen, die ich noch bis zum Ende der Reise fertig machen musste. Das habe ich nun endlich geschafft und kann mich in nächster Zeit auf andere Dinge konzentrieren. Danach habe ich mich noch ein bisschen ausgeruht, um dann mit neuer Energie zu meiner Wache von 13:00-17:00 Uhr gehen zu können. Der Grund, wieso ich so müde war, war dass ich von 01:00-05:00 Uhr Wache hatte und danach nicht viel schlafen konnte. Gegen Nachmittag haben Tobi B. und Lisa ihre Referate gehalten. Leider konnte ich den beiden nicht zuhören, da ich in meiner Rolle als Steuermann die Brücke bewacht habe, deswegen hoffe ich, dass ich nicht zu viel verpasst habe. In meiner Wache, die ich bei der gerade laufenden Schiffsübergabe als Steuermann mitlaufe, gab es für meine Tagwache nicht viel zu tun, aber dafür in der Nacht umso mehr. Da wir uns in einer Verkehrssteuerungszone befanden, waren wir im Nebel mit vielen anderen Schiffen beschäftigt und sahen diese oftmals gar nicht, selbst wenn diese nur 5 SM von uns entfernt waren. Das machte die Sache nur noch anspruchsvoller, trotzdem würde ich darauf verzichten können, die ganze Zeit im Nebel nur ins Weiße zu schauen. Nach meiner Wache habe ich dann noch einen Brief geschrieben an eine Person an Bord. Danach gab es Abendessen, was fast schon wieder zu Ende war. Da ich auch wieder Nachtwache morgen haben werde und nicht so müde, wie ich heute war sein wollte, ging ich danach schlafen.

Euer Simon

Putzen und Ankündigung der letzten Schiffsübergabe

Autorin: Nora
Position: vor der Küste Nordfrankreichs
(49°45,17 N, 02°57,56 W)

Die letzte Schiffsübergabe wird verkündet und wir sind bald wieder zu Hause!

Mein Tag begann, wie jeden Tag seid den Azoren, um ca. 04:45 Uhr morgens. Die vorherige Wache rief in meine Kabine rein, um mich damit zu wecken. Leider bin ich bis um kurz vor fünf wieder eingeschlafen, obwohl ich extra vorher das Licht über meinem Bett angemacht hatte und musste mich deshalb sehr beeilen. Ich kam zusammen mit Alisa ein bisschen zu spät, weil sie ebenfalls verschlafen hatte. Die ersten 75 Minuten mussten wir dann alle nicht steuern, weil der Autopilot an war. Wir befanden uns nämlich gerade in einer Schifffahrtsstraße, in der man nicht weit vom Kurs abweichen darf. Eigentlich wäre ich heute mit Brotbacken dran gewesen. Wir hatten aber noch sehr viele Brote da, weil neuerdings nur noch sehr wenige Leute zum Frühstück kommen (die meisten schlafen jetzt immer aus). Wir hatte heute also echt wenig zu tun und es wurde eine entspannte Wache mit Sonnenschein, wenig Wellengang und nur einer halben Stunde steuern pro Person! Das war ein schöner Abschluss meiner zweiten Bravo-Zeit mit Charlotte, Simon, Alisa und Lucas, denn morgen früh um voraussichtlich drei Uhr, wenn wir 300 sm vor IJmuiden sind, wird die letzte Schiffsübergabe starten.

Nach der Wache ging ich in die Messe, in der außer dem Küchendienst und mir nicht viel los war. Im Küchendienst waren heute Win, Mika und Paula, die heute nur eine Stunde geschlafen hatten und deshalb sehr übermüdet-hyperaktiv waren. Ich setzte mich also hinten auf die Bank und lernte für den SBF-See-Schein, für den wir alle schon seit Tagen immer lernen, wenn wir Zeit haben.

Nach einiger Zeit wurde geklingelt und es kamen alle nach und nach verschlafen von unten hoch. Der Putztag wurde angesagt und außerdem die Jobs für die Schiffsübergabe:
Win ist Kapitän geworden, Simon, Paula und Lisa sind erste Steuerleute, Alisa, Karl und Tobias B. sind zweite Steuerleute (Es gab dieses Mal keine Bewerbungen als Bootsmänner, weil wir keinen Wind mehr haben und deshalb sowieso nur noch unter Motor fahren werden. Als Bootsmann hätte man deshalb dieses Mal dann keine richtige Aufgabe gehabt). Dafür haben wir dieses Mal sogar drei Chantals zusätzlich zur richtigen. Es sind Lotte, Emma und Merle. Nico hat sich auch wieder etwas Besonderes ausgedacht: Er ist Johans Assistent. Köche gibt es dieses Mal drei: Lucas, Matthias und Ben, deshalb werden sie auch nicht weiter vom Küchendienst unterstützt.
Ich bin sehr gespannt, wie diese letzte Schiffsübergabe wird und bin besonders gespannt, was die Köche uns Schönes mit den letzten Vorräten zaubern.

Kurz nach der Ansage später habe ich dann mit Hannah H. begonnen, die Tapeten und den Boden im Gang zu putzen. Als wir damit fertig waren, haben wir gleich mit dem Boden im Saftlager weiter gemacht, wo ziemlich viel auf dem Boden rumlag. Um eine Pause einzulegen, gingen wir dann in die Messe zurück, wo das Essen fast fertig war. Nach dem Mittagessen (Wraps), das natürlich vom Küchendienst super vorbereitet wurde ;), haben wir den kleinen, unteren Gang auch noch geputzt. Um gleich mit dem Putzen weiter zu machen, haben wir auch gleich noch unsere Kabine aufgeräumt, die wir mit Elena und Wanda teilen. Das dauerte etwas, da von dem starken Seegang immer noch sehr viel auf dem Boden lag. Zwischendurch kam auch noch Paula vorbei und es wurde noch ganz lustig.

Irgendwann war ich fertig und ging mit Paula nach oben, um sie beim Küchendienst zu unterstützen. Dann wurde der neue Wachplan aufgehängt. Wir haben, wie bei der ersten Schiffsübergabe, alle wieder zwei Wachen pro Tag. Ich bin, wie schon seit Teneriffa, in der Bravo-Wache (05:00-09:00/ 17:00-21:00 Uhr), womit ich aber auch ganz zufrieden bin. Besonders toll finde ich, dass ich mit Wanda, Lotte, Paula, Emma und Hannah H. eingeteilt bin. Das ist ein toller Abschluss, da es ja die LETZTE Wache der Reise ist.

Nach dem Abendessen war mal wieder Versteigerung. Wir mussten aber nichts mehr bezahlen und haben die Sachen einfach nur verteilt, weil wir alle nicht mehr genug Geld auf der Bank haben.

Danach habe ich gleich mit dem Tagesbericht angefangen. Es ist bald Wanda dazugekommen und wir haben uns unterhalten. Es war sehr schön. Zwischendurch sind auch kurz jeweils Mika und Johan gekommen. Wanda hat mir auch ihren Roman weitervorgelesen, den ich sehr gut finde und an dem sie zurzeit schreibt.

Ich hoffe, dass ich bald schlafen gehen kann, weil ich morgen um 05:00 wieder an Deck sein muss.

So geht auch mein letzter Tagesbericht zu Ende und somit kommen auch meine letzten Grüße nach Hause:
Viele Grüße nach Hause an meine Familie und Freunde!!! Ich freue mich schon sehr auf euch!!! Es ist kaum zu glauben, dass wir schon in weniger als einer Woche ankommen. Die Zeit an Bord ist so schnell vergangen und wir haben so viel erlebt! Es war eine tolle Zeit mit tollen Leuten, die ich zu Hause wirklich sehr vermissen werde! Wie bei eigentlich fast allen ist unsere Ankunft also auch bei mir mit Freude auf die Leute und das Leben zu Hause und dem Gedanken verbunden, dass wir diese Reise nie wieder erleben und alle Leute, die man lieb gewonnen hat, sehr viel seltener sieht. Denn wann sieht man sich öfter, als wenn man 24 Stunden, sieben Tage die Woche zusammen auf einem Segelschiff lebt? Aber auch neue Seiten meines Lebens zu Hause werde ich zu schätzten wissen: Einfach mal Stille und seine Ruhe haben, immer in den Supermarkt gehen zu können und einfach zu kaufen, worauf man Lust hat, sich frei in einem etwas größeren Gebiet, als dem Schiff bewegen zu können und vieles mehr! Also alles Liebe nach Hause und bis BALD!

Eure Nora

Die letzten lustigen Tage an Bord

Autor: Emil
Position: Ärmelkanal
(46° 27,7 N 09° 19,8 W)

Mein Tag begann heute um 6:00 Uhr in der Früh, als Lucas mich aufweckte und sagte: „ Könntet ihr bitte zum Schoner setzten kommen?“ Wir bejahten dies, sind aber trotzdem alle liegen geblieben, bis dann zwei Minuten später Wessel erbost nach unten brüllte: „Es ist mir scheiß egal, wie weich eure Betten sind, ihr kommt jetzt hoch, Schoner setzen“.
Als wir mit dem Segelsetzten fertig waren, sind wir alle in unsere noch warmen Betten gestratzt und ich habe noch zwei Stunden Schlaf in meinem schönen, weichen Bett abgestaubt. Nach besagten zwei Stunden wurde ich von Chantal mit den Worten: „Win und du, ihr müsst ins Steuerhaus zu Martin kommen…irgendwas wegen des Maschinenraums…“ geweckt.
Im Steuerhaus angekommen sagte Martin: „Jungs, habt ihr schon gefrühstückt?“. Als wir dies verneinten, schickte er uns nach unten, um etwas zu essen. Nach dem Frühstück gab uns Martin ein kurzes Briefing, indem er uns erklärte, dass wir bei der Hauptmaschine einen Ölwechsel machen werden. Wir waren dann erstmal zwei Stunden mit eben diesem Ölwechsel beschäftigt.

Danach kamen wir aus der Maschinenkammer und ich war sehr verwundert, als ich Merle am Steuer sah, da sie Teil meiner Wache ist und ich vollkommen vergessen hatte, dass ich eigentlich schon die ganze Zeit Wache hatte. Die Wache hat sich dann prächtig entwickelt, da Dominik sich entschlossen hatte, für mich und Leon zu steuern. Dies ermöglichte es uns, mit Hendrik über Gott und die Welt zu reden. Wenig später gab es ein sehr leckeres Essen, welches aus Reis mit Hack und Kohl bestand. So ging die Wache sehr schnell vorüber und anschließend schrieb ich meine Bewerbung als Steuermann für die letzte Schiffsübergabe. Um sicherzugehen, dass alles in Ordnung war, ging ich zu Merle und Hannah W. und ließ sie drüber lesen. Dort blieb ich noch eine Weile hängen, bis ich mich dazu aufraffte, einen Anschlag auf Win mit unseren, auf den Bermudas gekauften, Nervs (Spielzeugpistolen) zu verüben.
Nachdem wir uns dann eine gewisse Zeit beschossen hatten, waren wir dazu gezwungen, aufzuhören, da uns unsere Zimmergenossen damit drohten, unsere Pfeile zu zerreißen, wenn wir nicht endlich Schluss machen würden.

Anschließend machte ich noch ein kleines Nickerchen, bis zum Abendessen geklingelt wurde. Es gab zur Abwechslung mal etwas wirklich Leckeres, welches sich als gefüllte Teigtaschen herausstellte. Diese aß ich in der Messe und anschließend kamen ein paar Leute auf die Idee Mehl, oder, wie in Leons speziellem Fall Salz, zu schnupfen. So zogen Win, Karl, Leon und ich eine kleine Line.

Anschließend ging ich zur gerade amtierenden Wache und unterhielt mich mit allen im Steuerhaus. Irgendwann bin ich dann zu Lotte und Paula gegangen, um den gestern angefangenen Film zu beenden. Anschließend ist noch Win dazu gekommen und wir schauten Death Pool.
Als der Film zu Ende war, haben Paula, Lotte und ich uns entschlossen, die Nacht durchzumachen, weil es Lottes letzte Nachtwache war. In der Wache bin einmal mit Emma, Kathrin, Lotte und Paula nach unten gegangen, um mich aufzuwärmen. Dies stellte sich jedoch als drastischer Fehler heraus, da ich einschlief. Netterweise wurde ich in dieser hilflosen Situation angemalt und mit Wasser übergossen…
Nach diesem, zu dieser Zeit schon sehr belastendem, Ereignis, verabschiedete ich mich, um endlich meinen wohl verdienten Schlaf zu finden.

Euer Emil