Ocean College

Reiseblog 17/18

Putztage können so schön sein

Autor: Nicolas Frank

Position: Vigo, Spanien

(42° 13,8 N 08°, 51,4 W)

Liebes Tagebuch,

heute war ein sehr, naja sagen wir mal, interessanter Tag.

Er begann tatsächlich nicht so gut! Unausgeschlafen wurde ich um 06:00 für den Küchendienst geweckt. Aber schlau wie ich bin, habe ich, während die anderen dann gegessen haben, weiter geschlafen und wurde erst wieder fürs Abspülen geweckt.

Nach der Ankunft in Vigo wurde dann verkündet, dass wir den großen Putztag heute machen, da wir es am Sonntag „vergessen“ hatten. Für die Aufgabenverteilung wurden Spielkarten verteilt und die jeweiligen Karten hatten verschiedene Aufgaben, die zu erfüllen waren. Außerdem durfte die Person, die den Joker zieht, nichts machen. Wie es sich herausstellte, hatten die Götter meine Gebete erhört und ich durfte der Glückliche sein, der den anderen beim Arbeiten zusehen durfte.

Als Stärkung gab es dann für zwischendurch selbstgemachtes Rosinenbrot und zum Mittagessen hat sich jeder selber Stullen gemacht. Glücklicherweise geht es Erlin (unserem Koch), der sich den Arm ausgerenkt hatte, wieder gut und er ist aus dem Krankenhaus zurück.

Da die anderen mit ihrer Arbeit immer noch nicht fertig waren, beschloss ich Fotos von ihnen zu machen, an denen ich mich noch später erfreuen kann.

Im Laufe des Tages haben wir einen weiteren Rekord aufgestellt. Leider schon wieder keinen positiven! Insgesamt sind wir heute bislang bei neun Besprechungen, ich denke aber, dass die zehnte nicht lange auf sich warten lässt. Ich denke, dass wir nach der Reise auf jeden Fall putzen können…

Geplant war eigentlich um 17:00 zu essen, tatsächlich wurde es dann 19:30. Kein Wunder, da die Ansagen von Martin natürlich auch ihre Zeit kosten.

Aber das Essen war heute für Martin zufriedenstellend, auch wenn er davon das meiste selber gemacht hat. Es gab Rippchen mit Kartoffelgratin und dazu Salat. Das Salatdressing haben Mona und ich mehr oder weniger zufällig zusammen gemischt. Hat lustigerweise trotzdem geschmeckt. Und wer hätte es gedacht? Noch während ich das hier schreibe wurde die zehnte und hoffentlich letzte Besprechung einberufen. Ich habe nach jedem einzelnen Mal das Gefühl, Martin hat auch ein bisschen Spaß daran Ansagen zu machen, aber zum Glück bin ich das schon von meinen Brüdern gewohnt.

Alles in allem war es ein erfolgreicher Tag und hoffentlich bleibt das Schiff länger sauber als nur zwei Tage.

Mit zwei Stunden Verspätung haben wir jetzt doch noch ein paar Stunden Landgang. Das war es also für heute von mir.

Bis morgen!

Euer Nicolas

Wir naehern uns Spanien an

Autor: Emil Engler
Position: Nord West Spanien
(43° 36,33 N 09° 054,5W 22:06)

Der Tag fing für meine Charlie-Wache gut an, da wir am Anfang der Wache noch einen großartigen Sternenhimmel zu Gesicht bekamen, der sich dann langsam aber sicher in den bisher schönsten Sonnenaufgang verwandelte. So schön der Sonnenaufgang auch war, hat es trotzdem genervt, dass wir eine halbe Stunde auf die Wachablösung der Delta-Wache warten mussten.

Trotz des Wellenganges werden die Flecken auf der Reling von Tag zu Tag weniger. Meine eingeschlossen. Ich denke, dass das aber größtenteils auf die so genannten “Torpedos” zurückzuführen ist, die wir gegen die Seekrankheit bekommen haben.
Unser Mikroplastikprojekt mit Rüdiger hat heute stattgefunden, obwohl er auch stark von der Seekrankheit betroffen ist. Wir haben wieder Wasserproben genommen und danach noch fleißig mit der Vakuumpumpe experimentiert.

Es gab erneut eine Ansage von Martin zu den Toiletten, die ich hier jetzt nicht näher ausführen möchte. Nur so viel: einige müssen echt noch viel lernen!
Wir halten derzeit auf Spanien zu, da unser Koch Erlin sich den Arm ausgekugelt hat und wir ihn dort ins Krankenhaus bringen. Alle packen mit an und versuchen unseren Koch so gut es geht zu ersetzen. Martin hat heute Chili gemacht und einige Freiwillige haben zwölf Brote gebacken.
Und just in diesem Moment wo ich darüber schreibe, gibt es Tomatensuppe mit Brot. Und dazu noch einige Delfine, die uns begleiten. Es könnte alles schlimmer sein, zumal das Wetter heute den ganzen Tag einfach perfekt war.

Wir werden jetzt doch nicht nach Finisterre fahren, sondern nach Vigo, weil es dort ein grosses Krankenhaus gibt. Wir werden dort einige Tage bleiben, um auch auf den richtigen Wind zu warten, der uns nach Teneriffa bringen soll. Immerhin kommt Marta, unsere Lehrerin für die Sprachen, gebürtig aus Vigo und so sollte es mit einem kleinen Landprogramm dort kein Problem sein.

Und Win hat heute noch pünktlich von Martin seine letzte Impfung bekommen, damit sind wir jetzt wohl alle durch. Und schliesslich wurde heute auch die Trainingsgruppe “Sonnenschein” erstmals an Bord eröffnet, weil es das Wetter jetzt zulässt. Bastian, Nils, Karl und Hannah W. machten mit Johan einen kleinen Kraftzirkel an Deck, bestehend aus diversen Übungen mit dem eigenen Körpergewicht.

Der heutige Bericht fällt leider ein bisschen kurz aus, weil ich jetzt zur Wache muss. Da ich über die Verspätung der Delta-Wache gesprochen habe, möchte ich jetzt definitiv nicht zu spät kommen…

Euer Emil

Day 2 on the Biscay

Autor: Nora
Position: Biskaya
(45° 45,524 N 06°51,296W)

Noch ein welliger Tag mit vielen Seekranken!

Heute ist der zweite Tag in der Biskaya. Es sind immer noch sehr hohe Wellen, wodurch das Schiff ganz schön schwankt. Beim Schlafen ist das noch auszuhalten, aber sobald ich aufstehe geht es mit der Seekrankheit wieder los.

An Frühstück ist bei mir deshalb nicht zu denken und es geht erstmal zum Brechen an die Reling. Draußen hält sich die Übelkeit in Grenzen, deshalb ist der Wachdienst bis auf Kälte, Wind und Regen gut. Jetzt beim Schreiben dieses Textes in der Messe wird mir wieder schlecht und es geht wieder an die Reling, wo ich dann auch gleich nach dem Spucken von einer Welle überspült worden bin. Deshalb heute auch nur dieser kurze Text.

Sehr bemerkenswert ist es aber, dass jeder, der nicht seekrank ist, den Kranken hilft und mit Essen, warmer Kleidung und aufbauenden Worten unterstützt. Morgen möchte ich auch zu dieser Gruppe gehören!

Außerdem müssen wir unseren anvisierten Kurs etwas ändern und in Finisterre (“Das Ende der Welt) halten, da unser Schiffskoch leider bei einer Welle gestürzt ist, sich den Arm ausgekugelt hat und wir einen Arzt aufsuchen müssen. Hoffentlich ist es nichts Schlimmes!

Ein Wort noch von der Projektleitung: Wir verschicken die Mails vom Schiff mit dem Programm “SailMail” und da werden die Mails nicht wie an Land sofort, sondern nur einmal am Tag versendet. Entsprechend kann es dann mit dem letzten Bericht immer etwas dauern. Aber ganz grundsätzlich gilt: Keine Nachrichten von uns sind eigentlich gute Nachrichten. Ich habe mir jetzt auf mein Telefon eine Satellitenverbindung legen lassen und wäre also in der Lage, sofort auch vom Schiff aus anzurufen, wenn etwas mit Ihrem Kind passieren würde wie jetzt etwa mit Erlin, dem Schiffskoch. Und falls er die Reise nicht weiter fortsetzen könnte, was natürlich bedauerlich wäre, plant Martin natürlich genau wie wir auch mit einem Backup und könnte einen neuen Koch einfliegen.
Und mit der Seekrankheit wird es jetzt ab Spanien auch besser werden, wenn wir die ersten Ausläufer vom Passat bekommen wie überhaupt das Schiff stabiler steht, wenn gesegelt wird. Heute sind wir den ganzen Tag direkt gegen den Wind anmotort und da rollt das Schiff dann nach allen Seiten und das kann wirklich unangenehm sein.

Eure Nora / Johan