Ocean College

Reiseblog 18/19

Von Highlight zu Highlight

Datum: 16.03.2019
Autor: Poldi
Position: Bermuda
Nautische Position: 32°17,51 N, 64°47,07 W
Etmal: 9557 nm

Heute wurde ich um 06:15 Uhr geweckt. Die Galley Duty ruft!
Da standen wir, Elisa, Helena und ich, nun etwas verdutzt in der Galley – wir alle haben die Galley Duty vergessen. Naja, Zeit zum Überlegen war eh nicht – das Frühstück musste vorbereitet werden!

Als wir gestern anlegten, hatte Justus sofort ein paar Laser (Einhandjollen) am Pier ausgemacht. Nach einigem Herumfragen und etwas Verhandlungsgeschick konnte er uns freudig mitteilen, dass wir Laser-Segeln gehen können.

Und dieses Angebot nahmen wir heute Vormittag an. Nach dem Frühstück und dem Zusammenkramen der Segelschuhe und Handschuhe ging es dann auch schon für Nick, Tati, Nils, Justus und mich los. Die Herausforderung war, dass unsere kombinierte Laser-Erfahrung in den letzten fünf Jahren vielleicht ein Dutzend Stunden betrug. Aber wir waren da sehr optimistisch, das ist ja nicht unser erstes Mal Segeln.

Also stürzten wir uns auf die uns zur Verfügung gestellten Laser und stellten fest: Doch alles gar nicht so kompliziert. Beim Aufbau stellten wir uns dann aber doch etwas blöd an (im Gegensatz zu unseren Nachbarn, die so aussahen, als verbringen sie die Hälfte ihres Lebens im Hafenbecken von Hamilton). Und dann konnte es auch schon losgehen, wir slippten die zwei Jollen and off we go. Wir wechselten uns aufgrund der mangelnden Anzahl der Laser ab, und somit segelte ich mit Nick und Nils mit Justus.

So, was könnte jetzt noch schiefgehen? Der Wind. Er legte sich. Na toll, das hieß dann wohl wildes Herumschlagen der Pinne zur Fortbewegung. Ein bisschen wurde unser Ego gekränkt, als ein Junge uns am Wasser zurief, ob das unser erstes Mal Segeln sei. Also so blöd stellten wir uns jetzt auch nicht an, worauf wir die Frage mit einem ,,No, we’ve crossed the Atlanic before“ verneinten.

Nach einer Stunde eher gemächlichen Segelns folgte die etwas brisante Übergabe des Lasers während der Fahrt nah an der Hafenmauer.
Aber wie das bei uns so ist: ein Highlight folgt auf das andere.
Und so kam auch schon direkt nach dem Segeln Tati auf mich zu, da die ,,Spirit of Bermuda“, das hiesige Segelschulschiff, im Hafen eingelaufen ist.
Dann ging es auch gleich an Bord der Spirit, wo wir eine Führung bekamen.

Doch dann musste ich schon wieder zurück auf die Pelican, ich hatte ja immer noch Galley Duty. Kaum an Bord angekommen, sprang unser Captain Chris von der neben uns liegenden Spirit of Bermuda über die Planke ins Wasser.

Das Alles fand im Rahmen des Pirate Day in Hamilton statt und nach dem Mittagessen hieß es auch für uns: In Schale werfen. Schminkzeug wurde herausgeholt und T-Shirts zerrissen und nach einigem Gebastle sahen wir alle wie Seeräuber*innen aus. Nebst Chris sind auch andere sogenannte ,,wichtige Personen“ für den guten Zweck über die Planke der Spirit gegangen. Währenddessen hatten wir ,,Open Ship“ und führten interessierte Besucher*innen an Bord der Pelican herum.

Nach dem Open Ship war dann Freizeit angesagt und Justus bewies uns wieder mal sein Organisationstalent. Nach einigem Hin und Her standen wir alle in Teamwear der Spirit of Bermuda da. Wir verbrachen die restlichen Stunden in Hamilton, bevor wir uns auf auf Rückweg für das Abendessen machten. Ganz vergessen, ich hatte ja immer noch Galley Duty.

Nach dem Abendessen kam Niki mit einem weiteren Highlight um die Ecke: ein Kinoabend war angesagt. Aber nein, kein Film auf einem kleinen Fernseher im überfüllten Saloon, sondern ein echtes Kino. Wir loggten uns noch schnell für eine Stunde ins Internet ein und danach ging es Richtung Town Hall, in welcher ein Filmfestival stattfand. Nachdem wir mittlerweile richtige ,,Berühmtheiten“ auf Bermuda sind, wurden wir kurzerhand vom Organisator des Filmfestivals eingeladen.

Den Film ,,The Green Book“ fanden wir alle sehr unterhaltsam und witzig, doch regt er auch zum Nachdenken an. Ich finde, er hat sich seine drei Oscars auf jeden Fall verdient.

So, ein weiterer ereignisreicher Tag neigte sich dem Ende zu und mittlerweile waren wir alle todmüde und fielen erschöpft ins Bett. Wir alle brauchten den Schlaf, bevor morgen wieder ein langer Tag voller unvergesslicher Erlebnisse wird.

P.S.: Irgendwann im Laufe des Tages kam ein Lastwagen voller Lebensmittel. Ich habe keine Ahnung, wann oder wie wir es geschafft haben, diesen auch noch auszuladen.

Viele Grüße an alle

Poldi

Discovering Bermuda

Date: 15.03.19
Author: Justus
Position: St. Georges and Hamilton, Bermuda
Nautical Position: 32°17.3N 64°47.2W
Etmal: 9532 nm

My morning started with a lovely sunrise at quarter past six, which I would’ve missed if I wouldn’t have been on galley duty today. While Elisa and Niki were already doing yoga on the pier, the first wave of sleepy students showed up in the mess room.

As soon as breakfast was over we did a quick deep clean. Afterwards, everybody gathered in a big circle on the pier so Niki could tell us about the plans for the day. Our first stop was the World Heritage Centre, due to St.Georges being a UNESCO World Heritage sight. After getting a short introduction into the history of St. Georges, we started our city tour.

The town, with its pretty looking pastel shaded houses and traditional white roofs, is very small so it only took us about 30 min until we reached the end of the tour. The next stop was an old unfinished cathedral. About that time of the day the sun started to come out. Because we saw the unfinished cathedral we also had to visit the finished one. St. Peter’s Church was actually finished for the first time in the 15th century and has been extended since then and is still in use.

At twelve o’clock we returned to the Pelican to have lunch and a refreshing swim in the freezing cold water of Bermuda before we left the harbour and sailed over to Hamilton. Again we had a great view of the coast side with all its little colorful houses. After three hours we arrived in Hamilton with all hands on deck dressed up with Pelican gear shouting our PELI ! CAN ! call and waving to everyone passing by.

Being alongside we already had some visitors coming aboard from the beautiful Royal Bermudian Yacht Club that was so kind giving us a birth on their pier. After dinner the already so well known search for WiFi, supermarkets and ice cream began as we were allowed to spend the rest of the evening ashore. Amazed by all the fancy restaurants, bars and jeweller’s shop stretching along the seaside, but at the same time shocked by the unbelievable high prices (400g of nuts for 25$) we returned to the ship at 10pm and spend some time on the bikini deck listening to music.

Somehow Basti and I thought it would be a good idea to start our new 500 pieces puzzle at 11pm. But it wasn’t. 5 hours later, at 4 o’clock in the night, we gave up and went to sleep.

P.S.: Liebe Familie, mit meinem letzten Tagesbericht rückt das Ende dieser unglaublichen Reise immer näher. Ich habe die letzten fünf Monate bestens genossen und genauso werde ich den letzten genießen. Ich freue mich euch darauf, euch alle bald wieder zusehen. Liebe Grüße, Justus

Musik

Datum: 14.03.2019
Autor: Felix
Position: Bermuda
Nautische Position: 32°22,74 N, 64°40,80 W
Etmal: 9504 nm

Wenn Sie, liebe Leser und Leserinnen, an Musik denken, dann denken Sie vielleicht an die neuesten Charts, Ihren Lieblingssänger oder Ihre Lieblingssängerin. Sie denken an die Töne von Instrumenten oder Stimmen, die im Zusammenhang eine Melodie oder vielleicht einen Beat ergeben. Ob Ihnen gefällt, was Sie hören, entscheiden allein Sie, es gibt keine schlechte Musik oder gute Musik. Es gibt nur Musik, die ihren Geschmack trifft und welche, die ihn nicht trifft, das hängt ganz allein von Ihrer Wahrnehmung, von Ihrem Geschmack ab.

Nun fragen Sie sich bestimmt, warum ich Ihnen das erzähle. So wie ein Lied aus vielen Tönen unterschiedlicher Höhe und Art besteht, besteht ein Moment aus vielen Eindrücken, Gefühlen und Wahrnehmungen. So fordere ich Sie auf, sich bewusst zu machen, was sie sehen. Schauen Sie von Ihrem Computer oder Ihrem Handy auf und schauen Sie sich um. Rufen Sie sich Erinnerungen und Gedanken zu den Gegenständen vor Ihnen ins Bewusstsein. Lassen Sie die Eindrücke auf sich einwirken und schon nehmen Sie den Moment bewusst war.

Ich will sie einmal darauf aufmerksam machen, dass sich der Moment, den Sie gerade erlebt haben nie wieder wiederholen wird. Es ist ein einzigartiger Moment, den Sie für sich erleben oder mit jemandem teilen. So erleben Sie, ich und alle Menschen auf dieser Welt jede Sekunde, Millisekunde, nein jede Nanosekunde neu. Also entdecken wir jeden Moment neu. Fühlen Sie sich als Entdecker*in dieses Momentes, fühlen Sie sich als Entdecker*in dieses Momentes, den Sie erlebt haben. Genießen Sie ihn und seine Einzigartigkeit.

Das versuchen wir auch hier an Bord: Jeden Moment genießen und für seine Einzigartigkeit bewundern. Auch wenn die Gedanken immer mal wieder in die Heimat schweifen, wir den kalten Wind verfluchen oder wir mit knurrendem Magen aufs Essen warten, wir versuchen jeden Moment zu genießen und bewusst wahrzunehmen.

In gewisser Weise lauschen wir der Symphonie der Reise und ab heute hören wir das Lied „Bermuda“.