Ocean College

Reiseblog 18/19

Landgang Wexford

Datum: 18.10.18

Autor: Felix

Position: Wexford

Nautische Position: 51‘51.786N 6‘28.993W


Liebes Tagebuch,

heute ist der zweite Tag unseres ungeplanten Aufenthalts in Rosslare, welchen wir nutzten, um einen Ausflug in die nahegelegene Stadt Wexford zu machen. Gerüstet mit Rucksäcken und liebevoll vorbereiteten Lunchpaketen trafen wir uns um „zero-eight-hundred“ (8 Uhr) auf dem Wetterdeck der Pelican und bestiegen unser teilweise recht wackeliges Schlauchboot. Nach einer für einige nassen Fahrt in den Hafen von Rosslare ging es weiter ist dem Bus nach Wexford. Den historischen Kern dieses 20.000-Seelen-Ortes erkundeten wir erst gemeinsam und dann in getrennten kleineren Gruppen. Die Regel ist, dass pro Gruppe mindestens drei Schüler_innen zusammen sein sollen. Meine Gruppe und ich schlenderten durch sehr schöne Straßen und Ecken von Wexford. Nebenbei machten wir letzte Besorgungen vor unserer Überfahrt nach Vigo. So landeten neben diversen Süßigkeiten und Keksen auch Dinge wie Handwärmer, Taschentücher oder auch Socken im Einkaufskorb.

Der gemütliche Aufenthalt in diesem irischen Städtchen endete mit einer problemlosen Rückfahrt zur Pelican, welche nun nicht mehr vor Anker lag, sondern im Hafen von Rosslare lag. Das Problem mit dem Netz konnte behoben werden! 🙂 Schon eine Stunde nach unserer Ankunft stachen wir wieder in See mit dem „all hands“-Kommando. Später haben wir die Pelican dann wieder nach Wachsystem gesteuert und Ausschau sowohl auf Back als auch auf Steuerbordseite übernommen. Meine Wache von 16 bis 20 Uhr war gefüllt mit dem Hissen des „Spankers“, des „Jibs“, des „Fore Staysail“ und des „Gaff Foresails“, die uns mit dem Wind in Richtung Vigo bringen sollen.

Für den Tagesbericht konnte ich mich nun kurz der Wache entziehen. Allerdings verpasse ich gerade womöglich Sterne und Delfine. Aber morgen ist ein neuer Tag zum Bewundern!


Fishingnets

Date: 17.10.18

Author: Nick

Position: near to Rosslare

Nautical Position: 52° 15.978’ N, 6° 20.015’ W

Etmal: 0



Dear Pelican of London,

Thank you for the great view we had today when we were climbing on your mizzen (mainmast) and the big red jellyfishes we saw. We also have to thank you for the first dolphins that some of us could see during their watch at night. We know that it was our job to look out for things that could hurt you but we couldn´t see the fisherbouy at night and in the end it wasn´t our fault that the fishingnet stopped you from moving. We really hope that the divers who release you from your pain will arrive soon so we can continue our journey with you to a warmer climate. For apologize we cleaned your out- and inside, we hope you feel a bit better now. While waiting, at least, some of us had some time to talk about school with our very kind and capable teachers and learn some more about sailing from our Bosun Sammo. He showed us the different parts of a sail based on a very tidy and detailed drawing.

Tomorrow we are going to make an excursion to Wexford, a small village near to Rosslare.

Felix will report about that tomorrow in german.



P.S.: Liebe Geburtstagsgrüße an Franzi!
Christin

Mexican puke oder Renés bester Geburtstag (ever)

Datum: 16.10.2018

Autorin: Ronja

Position: noch vor der Küste Irlands, auf dem Weg in die Biskaya

Nautische Position: 52° 15.978’ N, 6° 20.015’ W

Etmal: 80 NM


Ahoi! Gestern sind wir endlich in See gestochen (genau genommen sind wir ja vorgestern schon losgesegelt, haben die Nacht aber im Hafen verbracht, während es nun auf die Biskaya zugeht). Und obwohl die Wellen „nur“ um die 80 cm hoch waren, erwischte die meisten von uns die Seekrankheit. Das ist auch der Grund, warum der Tagesbericht einen Tag später erscheint – auch wenn ich nicht den Preis bekommen werde für die erste Person, die Fische füttert, gehörte auch ich zu den über der Reling Hängenden. Den armen René, der gestern Geburtstag feierte, erwischte es leider auch – weshalb mich viele aufforderten, meinen Tagesbericht doch bitte „Renés bester Geburtstag ever“ zu titulieren. Et voila! Nicht nur während meiner Wache von 16:00 bis 20:00 Uhr* stand ein Großteil der Schüler_innen, Mentor_innen und Lehrer_innen an der Reling, was unseren wachehabenden Offizier Michael (der Glückliche wird nie seekrank und ließ uns in regelmäßigen Abständen wissen, wie guuuut es ihm doch gehe) dazu veranlasste, von einem mexican puke zu spotten. Beim Verlassen des Hafens hatten wir an der Bordwand eine mexican wave (La-Ola-Welle) veranstaltet – jetzt also mehr oder weniger synchrones Übergeben. Naja, so schlecht man sich auch fühlt, stärkte der gestrige Tag jedoch definitiv unsere Gemeinschaft – wie prophezeit, stand man irgendwann neben den Leuten an der Reling, ohne sich stören zu lassen; die „Seefitten“ übernahmen freundlich jeden Gang, um Tee, Bananen oder Taschentücher zu bringen oder sprachen auch einfach nur aufmunternd zu den Seekranken.

Abgesehen von diesem unangenehmen Teil: Die Reise hat begonnen; was für ein unwirkliches und mit Aufregung erfüllendes Gefühl! Langsam schleicht sich auch wohl der Bordalltag an – jede Gelegenheit zum Schlafen und Essen wird genutzt. Ersteres funktioniert zu jeder Uhrzeit erstaunlich gut, da die Kabinen durch die stets geschlossenen Bullaugen dunkel sind und die frische Luft an Deck ihr übriges tut. Hoffentlich gewöhnen wir uns noch weiter an das Bordleben, sodass nicht jede freie Minute für Schlaf genutzt werden muss, sondern auch scheinbare Banalitäten wie duschen, Zähneputzen und Bett aufräumen, ganz zu schweigen von Freizeit und später Unterricht, Zeit finden!

Wer unseren Standpunkt via Vesselfinder verfolgt, hat vielleicht schon festgestellt, dass sich die Pelican nicht mehr bewegt. Stimmt! In der Frühe während meiner Wache haben wir den Anker ausgeworfen – in der Nacht sind wir durch ein Fischernetz gefahren, das wir nun hinter uns herziehen. Das ist nicht weiter besorgniserregend, aber die Crew möchte lieber auf Nummer sicher gehen und es entfernen, bevor es in die Biskaya geht. Nick wird im nachfolgenden Tagesbericht aber bestimmt mehr dazu erzählen J

* Die Red Watch hat immer von 8:00-12:00 und 20:00-24:00 Uhr Wache, die White Watch von 12:00-16:00 und 00:00-04:00 Uhr, und die Blue Watch, zu der ich gehöre (und die Beste ist, wie Michael zu sagen pflegt, da wir sowohl Auf- und Untergang der Sonne erleben und am nächsten an einem natürlichen Tagesablauf sind) von 16:00-20:00 sowie von 04:00-08:00 Uhr.