Ocean College

Reiseblog 18/19

Partyabend auf dem Nachbarschiff

Date: 09.11.2018
Autor: Helena
Position: Santa Cruz
Geografische Position: 28°27.8 N 16°14.6 W
Etmal: 0 NM (total: 1964 NM)

Mit Kartenspielen und einem Frühstück auf dem Deck in der Morgensonne sowie dem Blick auf die nebeligen, zackigen Berge von Teneriffa begann mein Tag. Ich hatte Hafenwache von 06:00 bis 08:00 Uhr mit Marcel und Penelope.

Zum Frühstück konnten wir heute, dank des späten Einkaufs gestern, endlich wieder das lang ersehnte Porridge essen.

Danach durften dreizehn von uns im Vormittagsunterricht von 08:00 bis 12:00 Uhr bei Peer über den 1. Weltkrieg lernen, während die andere Gruppe unter Deck das komplette Schiff putzte.

Nach dem Mittagessen besprachen wir alle in einem Meeting unsere Essproblematik. Es passiert nämlich tatsächlich sehr häufig, dass auf einmal Essen verschwindet, das noch verwertet werden sollte. So ist z.B. über letzte Nacht eine ganze Packung Schokomüsli leergeworden, auf die sich viele schon gefreut hatten.

Heute hat es erfreulicherweise sehr gut geklappt. Peer hat das Problem angesprochen, die Regeln, die das Essverhalten betreffen, nochmal erklärt und damit hatte sich das Thema erledigt.

Es könnte natürlich auch daran gelegen haben, dass die Crew und die Lehrer_innen anwesend waren, aber trotzdem werden unsere Meetings, seit der lustigen Eskalation vor ein paar Tagen, immer besser. Dennoch macht sich die Crew immer noch ab und zu darüber lustig und sagt scherzhaft, wenn wir ein Schülermeeting ankündigen, dass sie sich alle verstecken werden. Aber auch wir Schüler lernen dazu und ich bin sicher, dass wir immer demokratischer werden.


Nach dem Meeting setzten Elisa und ich uns aufs Poopdeck vor das Wheelhouse, um dort Gitarre zu spielen und zu singen. Die freie Zeit war leider sehr kurz, da Elisa zum Nachmittagsunterricht und ich mit meiner Gruppe das Schiff in Schuss bringen musste.
Die Pelican braucht einen neuen Anstrich. Meine Traumvorstellung: Ein blaues Wheelhouse, gelbe Außenwände, rote Innenwände usw. Ich nenne die Pelican schon liebevoll das pummelige Partyboot.

Nach unserem Abendessen durften wir unsere Handys nehmen und in die Stadt gehen. Auf dem Weg sind wir an der Thor Heyerdahl vorbeigelaufen, die neben uns im Hafen liegt und wurden da schon von der lauten Musik angezogen.

Als gerade zufällig zwei Schüler_innen von KUS die Segel hinuntergeklettert sind, haben Elisa und ich gefragt, ob das bei ihnen normal sei. Da mussten sie lachen und haben erzählt, dass sie für die Schüler_innen ihrer spanisch-deutschen Partnerschule ein Fest feiern.

Nachdem wir also bis 21:30 Uhr in der Stadt waren, Eis gegessen, Fotos gemacht, eingekauft und reichlich telefoniert hatten, haben unsere Lehrerinnen Miriam und Christin uns erlaubt, bis 23:00 Uhr zu den anderen aufs Schiff zu gehen. So war also wirklich fast unsere gesamte Crew auf der Thor Heyerdahl, hat dort getanzt, getrunken (nein, keinen Alkohol 😉 ), das Schiff angeschaut und neue Bekanntschaften geschlossen.

Nach der Party saßen wir dann noch zu zehnt in der Messe unserer Pelican, um auf Sinans Geburtstag zu warten. Als er dann um Mitternacht endlich 16 wurde, haben wir ganz leise für ihn gesungen. Elisa und Fabi haben unser Ständchen sogar auf der Gitarre begleitet.

Danach hatte ich die 1,5 Stunden lang ersehnten Schlaf, bis ich dann von 2:00 Uhr bis 4:00 Uhr mit Fabi wieder Wache hatte. Mit unseren Gitarren und Sebi, der nicht schlafen konnte, ging die Zeit aber angenehm schnell vorbei.

Jetzt wünsche ich meiner Familie und vor allem meinem Opa ein ganz schönes Geburtstagsfest und drück euch alle ganz fest. Ganz liebe Grüße auch an meine Freunde, ich denke oft an euch 🙂

P.S.: Robert bedankt sich herzlich für die Post.
P.P.S.: Marcel grüßt ganz lieb seine Familie.
P.P.P.S.: Justus wünscht Hannah alles Gute zum Geburtstag.
P.P.P.P.S.: Viele liebe Grüße von Tabi an ihre Eltern.

Arrival on Tenerife, accompanied by whales and dolphins

Date: 08.11.2018

Author: Marlen

Position: Santa Cruz

Geographical Position: 28°27.8 N 16°14.6 W

Etmal: 109 NM (total: 1964 NM)


„You overslept the breakfast and class starts in ten minutes“, these were the first words I heard this morning.
Thank God, Sophie woke me up for school, because others weren’t, which led to them being late. That’s why the science class started a bit later than usual and also because it’s Theresa’s birthday and we sang for her.

In the break between Science and Spanish class, Sophie and I enjoyed our second (my first) breakfast. While watching dolphins and whales in front of the coast of Tenerife, we ate the bread we bought in the small bakery in Graciosa with some jam on it.
It was such an amazing unique moment not only because the sun was shining bright but also because we had a small break from school and a view to the relaxed dolphins.

Following that, I had my first Spanish lessons ever. Ronja was our teacher and taught us the first words. I enjoyed the lesson, but it was difficult, because some words were similar to the french ones and I mixed them up.

During the Spanish class we had a man over board drill, that was a bit more interesting, that’s why we were a little bit distracted. Sammo was hanging from the ship, looking like Tarzan, while he was trying to catch the buoy.

Between class and watch was lunch and there was nearly no time to put on my harness, my sunscreen and my sun glasses. I went up to the poop deck and wondered, why we are driving in circles and didn’t enter the port. Anousch, our second mate, and I talked about that, but she was so amazed to arrive in Tenerife, because her parents are coming to visit.

Ben, our captain, asked me to take over the helm to drive into the port. Nedless to say, I couldn’t refuse his offer. Like Jack Sparrow, sorry Captain Jack Sparrow , I manoeuvred the Pelican next to the Thor Heyerdahl, which is the Ship of „Klassenzimmer unter Segeln“ (KUS).

All of us were really excited to meet the guys, who are doing the same crazy voyage as we are, but the ship was empty and no one was there. So we had no other choice than cleaning up our ship. Unfortunately, I squeezed my finger while building up the gangway.

In some ways it was a blessing, because of that I didn’t have to clean. Lizzy (she has galley duty, so she also didn’t have to clean the deck) and I sat on the bikini deck and sang Christmas songs.

In six weeks is Christmas, so we thought it was okay to sing, but Michael disagreed. That’s why he started to splash water at Anousch (she also sang with us) with the fire hose. Our „water party“ ended with Peer being completly wet, because he accidentally gave Sammo a shower.
It was so funny to watch and with the sun the clothes dried quickly.

When everything was clean, I sat down into the sunshine and prepared my presentation. I have to present it in less than a week! And there is still a lot to do. I got released from that, because it was time for dinner.

Ben was responsible for the dinner, since our cook was shopping for the Atlantic crossing. He did his job very well, but I think more practice would be fine, so he should be doing it more often and release some students from galley duty.

Although, the dinner was interrupted by the arrival of the kids from KUS. We all finished our dinner as quick as we could to talk to them. As we walked over to them it felt like we were a big team although we are just for four weeks together. Most of us wore the Teamwear clothes and because I just had a warm pullover Kiki (Kira R.) borrowed me her t-shirt.

We talked with the KUS guys for a long time but then Ben came with his funny, selfmade hat „kiss the cook“ to bring us back. When we arrived at the Pelican we felt like „lucky mushrooms“ (my best translation ever) that we are traveling with the organisation Ocean College.
We like our Ship, our Crew, our Heads and our Team. We all agree that for us Ocean College was the right decision. The day ended with Theresas birthday cake and now we sit in our Cabin (number seven – the best cabin) and write the daily report together.

Special thanks to Kiki and Sophie for writing the report with me and for helping me with the language.

Greetings to my parents, my sister and the rest of my family. Not to forget: greetings to my friends. I hope you read it!

Die Jediprüfung

Date: 07.11.2018

Autor: Niklas

Position: Vor Fuerteventura

Geografische Position: 28°36.7 N 14°24.6 W

Etmal: 64 NM (total: 1855 NM)


Der Tag begann mit zwei Stunden Englischunterricht, ging weiter mit Geo und dann Bio. Anschließend gab es Mittagessen: Pilz Quiche mit baked beans – fand ich lecker, die Pilze haben mich jedoch nicht vom Hocker gehauen.

Irgendwann fiel mir auf, dass ich heute Tagesbericht schreiben muss, dann überlegte ich, was bis jetzt so berichtenswertes geschehen ist – gar nichts.

Um 13:00 Uhr war „happy hour“ und wir bekamen die Ansage, unsere Zimmer für die „Captains round“ aufzuräumen. Also ging ich in unser Zimmer und kämpfte mich durch einen Urwald von aufgehängter Wäsche, die schon seit Tagen trocken ist.

Als ich anfing, Socken zu sortieren, entschloss ich jedoch nach zwei Minuten, dass es Zeit ist, eine Pause zu machen. Also ging ich an Deck, um nach spannenden Dingen zu suchen, die ich in den Tagesbericht schreiben kann.

Nachdem ich meine Suche aufgab, sagte mir Peer, dass Michael (erster Offizier) Leute mit Harness sucht. Ich fragte Michael, was wir auf dem Mast machen sollten und er sagte mir, er geht hoch „just for fun“.

Daraufhin zog ich mir sofort meinen Harness an und ging mit Michael hoch auf den Mast. Zu meiner Verwunderung war ich der Einzige, der mitkam.

Als wir dann ganz oben auf dem Mast vom Royal sail waren, fragte er mich, ob ich hoch will. Aber wir waren doch schon oben? Er fragte mich, ob ich auf die Mastkappe will, also ganz hoch. Das wollte ich natürlich unbedingt.

Der Ausblick von dort oben war total schön und einzigartig. Die Sonne stand tief und reflektierte sich im Wasser neben den Bergen Fuerteventuras.
Die Kombination aus einer leichten Brise und den warmen Sonnenstrahlen mit dem leichten Schwanken des Schiffes in dem ruhigen Gewässer gaben mir ein schönes Gefühl. Es war nichts anderes zu hören außer dem leichten Wind und Sammos (Bosun: Schiffsmann) Musik. Denn der befand sich etwas unter mir auf dem Royal Sail und hörte mit seiner Musikbox „Who let the dogs out“ und andere lustige Stimmungslieder.

Nachdem ich mich dort oben mit Energie aufgetankt hatte, kletterte ich wieder runter und setzte meine Arbeit mit dem Sockensortieren fort.

Auf einmal ertönte eine Durchsage von Peer, dass ein Wal zu sehen ist. Sofort rannte ich aus dem Wäschedschungel aufs Deck, wo schon die gesamte Crew gespannt aufs Wasser starte. Leider habe ich hin nicht mehr gesehen, aber er wurde mir als sehr schön beschrieben. Gerade wollte ich meine Socken weiter sortieren, da lief Louiz mit einem elektrischen Rasierer an mir vorbei…

Er war gerade auf dem Weg zu Robert, um ihm die Haare zu schneiden. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und ich beschloss, dass die Socken noch etwas warten konnten.

Plötzlich überkam mich ein Motivationsschub und ich sortierte die Socken zu Ende und räumte das gesamte Zimmer in kürzester Zeit auf. Zufrieden setzte ich mich zu Fabian ans Vordeck und wir schauten dem Sonnenuntergang zu, in den wir segelten.

Der Abend brach an und brachte seine Überraschungen mit sich… nach einem normalen Abndessen begann eine nicht normale Watch… Auf der Backbordseite erschien ein Licht. Wie gewöhnlich meldeten wir es und hielten weiter Wache. Als wir dem Licht etwas näher kamen, erschien ein zweites, blinkendes Licht kurz darunter. Wir waren erschrocken, als wir es länger beobachteten:

kurz-kurz-kurz-lang lang-lang-kurz-kurz-kurz

Das heißt SOS!!!!!! Sofort sagten wir Hendrik Bescheid, er versuchte Funkkontakt mit dem Schiff aufzunehmen – vergeblich. Wir weckten den Captain. Er nahm Kontakt mit dem Schiff auf und fand heraus, dass sie einen kaputten Motor hatten und keinen Wind in den Segeln. Sie wollten zu uns aufs Schiff und sich an die Küste ziehen lassen, um pünktlich ihren Heimflug zu bekommen. Ben war jedoch skeptisch und kontaktierte die Küstenwache, die kümmerten sich dann um das Schiff.

Außerdem habe ich in der Nacht meine Jediprüfung bestanden: Ich stand mit einer Handvoll gebrannten Mandeln an der Reling und schaute in den Sternenhimmel. Ich spürte ohne hinzuschauen, dass mir eine Nuss aus der Hand gerollt ist. Aus Reflex machte ich eine Fangbewegung mit der anderen Hand und fing die Nuss blind. Meister Yoda wäre stolz auf mich gewesen! Mit Stolz erfüllt stolzierte ich in mein sockenfreies Zimmer ins Bett.

Möge die Macht mit euch sein!