Ocean College

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Auf dem Schiff

Die junge Frau und das Meer

Datum: 20.02. 2019
Autorin: Lizzy
Position: Immer noch vor Anker vor Cien Fuegos
Nautische Position: 22°07.7´ N, 080°27.5´ W
Etmal: siehe den gestrigen Tag!

Sie war eine junge Frau und segelte mit mehreren jungen Leuten über das Meer, und seit sieben Tagen hatte sie keine Segel gesetzt. Die ersten vier Tage hatte sie sich Kuba angeschaut. Aber nach vier Tagen ohne das Meer musste sie dorthin zurückkehren, wo das verlassene dreimastige Schiff ankerte.

Es machte sie traurig, wenn sie sah, wie das Schiff jeden Tag kahl auf dem Wasser trieb. Die Segel waren gelbliche Rollen auf den Yards und die rot-blaue Flagge hing träge von der Spitze des Mastes.

Am heutigen Tag waren es drei Tage, seitdem sie das Schiff, ihre alte Gefährtin, wieder betreten hatte. Die Routine hatte eingesetzt. Die Reling ist schon geschliffen, die Shrouds sind gestrichen, heute, sagte die junge Frau heute muss ich in der Kombüse mithelfen.

Während sie mit zwei Anderen Brot und Pizza buk, sehnte sie sich danach, wieder den Wind in den Segeln zu hören, das Wasser in seinen unendlichen Gemütern zu sehen und das Schiff frei zu wissen. Draußen auf dem Meer ist man nie alleine, dachte sie.

Aus dem Bullauge sah sie das spiegelglatte Wasser und wusste um die Quallen, die dort schwammen. Die durchsichtigen Gestalten, die gespenstisch um das Schiff trieben und die scheinbar ohne Ziel unterwegs waren.

Sie fand Gefallen an den Ohrenquallen, die mit ihren Kringeln auf der Oberfläche wie Geschöpfe aus einer anderen Welt aussahen. Immer wieder musste sie ihren Genossen erzählen, was der Unterschied zwischen den lustigen Tieren und den stechenden Feuerquallen war. Nur wenn die Ohrenquallen Eier an ihren Tentakeln haben, sind sie rot wie die Feuerquallen.

Am liebsten mochte sie aber die Rippenquallen mit ihren filigranen, sich symmetrisch bewegenden Plättchen, in denen sich das Licht brach. Die erinnerten sie immer an einen ihrer letzten Abende zuhause. Mit ihrem kleineren Bruder, der zuhause geblieben war, war sie an einem anderen Meer gewesen.

Sie hatten zusammen mehrere Quallen gefangen und auf die Nacht gewartet. Im Dunklen stupsten sie die Glibbermassen an. Die Quallen fingen an das Wasser grünlich zu beleuchten.

Das Meer hat so viele Stimmungen, dachte sie, als ein kühler Windstoß für einen kurzen Moment die Hitze des Ofens vertrieb. Gestern war es aufgewühlt, es sah fast aus wie ein Teppich aus Diamanten, als der Regen kam. Heute ist es still und ruhig, wie mag es morgen sein?

Hoffentlich können wir morgen los.

Alles ist vorbereitet: Selbst der Rumpf des Schiffes ist blitzeblank geschrubbt – Keine Algen und auch keine Entenmuscheln mehr. Wir haben frisches Wasser und jetzt fehlt nur noch der Diesel. Es ist schön zu verweilen, aber noch schöner weiterzuziehen.

So legte sich die junge Frau in ihre kleine vertraute Koje. Ihre Glieder waren schwer von dem anstrengenden Tag. Ihre Gedanken aber waren schon auf den morgigen Tag gerichtet, an dem sie vielleicht schon wieder auf dem Meer wäre.

Die junge Frau träumte von den Rippenquallen.

Inspiriert von Ernest Hemingways Erzählung “Der alte Mann und das Meer”

P.S.: Alles Gute zum Geburtstag an Leo von Elly!!! (falls du das hier liest)

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