Ocean College

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Ein ereignisreicher letzter Tag vor der Atlantiküberquerung…

Datum: 25.11.2018

Autor: Peer

Position: B. do Tarrafal, Ihla de Santo Antão, Kap Verde

Geografische Position: 16°57,121 N; 25°18,714

Etmal: 29NM (total: 2867)


Als ich heute das erste Mal aufgewacht bin, hatte ich gerade vier Stunden Schlaf hinter mir. Nach dem gestrigen Barbecue hatten wir uns gegen 23 Uhr auf den Weg zur nächsten Insel gemacht. Das hieß, dass wir Duty Watch von 23-05 Uhr (um fünf sollten wir ankommen) hatten, welches vor allem die White Watch von 0:00- 4:00 traf. Um dieses unfaire Schicksal auszugleichen, haben wir die vier Stunden aufgeteilt in zwei mal zwei Stunden, die die White A und White B übernommen haben.

Also nachdem ich liebevoll von Tati aufgeweckt worden bin, erfreute ich mich erstmal daran, dass ich einen neuen Haarschnitt habe, welches mir wieder ein Gefühl von Freiheit gibt. Ich habe meine Sporthose übergezogen, so dass ich nach meiner Wache direkt wieder ins Bett kann.

Durch den warmen, starken Wind ging ich zur Brücke, welches bei Wellengang und der noch vorhanden Müdigkeit manchmal zu einem Test des Gleichgewichtssinn wird. Unsere Wache machte einen schnellen Handover, um die anderen ins Bett gehen zu lassen und so beginnt mein Lookout auf den weiten Atlantischen Ozean, auf welchem das nächste Land ganz allgemein die Karibik ist.

Dies musste ich mir erstmal vorstellen, dass heute der letzte Landtag ist und wir uns ab morgen auf den weiten Weg über den Ozean machen. Aber eine Sache ist mir klar: Ich freue mich schon riesig.

Das Ende der Wache war sehr ruhig, der Wind ist von knapp 30 Knoten auf 5 Knoten abgeschwächt. Anoush erklärte uns dieses faszinierende Phänomen, durch die Berge gibt es ein Tunnel Effekt, der den Wind sehr stark werden lässt. Sobald wir aber um die Insel herum waren, wird der Wind weniger und weniger, bis wir fast keinen Wind mehr hatten.

So schipperten wir mit 0,3 Knoten auf unser Ziel zu. Aber unsere Wache war zu Ende, also überließen wir dieses Problem der nächsten Wache (Wir hörten wie der Motor schon warm lief, also war klar, dass wir den Rest mit Motor Unterstützung machen). So legte ich mich in meinem neuen Bett wieder schlafen.

Plötzlich wurde ich aus meinem Schlaf gerissen, ein lautes Schrammen von Metall an Metall direkt an meinem Kopfende kann einfach nicht überhört werden. Der Anker wurde gesetzt und da mein neuer Zimmernachbar nicht mehr das Mädchenzimmer gegenüber, sondern die Ankerkammer ist, ist der Geräuschpegel gestiegen, aber nur leicht 😉 Zwei Minuten später fand ich mich aber in meinem Traum wieder.

Naja, alle guten Dinge sind drei, und so öffnete ich zum dritten Mal heute die Augen. Frühstück war angesagt und lief eigentlich ab wie jeden Tag. Nur eine Sache war neu und zwar der Blick auf das kleine Dorf Tarrafal. Man kann im Urlaub beim Frühstück vielleicht den schönsten Blick auf einen Strand haben, aber dieser Blick auf das kleine Dorf mit Fischerbooten und Bergen drumherum ist einfach einzigartig.

Die Berge sind einerseits kahl und braun, aber haben vor allem in der Nähe des Dorfes viele grüne Flächen, auf denen angepflanzt wird und viele einzelne Häuser, die in den Bergen herausstechen.

Um 8:30 Uhr setzten wir über an Land. Heute mal nicht mit unserem eigenen Dingy sondern via hölzernem Fischerbooten tarrafalischer Art.So haben uns die Dorfbewohner an einen kleinen Strandbereich gebracht, denn ansonsten bestand die Küste nur aus Steinen. Von Weitem konnte man schon erkennen, dass der Sand schwarz war.

Und der erste Schritt war unglaublich, vor allem der weiche Sand. Die Locals vom Boot waren auch unsere Guides und Übersetzer für den heutigen Tag. Wir versammelten uns und Niki machte eine kleine Ansage zum Plan für den heutigen Tag. Dieser beginnt mit einer Wanderung durch das Tal.

Auf dem Weg durch das Dorf liefen wir an einfachen Gebäuden vorbei und machten einen kleinen Halt an der Sekundarschule. Die Gebäude bestanden aus einfachem Beton, überdeckt mit Farbe und oben meistens eine offene Dachterrasse. Durch die Wärme, die wahrscheinlich rund ums Jahr anhält, sind die Häuser meistens sehr frei gebaut.

Hier und da gibt es kleine, improvisierte Ecken aus Wellblech und Holzpfählen, welches die Atmosphäre der starken Isolation weiter hervorhebt. Auf der Tafel in der Bücherei der Schule schrieben wir einen Gruß von Ocean College. Der Weg durchs Tal führt uns aus dem Dorf heraus und zwischen den Anbauflächen der lokalen Bevölkerung.

Durch die steilen Berge ist konventioneller Anbau schwierig und sie müssen auf den Stufenanbau zurückgreifen. Dadurch ist die Landschaft geprägt von Terrassen, auf denen viele verschiedene Früchte oder Pflanzen angebaut werden.

Vor allem Zuckerrohr stach hervor und eine uns unbekannte Frucht, die Brotfrucht. Diese hängt an Bäumen wie eine überdimensionale grüne Brombeere. Aber auch Bananenpalmen und Papayabäume stehen hier an Straßenecken wie Eichen in Deutschland. Der Weg führt weiter durch das Tal auf engen, steilen Pfaden, die die Dorfbewohner hier jeden Tag hoch und runter laufen.

Rechts und links erstrecken sich die vulkanischen Berge und würde man sich einen Regenwald dazu denken, könnte man meinen, man wäre im tiefsten peruanischen Dschungel bei den Azteken und Inkas. Auf halben Weg mitten zwischen verschiedensten Anbauflächen hielt Penelope ihren Pathway Vortrag über ökologische Agriculture.

Danach fühlte sich der Weg fast an wie ein Teide 2.0, nur dass wir sehr viel dünner angezogen waren und weniger Gewicht auf dem Rücken hatten. Aber die zum Teil sehr steinigen, steilen Wege erinnerten mich an den Aufstieg zum Teide.

Oben angekommen saßen wir zuerst an einem riesigen Auffangbecken, welches durch mehrere Quellen desBerges gespeist wird, um die ganzen Anbauflächen mit Wasser zu versorgen. Der Weg runter erschien nach dem Aufstieg sehr leichtfüßig, denn nachdem wir noch eine Grundschule besucht haben, ging der Weg auf der Hauptstraße nur noch bergab zurück zum Anfang.

Das Highlight war ein atemberaubender Blick auf diePelican of London wie sie zwischen Fischerbooten in der Bucht liegt und man die gesamte Pracht des Schiffes mit dem Atlantik im Hintergrund bewundern konnte.

Alle freuten sich nach der Wanderung schon auf dasMittagessen, jedoch war dies erst für 13:30 Uhr geplant, also hatten wir noch eine Stunde Zeit. Dank unseres Guides Leo fanden wir ein Ereignis, welches uns den Hunger vergessen ließ. Die Insel hat einen kleinen Bereich für Schildkrötennistplätze und die gute Kenntnis von Leo führte uns direkt zu einem Loch, an welchem am Morgen bereits einige Schildkröten geschlüpft sind.

Der Dorfbewohner zog einen Einweghandschuh an, begann zu graben und erklärte währenddessen, dass die Möglichkeit bestünde, weitere zu finden, die tiefer eingegraben sind. Wir standen dicht gedrängt um dieses Loch herum, gespannt, ob wir die einzigartige Möglichkeit bekommen.

Und so war es! Leo fischte frischgeborene Schildkrötenbabies aus dem Loch, die nur den Weg an die Freiheit noch nicht geschafft haben. So durften wir den aufregenden Weg der Babies ins Wasser begleiten – mit natürlich vielen Photos und Videos. Es war wirklich eineinzigartiges Spektakel.

Nach all der Freude über die Schildkröten kam auch wieder der Hunger zurück und wir machten uns schneller als je zuvor auf den Weg zum Mittagessen. Es wurde frisch gefangener Fisch für uns gegrillt und mit Reis, Brotfrucht und vielen Beilagen als Buffet aufgedeckt.

Dies ähnelte schon fast einem Festmahl, da jedes Mal, wenn eine Schale leer wurde, sofort neue Leckereien aufgetischt wurden. Highlight war der Fisch, den wir zum ersten Mal auf dieser Reise kosten durften. Jedoch vergisst man fast die Brotfrucht, die natürlich jeder mit Spannung und Neugierde probieren wollte. Uns wurde bereits erzählt, dass sie ähnlich wie Kartoffeln schmeckt und dies tat sie auch, jedoch ein ganzes Stück weicher und ein wenig süßer. Auf jeden Fall eine Köstlichkeit!

Mit vollem Magen (also wirklich so richtig vollem Magen!), so dass man platzen könnte, machten wir uns wieder zurück an den Strand, um das kühle Meerwasser zu genießen. Die steinige Küste machte das Schwimmen zu einem Abenteuer, da barfuß auf Steinen  häufig Probleme bereitet. Niklas und ich nutzen die Chance der Steine und bauten ein Steinmännchen.

Mit trockenen Füßen und wieder abgekühlt machten wir uns alle auf den Weg zum nächsten Highlight des Tages: Das Fußballspiel mit der Dorfjugend. Schon als wir ankamen, war uns klar, dass wir barfuß auf einem Staubbolzplatz einfach keine Chance haben würden.

Vor allem wenn der Zeitvertreib hier Fußballspielen ist. So versuchten wir dennoch in Mehrzahl als OC Gruppe gegen die Dorfbewohner zu spielen, was ziemlich in die Hose ging. Aber was wäre ein Fussballspiel ohne ein wenig Vielfalt, so gab es zwei “Kapitäne”, Robert und Leo, welche nach und nach neue Teams gewählt haben.

Bunt gemischt ging das Spiel dann weiter, und machte doppelt soviel Spaß. Die Zeit verschwand im Flug und jeder wirklich jeder der mitspielte, hatte richtig vie lSpaß. Christian ließ die Drohne fliegen und viele Dorfbewohner bildeten ein große Gruppe jubelnder Fans. Die Dorfbewohner waren auch richtig nett und haben uns eingebunden und häufig zu uns gepasst, aber vor allem den Mädchen immer wieder Chancen gegeben.

Sophie hat unter großem Applaus zwei sagenhafte Tore geschossen. Wir hatten alle richtig viel Spaß und ich merkte gar nicht, wie ermüdend das Spiel war.

Um den Schweiß wieder einmal entgegenzuwirken, gingen fast alle für eine zweite Runde schwimmen. Diese war auch, wie fast alles andere am heutigen Tage, einzigartig. Weit am Horizont ging die Sonne unter, während wir schwimmen waren. Da heute Sonntag ist, war auch das wöchentliche Gruppenmeeting angesagt, welches zu keinem besseren Zeitpunkt passieren könnte. Thema war natürlich die Atlantiküberquerung. Niki nutze die Chance, uns alle nochmal mental als Gruppe auf die Überquerung vorzubereiten.

Am Abend bekamen wir nochmals ein Barbecue, diesmal am Strand. Es lief ab wie das Mittagessen, und schmeckte genauso gut. Das Warten auf das Abendessen war allerdings schwierig. Als wir erstmal an den Tischen saßen, flog die Müdigkeit rein. So bereitete auch der Weg nach Hause zurück zum Schiff umso mehr Schwierigkeiten.

Müde und träge nach einem so ereignisreichen und aufregenden Tag, hievten wir uns auf das Fischerboot und angekommen bei der Pelican ging es nach einer kleinen Fußwäsche eigentlich mehr oder weniger direkt ins Bett.

An der Länge dieses Tagesberichtes kann man schon erkennen wie lange der Tag war. Er war der absolute Knaller mit einzigartigen Erfahrungen und war ein perfekter Abschluss für diese Seite des Atlantiks.

Grüße gehen an meine Familie und alle meine Freunde.

Peer P.S.: Penelope wünscht ihrem Bruder alles, alles Gute zum 18. Geburtstag!

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