Ocean College

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Ein Tag ohne Schlaf

Datum: 22. Februar 2020
Autorin: Amelie
Geografische Position: 26.47.5N/ 79.54.7W
Position: Wir sehen Palm Beach
Etmal: 102 nm

Tacking

Gestern bin ich bereits um 20:00 Uhr ins Bett gegangen und wollte schlafen. Doch um 22:00 Uhr wurde das erste Mal getacked.

Wenn wir von Tacken sprechen, meinen wir, dass wir uns mit dem Bug (also vorne) durch den Wind drehen. Daher ändert sich auch die Schräglage.

In unserem Fall hatten wir eine Schräglage nach Starboard (rechts). Nach dem Tacken waren wir nach port (links) gekrängt und ein Viertel der Crew (inklusive mir) wäre beinahe aus dem Bett gefallen (Anm.: Es gibt an jedem Bett Segeltücher, die aufgespannt werden können, um das zu verhindern. Man muss es halt auch tun).

Ein Viertel freute sich, da sie nun nicht mehr aus dem Bett fielen und der Rest schläft quer zum Schiffsrumpf und musste sich daher jetzt umdrehen, da sie sonst mit dem Kopf nach unten lagen.

Gefühlt keine fünf Minuten später wurde wieder zurück getacked. Also wurden alle wieder wach, um sich zurückzudrehen. Doch nach diesmal gefühlten zehn Minuten wurde wieder getacked und das ganze Spiel begann wieder von vorne, nur leider wurde diesmal dann nicht zurück getacked.

Die Situation in Cabin 9

Inzwischen war es ca. 02:00 Uhr: In meiner Cabin schliefen wir zu sechst (wir sind eine Vier-Bett-Kabine) und wir waren alle wach.

Nicht nur, weil wir so viel Schräglage hatten, nein, auch weil unsere Badtür sich dachte: „Warum sollte ich zu bleiben, wenn ich ständig aufgehen kann?“

Um 03:30 Uhr wurde Hannah für ihre Watch geweckt und Lea, Sarah und ich begaben uns auf die Suche nach einem freiem Bett, in dem man halbwegs schlafen konnte.

Nach drei Stunden Schlaf stand ich auf, um zu frühstücken. Beim Frühstück erfuhr ich dann, dass wir nicht mehr in den Saloon kommen, da unsere dort gelagerten Gemüsekisten in der Nacht über den Boden gerutscht waren und die Tür von innen blockierten.

(Das Gemüse wird zur Zeit im Saloon gelagert, weil es dort kühler als im Dry-Store ist)

Außerdem hatte sich das Bad von Cabin 7 von innen selber abgeschlossen.

Um 08:00 Uhr war es dann so weit, ich musste zur Watch. Was während der Watch passiert ist, kann ich nur vage beschreiben, denn ich lag auf dem Deck, kämpfte gegen meine Seekrankheit und hoffte, dass sie nicht schlimmer wird.

Aber was ich mitbekommen habe, ist, dass wir einige Containerschiffe gesehen haben. Außerdem sieht man die Küste von Amerika.

Was einen alles vom Schlafen abhalten kann

Nach der Watch hieß es ab zum Mittagessen und dann ab ins Bett. Ich musste sehr überrascht feststellen, dass es möglich war, in meinem Bett halbwegs entspannt zu liegen und etwas zu schlafen.

Irgendwann wachte ich auf, da mein Bett immer ruckelte, als ob jemand von unten dagegen treten würde. Wie ich feststellen musste, lag da niemand, der gegen mein Bett getreten hat.

Nein, es war die Badtür, die wir an meinem Bett festgeknotet hatten, damit sie zu bleibt. Als ich sie dann losgeknotet hatte, dachte ich mir, dass ich ja noch etwas schlafen könnte (denn auch wenn man es kaum glauben kann, ich war immer noch müde).

Doch leider hatte mein Körper einen anderen Plan. Denn mir tat alles weh vom Liegen. Also setzte ich mich in mein Bett, um etwas zu lesen. So langsam sah man immer mehr Menschen, die durch die Green Mile liefen. Gegen 18:00 Uhr dacht ich mir, dass ich mich mal bewegen muss.

Daher ging ich hoch in die Messe, wo es kurze Zeit später auch Abendessen gab. Beim Abendessen habe ich erfahren, dass der Saloon inzwischen offen ist, aber die Badtür von Cabin 7 immer noch zu.

Nach dem Abendessen füllte sich so nach und nach die Cabin 9 WG und wir gingen schlafen.

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