Ocean College

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Ein ungewöhnlich außergewöhnliches Weihnachten

Datum: 24.12.2018
Autor: Peer
Position: Curaçao
Geographische Position: 12°06,5 N, 68°56,0 W
Etmal: 0 NM (total: 5884 NM)

Für mich und ein paar andere begann Weihnachten ungewohnt mit einer Sporteinheit. Das seltene Glück, direkt an der Hafenmauer anlegen zu dürfen und damit die Freiheit zu haben, „jederzeit“ das Schiff zu verlassen, musste genutzt werden, um früh aufzustehen und vor dem Frühstück zu joggen. Wie ihr euch schon denken könnt, ist die Bewegung auf einem Schiff sehr beschränkt und vielen fehlt der fast tägliche Sport. So entschieden sich einige wie in Teneriffa die Chance zu nutzen.

Am Abend zuvor war die Gruppe noch relativ groß, jedoch halbierte sich diese Liste während der Nacht. Danach bestand die Gruppe aus den motivierenden Lehrerinnen Christin und Miriam sowie unserem Besucher Johannes und sechs Schüler_Innen. Wir baten am Abend zuvor Ronja und Kira M., die uns wecken sollten, uns alle ganz lieb und motivierend zu wecken. 05:45 ist eine Zeit, in der viele zuhause noch im Tiefschlaf vom Weihnachtsmann träumen, während wir uns aus dem Bett schleppten, um gegen 06:00 loszulaufen.

Ich als einer der Ersten schnappte mir ein Glas Wasser und fing an mich aufzuwärmen. In Deutschland würden wir jetzt bei zwei Grad und nassem Wetter wahrscheinlich eher weniger motiviert rennen gehen als bei 20-25 Grad ohne eine einzige Wolke am Himmel, daher auch ganz wichtig: Wasser trinken! So ging’s dann um 06:10 endlich los, immer am Wasser entlang, bis wir nach 25 Minuten umdrehten, denn keiner wollte das Frühstück verpassen.

Zurück am Schiff erhielten wir die großartige Nachricht, dass Niki zusammen mit Abby Pancakes vorbereitete. So schaffte ich es auch, die letzten Meter zur Dusche und in die Messe schnell zurückzulegen. Gestärkt von einem ausgezeichneten Frühstück versammelten wir uns alle, um gespannt den Tagesplan anzuhören. Zuerst machten wir uns auf den Weg zu einem sehr schönen neuen Museum über Sklaverei in der Karibik bevor wir dann die Chance bekamen entweder in die Kirche zu gehen oder die restliche Zeit bis um 14:30 zu verwenden weiterhin die Stadt zu erkunden. Ab 14:30, und dies war ganz wichtig, versammelten wir uns alle auf dem Schiff um nach typisch deutscher Tradition alle zusammen den Tannenbaum zu schmücken, die letzten Geschenke zu verpacken und darunter zu legen und das Essen vorzubereiten.

Sobald wir damit fertig waren gab es im Gegensatz zu deutscher Tradition ein BBQ in Sonne und Wärme, bis ab 20:00 abendliche Tätigkeiten bereitgehalten wurden. Nach dem morgendlichen Crew Meeting packte jeder noch seine letzten Sachen, vor allem Mückenspray, Wasser und das Lunch Paket. Kaum 10 Minuten später spazierten wir alle zusammen durch Willemstad, wo es großen Trubel gab.

Dies ist nicht nur auf die Weihnachtszeit zurückzuführen sondern auch auf die drei großen Kreuzfahrtschiffe, die nacheinander heute morgen in den Hafen einliefen, aber, so meinte Pete, heute Abend wieder ablegen, um nachts zum nächsten Hafen weiterzufahren. Beim Museum angekommen musste Niki noch schnell den Preis verhandelt bevor wir alles über die Sklaverei erfahren durften. Das Museum war wirklich schön aufgebaut und hatte viele nützliche Informationen, die interessant dargestellt wurden.

Nach einer schönen Stunde Geschichte über die Karibik und Sklaverei wurden wir entlassen, um die Stadt eigenständig weiter zu erkunden. Viele nutzen diese Chance, zuhause anzurufen und ihre Weihnachtspost über Email, WhatsApp oder in echten Postkarten an Freunde und Familie zu verschicken. So saß ich in einem italienischem Eiscafé mit meinem Eis und wünschte allen Frohe Weihnachten… schon ein wenig paradox und gewöhnungsbedürftig, zudem fehlte die Weihnachtsstimmung.
Pünktlich fanden sich fast alle um 14:30 wieder am Schiff ein und schon ging es los mit den Vorbereitungen.

Draußen auf dem Tisch fand sich der Bastelklub für Weihnachtssterne, drinnen die Verpackungsstation, damit auch jedes Geschenk schön verpackt wurde und in der Galley… naja… dort wurde eifrig Fleisch geschnitten, damit das BBQ ausreichend gefüllt werden konnte. So hatte wirklich jeder etwas zu tun und alle liefen herum, schmückten den kleinen Baum und das große Schiff, während Weihnachtsmusik lief, womit man soz. gezwungen war mitzusingen, weil es um einen herum aus jeder Ecke kam. Ich übernahm zusammen mit Niklas den Job, den Grill anzuschmeißen und aufzuwärmen.

Als irgendwann die Ansage kam “macht euch schön für Weihnachten”, war ich erstaunt, dass schon zwei Stunden vorüber waren und wir bald anfangen würden, zu Abend zu essen. Der Baum sah sehr prachtvoll aus und die Lichterketten, gespannt über den Mainmast sowie über den Sitzbereich, würden das Schiff dann erleuchten, sobald die Sonne unterginge. Wir bereiteten uns alle vor, während Captain Ben den Grill unter seine Kontrolle brachte.

Als alle fertig waren und sich hübsch gemacht hatten, stellten wir uns um den Weihnachtsbaum herum und warteten darauf, dass Anoush das Buffet eröffnete. Mit einem Burger, Chicken, einer Wurst sowie Kartoffelsalat und Cole saw und reichlich Soße setzten wir uns alle irgendwo auf das Deck, genossen den Sonnenuntergang und schauten den Kreuzfahrtschiffen hinterher, die sich auf den Weg machten. Eins davon hatte direkt neben uns angelegt und irgendjemand hatte die grandiose Idee, unsere Schiffswelle zu machen. Wir standen alle an einer Seite und klatschen die Hände gegen die Seite des Schiffes bevor wir nacheinander die Hände hoben wie eine mexikanische Welle.

Wir hatten viele Augen auf uns gezogen, denn wer sieht schon die schöne Pelican einfach so dort liegen. Weiter ging es mit unserem Schiffslied: Anoush schreit “Peli” – und wir schreien “can”- und so gehts dann “Peli” – “can”, “Peli” – “can”, “Peli” “Peli” “Peli” – “can” “can” “can” und dies so laut, dass ganz Curaçao uns hören konnte. Das Gleiche wiederholten wir mit Ocean College. Wir verabschiedeten das Kreuzfahrtschiff mit Winken und dem Klang unseres Signalhorns. Danach ging es aber gleich weiter mit dem Essen, welches einfach ausgezeichnet schmeckte.

Um die Zeit zu überbrücken, die gebraucht wurde, um das Geschirr sauber zu machen, kamen ein paar von uns zusammen und sangen wild und durcheinander Weihnachtslieder, bis mehr und mehr dazukamen und dann perfekt zum abendlichen Meeting alle beisammen waren.

Miriam hatte ein paar englische Weihnachtslieder ausgedruckt, die wir alle zusammen sangen womit es sich schon ein ganzes Stück mehr nach Weihachten anfühlte. Die Geschenke unterm Baum durften jedoch noch nicht geöffnet werden, da Bescherung erst nach britischer Art morgen passiert. Wir durften jedoch die Weihnachtspost unserer Eltern aufmachen, die Niki uns austeilte. Jeder / jede bekam ein Moment für sich, um zu genießen und die ganzen Briefe durchzulesen.

Danach war der Abend auch wieder frei gestaltbar. Einige saßen zusammen in einem Kreis und lasen sich ihre Briefe untereinander vor. Ich saß mit einigen anderen zusammen und hörte, wie Johannes die Gitarre meisterte und dazu haben wir zusammen Lieder gesungen, bevor ich mich zu den anderen gesellte, die einen Film schauten. Zum Glück durften wir morgen ausschlafen, sodass alle die Zeit hatten, abends noch länger aufzubleiben.

So zeigt sich Weihnachten wirklich mal von einer anderen Seite. Vergleichbar mit Zuhause – Nein!, Besser oder Schlechter? – überhaupt nicht vergleichbar. Aber ich glaube, jeder fand den Abend sehr schön auch ohne Familie, zumal dieses Weihnachten einfach einmalig ist. Und eins bin ich mir sicher, keiner wird dieses Weihnachten vergessen.
So wünsche ich euch allen von der Pelican aus eine wunderschöne Weihnachtszeit.

Peer

PS: Nele: Liebe Lisa, ich wünsche dir alles Liebe und Gute zum Geburtstag 🎁 , wir feiern nach wenn Ich wieder da bin! Fühl dich gedrückt.🎀

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