Ocean College

From the Blog

der Kaffee wird geerntet

Eine Gute-Nacht-Geschichte

Datum 27.01.2019 
Autorin: Elisa 
Position: Coffee Farm Don Eli, San Marcos de Tarrazú, Costa Rica

Liebes Glühwürmchen,
Die heutige Gute-Nacht-Geschichte handelt von mir und meinen heutigen Erlebnissen. Wie du weißt, heiße ich Arabica Bourbon. Eigentlich würde ich Etiopia heissen, so wie meine Ururururgrosseltern, die schon 800 nach Christus den Äthiopiern gedient hatten. Doch die Osmanen tauften mich, nach der Eroberung Jemens, auf den Namen Arabica. Die Deutschen lieben mich, obwohl viele von ihnen gar nicht genau wissen, wer ich bin und vor allem was genau aus meinen Kindern entsteht. Gerade heute wieder hörte ich deutsche Jugendliche untereinander flüstern, dass ich doch die Mama des schwarzen, bitteren Getränks wäre, das süchtig und wach macht, doch das stimmt eigentlich gar nicht. 

Wenn meine Kinder, die Kaffeekirschen, richtig gepflückt, aufbereitet und später geröstet werden, sind sie braun, nicht bitter und anstatt wach zu machen, halten sie wach, was ein wesentlicher Unterschied ist. Ich habe ca. 800-1000 Zwillingskinder im Jahr, die im Alter von 6 bis 12 Monaten alt genug sind, die Menschen glücklich zu machen. Gerade heute wieder wurden meine Geschwister und ich von einer Gruppe motivierten, interessierten und super tollen Jugendlichen nach gereiften Kindern untersucht und von ihnen erleichtert. Ihr könnt euch ja vorstellen, dass so viele Kinder ein rechtes Gewicht haben. 

Einige davon landeten direkt in den Mündern der Menschen und erfreuten die Jugendlichen mit ihrem süssen Geschmack. Von weitem beobachtete ich, wie die besten Schüler von meinem und ihrem Arbeitgeber Don Carlos ausgezeichnet wurden. Bewertet wurde nach Qualität und Quantität. Dann verschwanden sie alle aus meinem Blickfeld und auch ihr Geplapper verstummte. Zu mir drang nur noch ein schmatzendes Geräusch, das an eine Raubtierfütterung erinnerte. Danach wurde es ruhiger, Mittagspause nehme ich an. 

Ich schnappte Gesprächsfetzen über ein Wochenende in Kiel auf. Jeder Satz begann mit „Wisst ihr noch…“ was mir als sehr langweilig erschien, doch die Jugendlichen mussten mehrere Male unglaublich lachen und amüsierten sich prächtig. Auch dass immer eine Person vor dem Klo Wache hält, während eine zweite Person auf dem Klo ist, finde ich komisch, doch das liegt wohl daran, dass man die Tür nicht richtig abschliessen kann und es drei 5cm grosse Spalten in der Tür gibt. 

Als die Sonne weiter wanderte und der Schatten des Bananenbaums mich verließ, hörte ich gespannt meiner eigenen Geschichte zu. Viele Fragen der Jugendlichen zu meiner Familie und zum Luxusprodukt meiner Kinder wurden in dieser Zeit geklärt und Themen für einen Zeitungsartikel besprochen und aufgeteilt. Auch drang der schöne Klang von Gitarren und Gesang an meine Ohren, schon alleine dafür werde ich die Jugendlichen vermissen, wenn sie in ein paar Tagen wieder abreisen müssen.

Als meine täglichen vier Stunden Sonnenlicht vorbei waren und der Schatten mich wieder erreichte, begann die Erde zu vibrieren. Ein Erdbeben? Eine Horde Elefanten, von denen meine Ururururgrosseltern berichtet hatten? Doch Elefanten gibt es doch in Costa Rica gar nicht. Ich spähte durch die Arme meiner Geschwister hindurch und es bot sich mir ein lustiges Bild. In Pärchen, sich an den Händen haltend, drehten sich die Jugendlichen im Kreis und schritten dabei im Takt der lauten Musik von einem Fuß auf den anderen. Viel wurde gelacht und auch gejubelt, wenn etwas geklappt hat. Die Jugendlichen schienen großen Spaß daran zu haben, so dass noch während des Abendessens und danach weiter getanzt wurde. Auch einer meiner Freunde stieß dazu und tanzte mit. 

Es war der Koch, der hier jeden Tag vorbei kommt und mir immer freundlich zulächelt. Je dunkler es wurde, desto leiser. Immer mehr Jugendliche krochen in ihre Zelte und legten sich zur Ruh, während das Lagerfeuer knackte und das Rauschen des Flusses sie an ihr Zuhause auf dem Meer erinnerte. 

Ich sehe, dass auch du, liebes Glühwürmchen, müde wirst. Langsam geht dein grünes Licht aus, mit dem du den Jugendlichen den Weg zu den Zelten beleuchtet hast. Wenn du morgen wieder vorbei kommst, erzähle ich dir gerne wieder eine Geschichte. Schlaf gut und träume süß!

Deine Arabica Bourbon

P.S.: Liebe Däddl, ich wünsch dir scho mol alles Gueti zu dim Geburtstag. Ich hoff es sich nit allzu traurig deheim, jetzt wo ihr numme no zu viert sind 😉 Ich vermiss euch alle ganz fescht und ich ha euch unändlich fescht gärn.
Tuusig Schmützli an alli – Euri Elisa

P.P.S.: von Marlen: Conny ich wünsche dir alles gute zum Geburtstag. Ich hoffe du hattest einen schönen Tag! Ich hab an dich gedacht.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: