Ocean College

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Blick von der Pelican of Londin

Fühlen Sie sich wie ein authentischer deutscher Tourist (sorry, liebe Schweizer!) und lernen sie die Pelican kennen

Datum: 18.02.2019
Position: Vor Cienfugeos, Cuba
Nautische Position: 22°07.7´ N, 080°27.5´ W
Autorin: Ronja
Etmal: zurückgelegte Seemeilen unverändert seit dem letzten Tagesbericht

DISCLAIMER:
Dieser Tagesbericht kann Spuren von Ironie enthalten.

Ahoi und Herzlich Willkommen auf der TS Pelican! Heute kommen Sie in den einmaligen Genuss einer kostenlosen Rundtour – und das Beste: Keine störenden Schüler_innen und Lehrer_innen! Die Crew ist ausgeflogen und macht Cienfuegos unsicher; isst Eis, kauft Kekse und die letzten Souvenirs, lässt sich die Haare neu frisieren oder schlägt sich mit dem komplizierten kubanischen W-LAN System herum. Doch starten wir unsere Tour!

Zurzeit liegen wir vor Anker, wodurch Sie die Junior Pelican, unser kleines motorisiertes Beiboot (auch RIP, wahlweise RHIB oder RIB genannt) kennenlernen können, in dem Sie dank des Fahrstils von zu Kindern gewordenen Seebären in den Genuss einer kostenlosen Salzwasserdusche kommen können. Beliebt ist auch die Unterhaltungsaktion: Clean the dinghi! Dafür nehme man sich Wasser, Lappen und Besen und versuche, das Boot sauberer wirken zu lassen. (Spoiler: Funktioniert irgendwie nicht so richtig; ist aber dennoch unsere Lieblingsaufgabe, nach Segelnähen.)

Das well deck, das Hauptdeck, ist zurzeit bedeckt von einem luxuriösen Teppich aus Holzstaub, stammend vom Schleifen der Reling, und zudem geschmückt durch Vorhänge aus trocknenden Zelten, Isomatten und Handtüchern. Wer einen Blick in luftige Höhen wagt, wird vom Funkeln frisch gestrichener shrouds geblendet. Sie sehen, zum Komfort an Bord gehören nicht nur Kost und Logie, sondern auch die Unterweisung in seemännische Fertigkeiten.

Doch betreten wir nun das Allerheiligste des Schiffes: Den Speise- und Gemeinschaftssaal, den Sie stets krümel- und (in Gedenken an Michael) tassenfrei antreffen werden. Die frisch abgeschliffenen und lackierten Tische werden Ihnen sofort ins Auge fallen, aber auch der glaslose Bilderrahmen in der linken Ecke, der die Schülerschaft auf ewig an Johan erinnern wird. Falls Sie einen Blick in die Kisten in den Ecken und unter den Bänken wagen sollten, werden Sie von der schieren Fülle der Süßigkeitenvorräte einen Zuckerschock bekommen. Doch so ein Tag auf See braucht ein zuckriges Sahnehäubchen! Oder wahlweise Schokoglasur und Cookiekrümel. Durchaus auch an Beliebtheit erfreuen sich Babynahrungsgläschen. Geschmacksrichtung zumeist Apfel.

Falls Sie noch nicht durch die übermotiviert arbeitende Klimaanlage festgefroren wurden, dürfen Sie nun den Niedergang rückwärts herunterschreiten (auf eigene Gefahr sogar vorwärts!) und den edelsten Bereich des Schiffes besichtigen: Die Sauna, auch bekannt als Kabinen. Links und rechts der green mile, die seit Neuestem in frischem Grün erstrahlt, führen Türen in die verschiedenen Kabinen. Unbedingt sollten Sie dabei Kabine 6 besichtigen, deren Bewohnerinnen einen kleinen Kampf mit dem Wasser ausfechten. Spannung pur! Wer wird gewinnen? Die verzweifelten Bewohnerinnen oder das bösartige Wasser?! Cliffhänger – und Fortsetzung folgt…

Auch einen Besuch wert: Die Sanitäranlagen, in denen Sie sich alle drei Tage von der Dauersauna durch eine 3-Drücker-Dusche erfrischen oder sich an geheizten Toilettenschüsseln erfreuen können. Wo kommt man denn schon in den Luxus einer warmen Erleichterung?
Ebenfalls down below zu finden, und Fitnessstudio und Paradies zugleich (ja, die Pelican macht´s möglich!): Die Pantry, aka das Lebensmittellager. Das scheinbar simple Servieren eines Erdnussbutterglases am Frühstücksbüffet wird hier zur sportlichen Herausforderung: Man klettere auf Kühlschränke und verrenke sich, um sich hinter den allerseits heißgeliebten baked beans zum gewünschten Glas zu hangeln. Aus der Kajüte gegenüber des geräumigen Waschsalons samt Reinigungsmitteln, Wäschesäuberer und dazugehörigem Trockengerät (auf dieser Reise bereits einmal ausgetauscht!) ertönt zurzeit nicht der wohlbekannte Klang von filmischer Unterhaltung, da unser gemüseliebender Bootsmann aufgrund einer Verletzung momentan leider nicht an Bord verweilt. We miss you Sammo!
Der Maschinenraum soll an dieser Stelle ein Mysterium bleiben.

Abschließen wollen wir unsere Tour in der Schaltzentrale der Macht: Dem wheelhouse. Auf der Brücke wird während Wachzeiten nicht nur ernsthaften Tätigkeiten wie Steuern, Ausguckhalten und Logbuchausfüllen nachgegangen. Auf dem Programm stehen ebenfalls nächtliche Sporteinheiten mit Powerteam Lizzy und Marlen oder wahlweise kurze Nickerchen, sowie philosophisch anmutendes Geschwafel, Sternegucken oder schräges Singen. Sie sehen: Auf der Pelican ist für jeden etwas dabei! Die neuste Attraktion und (noch) ein absoluter Geheimtipp: Zähneputzen während der Abendwache mit Kapitän und Lehrkräften unter dem Sternenhimmel. Garantiert eine einmalige Erinnerung! Die Extremvariante auf dem Royal yard ist bereits in Planung…

Damit endet unsere Tour bereits, da die Bewohner_innen des Schiffes zurückgekehrt sind, sich hungrig über das deliziöse Abendessen hermachen und sich mental für den kommenden Vortrag von Thermomix-Peer über Kommunismus (Sie sehen erneut, auch für die Bildung wird hier an Bord ausreichend gesorgt, denn wie Christin sagt: Egal ob du es magst – Karl Marx) vorbereiten, während aus der Kombüse Musik erschallt und die Backschaft abtrocknend eine Tanzbeilage dazusteuert. Ja, Marcel, nichts bleibt hier an Bord geheim, schließlich muss ja auch Material für Soaps und Nachfolgestaffeln gesammelt werden.

Wir hoffen, Sie haben den Rundgang genossen und nutzen die Gelegenheit, in wenigen Monaten in Boulogne Besatzung und Schiff live und in Farbe kennenzulernen. Im Austausch für genügend Schokolade (oder Vanilledosenpfirsich aus dem Glas) werden sich garantiert einige für Interviews oder Autogramme bereiterklären…

Herzlichst,
ihre Tourguides (kann man das gendern?!) und Motim/ventorinnen Lizzy und Ronja

OUTTAKES:

Elly: Was machen denn die Motimentorinnen da wieder?
Lizzy & Ronja: Wir schreiben den Tagesbericht.
Elly: Wie schreibt ihr den?
Ronja (trocken wie immer): Mit den Fingern.

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