Ocean College

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Unser Leben sieht anders aus

Datum: 15. Februar 2020
Autor: Simon
Position: Las Terrazas, Campingplatz
Etmal: 0nm

Unser Schlaf sieht anders aus

Mir ist aufgefallen, das mein Schlaf leichter ist. Schon zuhause hatte ich einen leichten Schlaf und bin schnell aufgewacht, aber hier hat man sich nochmal in einem anderen Maß an das ständige Gewecktwerden und Aufstehen gewöhnt.

Bei allen Personen, die vorbeilaufen, aufstehen und auf die Toilette gehen, oder eben beim wirklichen Wake-up, werde ich direkt wach.

Und ich bin nicht nur direkt wach, sondern ich bin auch geistig fit und gut orientiert (auch wenn mir gesagt wird, dass ich morgens nicht sonderlich gesprächig bin).

Auch an die Zeiten gewöhnt man sich.

Seit vier Monaten habe ich niemals länger als bis 8:00 Uhr geschlafen mit der Ausnahme von ca. einer Woche direkt vor den Kap Verden, als ich White Watch war und bis 04:00 Uhr morgens Wache hatte.

Niemals. Nicht mal an Sonntagen oder in der Gastfamilie.

Die allermeiste Zeit wurde ich zum Frühstück um 6:45 Uhr geweckt. Kein Wunder also, dass ich morgens meistens fit bin. Gegen 7:00 Uhr oder 8:00 Uhr wird man einfach fit und wacht fast von selbst auf.

schlafende Kinder auf dem Schiff

Unser Miteinander sieht anders aus.

Auf dem Campingplatz haben Paul und ich es tatsächlich geschafft, mit in einer Hütte zu schlafen, da noch Plätze frei waren, nachdem die ohne Zelt versorgt waren.

Die Hütte ist klein und alle müssen hier herein, um auf die Toilette zu gehen.

Deswegen ist unser Boden sicher dreckiger, grasiger und mit mehr Rucksäcken und mehr Handtüchern zum Trocknen gefüllt als alle Zelte zusammen.

Ich aber genieße es, freien Raum um mich zu haben, den ich auf dem Schiff und im Zelt so selten habe.

Beim Ausräumen und Einräumen wuseln nicht nur die vier Leute aus unserer Hütte im engen Raum, sondern auch noch alle Personen, die auf die Toilette wollen, die Sachen zum Trocknen aufhängen wollen, oder ihre Rucksäcke nicht im Zelt haben möchten.

Aber daran gewöhnt man sich: Ständig Leuten auszuweichen, die etwas machen wollen, ständig zu warten bis man durch kann, oder bis Leute damit fertig sind, etwas zu machen. Oder einfach permanent Leute, die etwas brauchen, weitergeben, leihen oder abgeben.

Am Anfang fand ich es nervig, ständig Leuten etwas weiterzugeben oder aufzustehen, damit sie an etwas rankommen oder durch können.

Jetzt frag ich mich tatsächlich, ob es mir nicht sogar fehlen wird, permanent Leute um mich herum zu haben.

Obwohl oder vielleicht gerade weil man die ganze Zeit etwas weiter gibt, aufsteht oder auf jemand wartet. Unser Miteinander sieht anders aus.

Unsere Ansprüche sehen anders aus.

Auf dem Campingplatz gibt es drei Toiletten. Ein Mädchenklo, eine Jungentoilette und das Bad in unserer Hütte.

Die Angewohnheit vom Schiff, abzuspülen bevor man die Toilette benutzt, erweist sich hier als sehr, sehr hilfreich, denn ich würde fast sagen, in 50% der Fälle funktionieren die Spülungen nicht.

Allerdings hindert das viele Leute nicht, vor allem, wenn es dringend ist. Und so war unsere Toilette die Nacht über voll.

Am nächsten Morgen wurde einfach drüber gemacht, obwohl die Spülung immer noch nicht funktionierte. Aber was soll man auch sonst machen?

Seit Costa Rica kann man an Land kein Toilettenpapier mehr in die Toilette werfen, da die Rohre zu dünn sind. Das benutzte Toilettenpapier kommt also einfach in den Mülleimer.

Toilettenschüsseln fehlen sehr häufig und die Spülungen sind einfach Schnüre, an die ein Pet-Flaschen-Deckel befestigt wurde.

Am Anfang der Reise bin ich an Land aufs Klo gegangen, um die Schiffstoiletten zu vermeiden. Jetzt freue ich mich über die zuvor vermiedenen Schiffsklos.

Unsere Ansprüche haben sich verändert.

Ich möchte an dieser Stelle meine Familie, meine Freunde und auch die Leiterrunde grüßen. Nachdem nun schon mehr als die Hälfte der Zeit vergangen ist, gab es bei uns einen ziemlichen „an zuhause denken“-Schub.

Ich habe ganz fest an euch gedacht und freue mich wirklich sehr darauf, euch alle wieder zu sehen. Mir fällt hier wirklich auf, was für ein Glück ich habe, zu Hause so geniale Leute zu haben, dass ich mich selbst an Orten wie karibischen Inseln, Costa Rica oder Kuba auf zu Hause freuen kann.

Mein Leben hier sieht anders aus, aber ich freue mich schon, mit neuen Impulsen ins bekannte Umfeld zurückzukommen.

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