Backschaft und der alltägliche Kram

Schiff: Johann Smidt
Datum: 17.02.2026
Position: Auf dem Weg nach Bermuda – Halbzeit
Nautische Position: 27°26,4’N 072°24,3’W
Etmal: 125 sm
Total: 8426 sm

Der heutige Tag hat damit gestartet, dass ich Backschaft hatte. Ein mehr oder weniger guter Start … Nachdem ich das dritte Mal geweckt wurde und erfolgreich aufgestanden bin, hat der Tag in der Kombüse mit dem Frühstück gestartet.

Das Frühstück bestand aus Granola, das wir am Vortag gemacht haben, weil wir als Gruppe Querfraß begangen haben und wir die Glücklichen zum Ausgleich waren.

Nachdem fast niemand, so wie die letzten Tage, zum Frühstück erschien, hatten wir viel Zeit, an unserem Bio-Portfolio weiterzuarbeiten, was wir vorher vernachlässigt haben. Nachdem wir noch drei Stunden Schule eingebaut haben (nicht freiwillig!!), haben wir uns dann um das Mittagessen gekümmert, das aus den verschiedensten Zutaten bestand.

Es wurde dann letztendlich ein Blumenkohl-Cashew-Püree mit einer aufgetauten Pilzsoße. Es war erstaunlich gut, dafür dass es zwischendurch nicht essbar aussah.

Als Aufklärung: Es ist viel schwieriger, die Mahlzeiten und Mengen zu kalkulieren, weil es immer davon abhängt, wie viel und welche Beilagen serviert werden, ob es Nudeln oder Reis ist, ob es ein Fleischgericht ist oder nicht, weil ungefähr 1/3 vegetarisch ist und dann muss alles extra gekocht werden und immer eine glutenfreie Portion.

All in all ist es gar nicht so leicht, ein gut gewürztes Essen zu servieren, das allen schmeckt, gut gegart ist und die richtige Menge hat. Aber all das wurde in den letzten Wochen und Monaten immer besser.

Oftmals haben wir auch das sogenannte Brotdrama, weil die Kommunikation zwischen Brotback-Orgateam – ja, das gibt’s – und den zugeteilten Brotbäckern für den Tag nicht ganz so gut funktioniert. Entweder gibt es dann halt kein Brot oder halb verschimmeltes, was je nach Begabung des Brotbäckers nicht als Brot bezeichnet werden kann, sondern eher als Steinbrocken.

Manchmal fällt auch ein Satz wie: „Ist keine Hefe da? Ist egal! Wir nehmen Milchpulver, das geht sicher genauso gut …“ Das Ergebnis hat es klar und deutlich gezeigt: Es hat absolut nicht funktioniert, also nicht nachmachen, wenn Sie Ihre Zähne und Ihr Zahnfleisch noch behalten wollen.

Zurück aber zum Tag: Zu Kaffee und Kuchen haben wir einen Hefezopf aufgetischt. Das Abendessen-„Special“ war dann die selbstgemachte Zitronenbutter sowie eine selbstgemachte Tomatenbutter. UND sie wurden aus dem Brottief erlöst und es gab frisches Baguette, gebacken von unserer Heldin Ruby ❤️😘 mit dem Rezept von Peter, dem Koch von Clipper.

Ohne Peter wäre es ein weiterer Tag mit bzw. ohne unserem Wasser-Mehl-und-im-besten-Fall-auch-Hefe-Brot gewesen.

Kein Tag vergeht ohne eine verstopfte Toilette, aber auch heute hat sich der Chief Andreas wieder drum gekümmert, sprich er muss jedes Mal alle Rohre mit irgendwelchen Drähten befreien, bis wir die heilige Schüssel wieder betreten dürfen und der Nächste diese sprengt und am nächsten Tag das ganze Prozedere wieder von vorn beginnt.

Was wir Schüler daraus gelernt haben: Ein Schiff ist eine sich fortbewegende Baustelle, die nie beendet sein wird. Auch wenn ich das Gefühl schon vorher zu Hause auf jeder Straße oder Autobahn hatte, hier ist man noch mehr betroffen.

Und das größte Problem: Von nichts kommt nichts, also müssen wir selber anpacken. Aber dazu sind wir alle hier.

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