Glückseligkeit

Schiff: Roald Amundsen
Datum: 12.04.2026
Etmal: 152 sm
Position: 50*20,7‘N 000*23,1‘E
Durchschnittliche Geschwindigkeit: 6,3kn

Das Glück hat uns in den letzten Tagen bestes Segelwetter beschert. Eine sanfte Brise aus westlichen Richtungen hat uns durch den englischen Kanal getragen und kräftiger Sonnenschein ein Lächeln auf unsere Lippen gezaubert.

Gleichzeitig trennen uns nur noch wenige Seemeilen von Amsterdam, wo unsere Reisegemeinschaft zusammengekommen ist und nun alsbald auseinandergehen wird. Heute wird der letzte Tag unter Segeln sein, was diesen Umstand für alle besonders spürbar macht.

Die Aussicht auf die Ankunft hat in den letzten Tagen für viel Dynamik in unserer Gruppe gesorgt. Es gibt Schüler: innen, die sich sehr auf die Rückkehr nach Hause freuen und welche, die lieber weiter reisen würden.

Auf der einen Seite Gespräche über die Vorfreude auf das Wiedersehen von Eltern, Freund: innen sowie auf der anderen Seite offensichtliche Übernächtigung, um ja nichts auf den letzten Metern zu verpassen und der Wunsch weiter (ja, warum nicht für immer?) in Gemeinschaft um die Welt zu reisen.

Ich für meinen Teil bin dankbar, die letzten drei Monate der Reise (ich bin als Schiffsarzt erst in Costa Rica dazugestoßen), fester Bestandteil der Gruppe geworden zu sein und gemeinsam Hoch- und Tiefpunkte durchlebt zu haben.

Am Morgen habe ich für einige Zeit das Ruder übernommen, während die fahrende Wache sich für eine Abschiedsrunde zusammenfand. Bei der Rückkehr auf die Brücke hatten die meisten Schüler: innen Tränen in den Augen, umarmten sich innig -und ich bemerkte, wie auch mir eine kleine Träne die Wange herunterlief.

Es berührt mich, wie sehr die Schüler: innen zusammengewachsen sind, füreinander Sorge getragen haben und gemeinsam Großes geschafft haben. Sprich, erleben konnten, dass eine andere, eine vom „Geist des gegenseitigen Verständnisses“ getragene Welt möglich ist.

Insbesondere in unserer aktuellen Zeit, die von zunehmender Unsicherheit und Entfremdung geprägt ist, erscheint mir das als Schlüsselerfahrung.

Die Sonne steht bereits tief, als eine Gruppe von Schüler: innen und ich auf den Vortop aufentern, um die letzten Segel zu bergen. Als jemand, der eigentlich mit Höhenangst zu kämpfen hat, war es für mich ein großer Schritt über die Reise, immer wieder hinauf ins Rigg zu klettern.

Nico im Rigg:)

Ich bin stolz auf mich, jetzt sicher auf der Obermars stehen zu können. Nach Abschluss der Arbeiten setze ich mich mit den Schüler: innen auf die Plattform und genieße schweigend die fließenden Orangetöne des Sonnenunterganges. Ich atme tief ein und für einen Moment scheint die Welt still zu stehen, mit dem Ausatmen erfüllt mich Zuversicht und Vorfreude auf das was für Zukunft bereithält.

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