Schiffsübernahme an Board

Schiff: Roald Amundsen
Datum: 20.03.2026
Position: 54,0° N 030° 38,8°W
Etmal: 175
Durchschnittliche Geschwindigkeit: 7,2kn

Wie viel lernt man wirklich in fünf Monaten auf der Roald? – Im Oktober kamen wir in Amsterdam alle hier aufs Schiff um zu segeln. Im Großen und Ganzen wusste jedoch niemand so wirklich, was ein Gording oder eine Brasse eigentlich ist. Doch in den letzten fünf Monaten haben wir natürlich viel gelernt.

Mittlerweile kennt jeder den Belegplan und weiß zumindest ungefähr, wo er hinlaufen muss, um an den Außengording der Vor-Bram an Backboard zu kommen – sowohl bei Tag als auch bei Nacht. Dank unserer Kapitäne und Steuerleuten haben die meisten mittlerweile auch Grundkenntnisse in der Navigation.

Ob Punkt in die Karte eintragen, Kurs bestimmen, Peilen oder Wetterkarten lesen. Durch das Amt des Tagestoppsis, bei dem man für einen Tag in die Rolle des Toppsis schlüpfen kann, sind wir mittlerweile auch damit vertraut, Kommandos nicht nur zu befolgen sondern auch zu geben.

Außerdem lernten wir, was es heißt, ein Wache zu managen und dafür zu sorgen, dass der Kahn die nächsten vier Stunden sicher weiter gesegelt werden kann. Aber können wir das Schiff alleine fahren – und noch viel wichtiger, es sicher in den nächsten Hafen bringen? Diese Frage haben wir uns gestellt. Und da das Motto unserer Reise irgendwie „Probieren geht über studieren“ ist, werden wir versuchen, sie zu beantworten. Also „übernehmen“ wir Schüler das Schiff nach den Azoren und werden versuchen, es Richtung Amsterdam zu bringen.

Trotzdem sind wir aber natürlich nicht alle für jeden Job geeignet und wollen auch nicht jeden machen. Deswegen müssen wir uns auf die Jobs bewerben und sind alle dabei, uns zu überlegen, warum genau wir diese Rolle übernehmen sollten und nicht irgendwer anders. Jeder sucht nach Hard und Softskills, die man irgendwie auf seine Wunschrolle pressen kann, um dabei möglichst kompetent für den Job zu wirken.

Doch jetzt rede ich hier die ganze Zeit von diesen zu übernehmenden Jobs, aber welche sind das überhaupt? Deswegen hier eine kurze Liste: Kapitän; Steuerleute; Topsgasten; Deckshände; Maschinist; Bootsmann; Koch; Bäcker; Social-Media Beauftragter; Lehrer; Tagesbericht/Yellowbrick-Beauftragter; Arzt und Bordratte:).

Diese Jobs gilt es zu vergeben und dann auch sinngemäß auszuführen. Diese ganze Schiffsübernahme kommt allerdings erst nach dem nächsten Landaufenthalt und noch sind wir sowieso vor den Azoren. Die Welle scheint nicht weniger zu werden, die Stimmung an Board lässt sich gut mit einem Wort beschreiben: Vorfreude.

Vorfreude, endlich wieder an Land zu sein. Vorfreude, endlich nicht mehr jeden Tag von 8-12 an Deck zu sitzen und zu frieren. Vorfreude, Essen zu können, ohne seinen Teller die ganze Zeit festhalten zu müssen. Aber trotzdem ist die Stimmung an Bord gut, denn wenigstens ist das Bewusstsein da, dass wir den schlimmsten Teil eigentlich schon geschafft haben.

Ehrlicherweise freuen wir uns aber alle darauf, endlich mal wieder festen Boden unter den Füßen zu haben und auch mal vom Schiff runterzukommen. So schön es hier auch ist, so eng ist es auch und irgendwann wird die Enge uns allen echt zu viel und wir brauchen alle Mal wieder eine Pause – am Besten mit einem Schokokuchen im Peter Café Sport.

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