Wo alles angefangen hat

Schiff: Roald Amundsen
Datum: 19.04. 2026
Ort: in der Vergangenheit und Zukunft aber eigentlich in Amsterdam
Kurs: Viel zu schnell nach Hause

Sonntag, 19. April 2026

Gestern sind wir nach sechs Monaten wieder in Amsterdam angekommen. Heute stehe ich an der Pier, von der wir damals abgefahren sind. Es fühlt sich irgendwie komisch an. Hier hat alles angefangen. Hier haben wir uns alle zum ersten Mal getroffen und auch das Schiff, welches wir unser Zuhause nannten, zum ersten Mal gesehen.

Es hatte damals verbrasste Rahen und steckte mit dem Klüverbaum in einem echten Baum. Heute ist der Anleger leer. Das gelbe Uboot liegt wie damals noch auf der anderen Seite des Stegs und generell hat sich sonst nicht wirklich etwas verändert.

Aber trotzdem hat sich für mich alles verändert. Ich bin heute das erste Mal seit sechs Monaten in einem Raum aufgewacht, in dem nicht neun andere Menschen mit mir lagen. Ich wurde nicht von den Worten „Du hast Wache“ oder einem allgemeinen Wecken geweckt. Und vor allem war ich nicht, sobald ich aufgewacht bin, von 30 Menschen umgeben, die ich mittlerweile meine Freunde nenne. Das hat sich irgendwie nicht richtig angefühlt.

Mir gehen unfassbar viele Erinnerungen durch den Kopf. Sitzsacktime, Filmabende, gemeinsam Shanties singen, Delfine sehen, ins Rigg klettern, Sonnenuntergänge, Weihnachten, Briefe von der Familie, die Nacht auf der Insel.

Aber auch Eleven auf dem hinteren Klo, das Ampelsystem, die nicht-lachen-challenge wo langsam bis 6/7 gezählt wurde, der Weihnachtsmann auf dem Jetski, der Abend in der Scheune bei den Bribris, die Tanzworkshops und wie wir jeden Supermarkt überfallen haben, sobald wir an Land waren.

Es läuft alles wie ein Film vor meinen Augen ab und ich bin glücklich und traurig zugleich. Glücklich, weil ich so viele tolle Dinge erleben durfte und so viele wundervolle Menschen kennengelernt habe und traurig, weil all das jetzt vorbei ist und ich mich verabschieden musste.

Das Gute an einem Abschied ist allerdings, dass man sich auf ein Wiedersehen freuen darf. Ich habe mich von keiner Person für immer verabschiedet. Es sind genug Aktionen geplant, bei denen wir uns wiedersehen werden und darauf freue ich mich jetzt schon.

Das erste Wiedersehen gab es bereits kurz nachdem ich an die Pier getreten bin. Ich habe mich mit Nik und Maxim verabredet, um endlich unseren Plan von vor sechs Monaten umzusetzen: Aufs Pannenkoekenboot zu gehen und so viele Pfannenkuchen wie möglich zu essen.

Es war ein fast schon historischer Moment, als wir nach so langem Planen endlich den ersten Schritt auf das Boot machten. Am Ende haben wir dann zu viel geredet und zu wenig gegessen, aber es hat sich gelohnt.

Und dann hieß es wieder verabschieden. Doch diesmal mit der Gewissheit, dass es möglich ist, sich nach der Reise weiterhin zu sehen. Vielleicht nicht jeden Tag, aber oft genug. Und da wir mittlerweile alle unsere Handys wieder haben, wird es uns nicht schwer fallen, uns beieinander zu melden.

Der erste Teil unserer gemeinsamen Zeit ist jetzt vorbei und ich weiß nicht, was nach der Reise auf mich zukommen wird. Wo werde ich studieren? Was werde ich studieren? Was kommt danach? Aber ich weiß, dass ich durch diese Reise eine zweite Familie gefunden habe, die mich auf meinem Weg begleiten wird und auf deren Wiedersehen ich mich immer freuen kann. Denn der nächste Teil unserer gemeinsamen Zeit hat gerade erst begonnen.

Grüße:

Miriam: Ich vermiss euch alle jetzt schon und würde euch am liebsten alle ganz fest drücken grade💕

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