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Zur Auswahl der Lehrer bei OceanCollege

Von: Johan Kegler

Ein lesenswerter Artikel im Tagesanzeiger der Schweiz verdient Aufmerksamkeit und OceanCollege fühlt sich einmal mehr in seinem Ansatz bestätigt.

In diesem Interview mit Andreas Müller vom Institut Beatenberg in der Zentralschweiz geht es vor allem um die Rolle des Lehrers. Dieser ist im gesamten Lernprozess der wichtigste Faktor, ganz im Gegensatz zu populären Schlagworten wie „Individualisierung“, „kleinere Klassen“, „jahrgangsübergreifendes Lernen“, oder „offener Unterricht“. Es geht vor allem um die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler. Gestützt werden die Aussagen von Andreas Müller nicht zuletzt durch die weltweit größte Studie zur Frage: „Was ist guter Unterricht“ von John Hattie. Seine Arbeit, in die 50.000 Einzeluntersuchungen mit insgesamt 250 Millionen Schülern weltweit einflossen, kommt zu dem Schluss, dass die Lehrperson in der Schule der mit Abstand wichtigste Faktor für Lernerfolg ist. Sehr interessant nachzulesen in diesem Artikel in der Zeit.

Und entsprechend ist es für OceanCollege sehr wichtig, diese so wichtigen Menschen im Projekt, die Lehrer, sehr sorgfältig auszuwählen. Bewerbungen gibt es genug, aber es geht vor allem um die richtige Einstellung zum Schüler. Ich sage jedem Lehrer und jeder Lehrerin, dass er oder sie während der Reise etwa fünf Tage frei haben wird und den Rest den gesamten Tag und teilweise auch während der Nachtwache mit den SchülerInnen arbeiten wird. Und zwar am wenigsten im klassischen Lehrer-Schüler Setting, sondern in einem sehr persönlichen Austausch. Entsprechend wurden einige Bewerbungen von vornherein abgelehnt, aus denen offensichtlich hervorging, dass bei diesen eine sehr klassische Lehrerdefinition vorherrschte.
Wir werden uns zudem mit den vier ausgewählten Lehrern (passenderweise zwei Frauen und zwei Männer) vor dem Wochenende mit den Schülern allein auf dem Schiff treffen, um uns gegenseitig zunächst ohne Schüler kennenzulernen und genau über solche Grundsätze intensiv zu diskutieren. Eine ausführliche Vorstellung der mitfahrenden Lehrer erfolgt dann im Sommer und man darf gespannt sein.

Bayern schafft G8 ab

Von: Johan Kegler

 

Wenn das Bundesland mit dem scheinbar höchsten Bildungsstandard in Deutschland die Abschaffung von G8 beschließt, dann lässt das aufhorchen.

http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/abitur-bayern-kehrt-zum-g9-zurueck-a-1142014.html

Zunächst ist eine 11. Klasse für jegliche Auslandsaufenthalte natürlich förderlich, bevor es während des MSA- Abschlusses in einigen Ländern bzw. nach der 11. Klasse ins Abitur geht.

Ich möchte in diesem Beitrag aber einen anderen Fokus deutlich machen. G8 wurde ja offiziell eingeführt, weil deutsche Schüler bzw. Studenten beim Berufseinstieg im Vergleich anderen Ländern zu alt sind. Man könnte nun bösartig argumentieren, dass G8 also dafür eingeführt wurde, um früher Steuer- und Beitragszahler zu generieren. Gerne möchte ich an dieser Stelle nochmals ein Zitat nutzen, dass ich schon in einem früheren Blogbeitrag verwendet habe, in dem es um das Thema „Wachstum“ ging.

„„Für alles, was uns voranbringt, brauchen wir Energie. Energie ist Bewegung. Wir brauchen Beschleunigung statt Entschleunigung. Ohne Beschleunigung gibt es kein Wachstum. Und ohne Wachstum ist unsere Volkswirtschaft nicht stabil.“ Nein, das ist kein Zitat aus den 1950iger Jahren. Das ist auch keine Satire. Diese Sätze stammen aus dem Leitartikel des Wirtschaftsteils der Süddeutschen Zeitung vom 24.12.2013. Die Autorin Kathrin Werner hält es für ein schlechtes Zeichen, dass die Menschen in Berlin rechts auf der Rolltreppe stehen und nur die Eiligen auf der linken Seite gehen. „In New York“, schreibt sie, „machen das nur Touristen“, und das Verhalten der Deutschen findet sie dämlich, genauso wie unsere 24 gesetzlichen Urlaubstage. „In Asien oder Amerika ist das undenkbar.“ Beschleunigung ist nämlich überhaupt gut, nicht nur wegen des Wachstums. Weil man ja mehr Zeit hat, wenn man alles schneller macht.“

Wieso müssen heutige SchülerInnen, die sowieso eine stetig steigende Lebenserwartung haben, auch noch früher mit dem Arbeiten beginnen? Wieso wurde irrsinnigerweise auch beim Lernen auf Geschwindigkeit gesetzt, obwohl man kein Fachmann zu sein braucht, um zu wissen, dass mehr Stoff in kürzerer Zeit eher den gegenteiligen gewünschten Effekt hat? Wer definiert eigentlich genau, ab wann ein Schüler / Student / sog. „Arbeitnehmer“ zu alt ist? Wieso wird nicht die Ansicht vertreten, dass gerade etwas mehr Zeit bei der Berufsvorbereitung (was ja die Schule sein sollte) zu nachhaltigeren Entscheidungen in der Ausbildungs- oder Studienwahl zum Beispiel durch einen Auslandsaufenthalt führt, was dann wiederum spätere Umwege und Zeitverluste minimiert?

OceanCollege begrüßt die Rückkehr zu G9 im Sinne von mehr Entschleunigung und Zeit für Reflektion sehr und freut sich im kommenden Jahr auf die ersten G9 Schüler aus Bayern.

In Zukunft keine Zeugnisse mehr?

Von: Johan Kegler

Nachdem ich im letzten Bildungsblog über einen Blogartikel aus Finnland geschrieben hatte, in dem ich die Vision einer fächerlosen Schule aufgriff, geht es heute um etwas noch Konkreteres: Die Abschaffung von Noten und Zeugnissen.

Als Lehrer bin ich mit Noten beinahe täglich konfrontiert und mit Zeugnissen meist mit ziemlich viel Hektik am Ende eines jeden Halbjahres. Und entsprechend meiner Erfahrung damit bin ich mit grosser Begeisterung über diesen Artikel gestolpert, immerhin aus der FAZ:

http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/arbeitswelt/wert-von-zeugnissen-auf-arbeitsmark-sinkt-14576046.html

Dort heisst es etwa: Mieses Zeugnis? Kein Problem! Viel wichtiger ist das Ergebnis bei einem Test, den alle absolvieren müssen: 30 Minuten Online-Quiz von zu Hause aus geben den Personalentscheidern erste Einblicke: Ist der Bewerber sozial kompetent? Ist er motiviert und integer? Wie viel Fachwissen hat er? Eine der Fragen lautet zum Beispiel: „Ein Kollege bittet Sie kurz vor Feierabend um Hilfe. Wie reagieren Sie?“ Dazu gibt es dann verschiedene Antworten, deren Zutreffen oder Nicht-Zutreffen der Bewerber in einem Multiple-Choice-Verfahren einschätzen soll. Das Abschneiden in diesem ersten Test entscheidet über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch.“

Sicherlich muss es eine Leistungsbewertung geben, allerdings sollte auch diese, ähnlich wie bei der herkömmlichen Unterrichts- und Fächergestaltung, nicht alle zu Bewertenden mit den gleichen Instrumenten bewerten. Entsprechend liest man in dem Artikel weiter: Zeugnisnoten sagen einiges, aber nicht alles. (…) Und manchmal sagen sie nicht das aus, was gerade gebraucht wird.“ Zum Beispiel, ob jemand zuverlässig sei, sich konzentrieren könne, oder auch, wie gut er räumlich denken kann. In jedem Unternehmen seien „Dinge gefragt, die in Schule oder Hochschule nicht gelehrt werden können“. Einige Unternehmen gingen deshalb vermehrt dazu über, als Erstes die Kompetenzen der Bewerber zu testen und die Zeugnisse erst im zweiten Schritt abzufragen.“

Ich wage zu behaupten, dass wir bei OceanCollege diese drei genannten Kompetenzen Zuverlässigkeit, Konzentration und räumliches Denken sehr gut werden beobachten können. Entsprechend gibt es bei uns zwar auch ein Notenblatt, damit die Schüler im System zu Hause auf kompatible Weise belegen können, welches Fach sie mit welchem Ergebnis belegt haben, als mindenstens genauso wichtig erachten wir aber auch unser Projektzeugnis. In diesem werden wir so genau wie möglich die Kompetenzen der Jugendlichen beschreiben und dafür auch die Beobachtungen während der Reise verarbeiten.

Wir glauben, dass die Ziffern 1 bis 6 nicht annähernd die Fähigkeiten eines Menschen adäquat beschreiben können, sondern vielmehr zu einem Schubladendenken und vor allem auch an dieser Stelle zu sinnloser Konkurrenz zwischen den Schülern führen. Und es schliesslich auch dem Lehrer zu einfach machen, der nie wirklich detailliert die Fähigkeiten eines Schülers / einer Schülern beschreiben muss.